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schleswig Die Schrittmacher-Rolle der Gottorfer Hofmusik

Von Michael Radtke | 23.04.2013, 03:59 Uhr

Ab 26. April attraktives Festival in der Schlosskapelle und im Hirschsaal / Komponist Förtsch im Fokus

Da hat der Herzog, Christian Albrecht war sein Name, mal den richtigen Riecher gehabt: Im verheerenden Dreißigjährigen Krieg war sein Ländchen neutral geblieben. Deswegen ging es Schleswig-Holstein-Gottorf nach Kriegsende vergleichsweise gut, die Kasse war ordentlich gefüllt und so hatte Christian Albrecht noch Penunzen übrig für sein Hobby - die Förderung der Kultur.

So könnte man eine Geschichte über die Gottorfer Hofmusik akzentuieren, die vom 26. April bis zum 1. Mai zum zweiten Mal Gegenstand eines Festivals auf der Schlossinsel ist. Sechs Konzerte, eins mehr als im letzten Jahr, stehen auf dem Programm, gegeben in der Schlosskapelle und im angrenzenden Hirschsaal.

Dort findet am 1. Mai um 18 Uhr auch der Festvortrag des Musikwissenschaftlers Professor Dr. Konrad Küster statt, der wichtige Impulse zur Gründung des Festivals gab. Küster beschäftigt sich mit dem Gottorfer Hofkapellmeister Johann Philipp Förtsch - einer echten Entdeckung dieses Festivals. Eine Stunde später führt das Bremer Ensemble Weser-Renaissance geistliche Konzerte von Förtsch in der benachbarten Kapelle auf.

Aber man könnte das Thema der Gottorfer Hofmusik auch ganz anders angehen. Dann stände im Mittelpunkt, dass der vom Herzog geförderte Förtsch auch ein Pionier der deutschsprachigen Oper war; und als solcher der großen Kirchenkantate und deren opernhaften Elementen, die Johann Sebastian Bach dann vervollkommnete, den Weg wies.

Diese Schrittmacher-Rolle der Gottorfer Hofmusik samt ihrem Aufführungsort führte dazu, dass eine Zeit lang überlegt wurde, Kapelle und Musik zum Unesco-Weltkulturerbe anzumelden, was aber vor einigen Wochen von Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) wieder abgeblasen wurde. Küster: "Die Zeit war wohl noch nicht reif dafür."

Aber dann gibt es noch eine dritte Variante des Umgangs mit dem bevorstehenden Festival, das von der Projektverantwortlichen der Gottorfer Stiftung, Dr. Uta Kuhl, mit Feuereifer organisiert wurde. Und dieser "rote Faden" hat mit den Finanzen zu tun. 2012 und 2013 wird das Festival im wesentlichen durch Gelder aus dem Etat des Kulturstaatsministers Bernd Neumann (CDU) gefördert, einem engen Vertrauten des hiesigen Bundestagsabgeordneten und Kultur-Sachverständigen Wolfgang Börnsen (CDU); rund 80 000 Euro werden in diesem Jahr so finanziert.

Danach bildet bis zum Mai 2015 das Interreg-Projekt "Musik und Religion zwischen Rendsburg und Ribe" einen wichtigen Etat-Baustein. Im Rahmen dieser "kulturellen Topografie" (Kuhl) erhofft sich Musikwissenschaftler Küster weiteren Aufschluss über Qualitäten der Hofmusik an der Schlei und über den "zu Recht wiederentdeckten" Komponisten Förtsch.

Manchmal allerdings kann Musik nur so gut sein wie der Raum, in dem sie aufgeführt wird. Das trifft besonders auf die Gottorfer Schlosskapelle von 1590 zu, die nahezu komplett aus den Zeiten der Spätrenaissance erhalten geblieben ist. Sie bietet deswegen, so Küster, "ein einzigartiges Klangpotenzial". Und sie schlägt, sagt der Bischofsbevollmächtigte des Sprengels, Gothard Magaard, "eine musikalische Brücke" zum Kirchenprojekt "Luthers Norden", das in diesem Jahr unter Motto "Reformation und Toleranz" steht. Kartenvorverkauf über kasse@schloss-gottorf.de.