Günstige Preise für Immobilien : Schleswig-Holsteiner sind heiß auf dänische Häuser

In Süddänemark häufig anzutreffen: Schilder mit dem Aufdruck „Til Salg“ (zum Verkauf).
In Süddänemark häufig anzutreffen: Schilder mit dem Aufdruck „Til Salg“ (zum Verkauf).

Steigende Immobilienpreise in SH locken immer mehr Menschen über die Grenze. Der Zuwachs bei den deutschen Käufern ist bemerkenswert.

shz.de von
28. Juli 2015, 11:06 Uhr

Im vergangenen September berichtete shz.de über die wachsende Lukrativität dänischer Wohnhäuser für Deutsche im Grenzland. Inzwischen verzeichnen dänische Makler einen klaren Zuwachs beim Anteil deutscher Käufer. Diese zieht inzwischen nicht mehr unbedingt der Arbeitsplatz nach Süddänemark, sondern die Tatsache, dass viele Häuser auf der anderen Seite der Grenze einfach billiger sind. Vor allem in Flensburg Ansässige können derzeit auf dem dänischen Immobilienmarkt so manches Schnäppchen im sonst eher teuren Land schlagen.

Makler Ole Jepsen von Nybolig in Pattburg berichtet, dass immer mehr Deutsche sich in Nordschleswig ein Wohnhaus kaufen. 25 Prozent der in diesem Jahr verkauften Immobilen gingen in deutsche Hände, sagte er „BovBladet“. Der findige Makler bietet den deutschen Kunden ein Rundum-Sorglos-Paket mit Hilfe bei der Aufenthaltsgenehmigung sowie Infos zur Kfz-Registrierung und den nicht zu unterschätzenden Änderungen bei den Sozialversicherungen.

Die Makler der EDC-Gruppe in Apenrade haben inzwischen eine deutschsprachige Mitarbeiterin engagiert, um deutsche Kunden in Dänemark und dänische Kunden in Deutschland zu betreuen.

„Wir bemerken eine sehr positive Entwicklung“, sagt EDC-Makler Brian Marcussen im Gespräch mit dem Nordschleswiger. Etwa jedes fünfte Haus in Grenznähe verkaufen er und seine Kollegen inzwischen an Deutsche. „Wir haben die Vermarktung in Deutschland intensiviert, inserieren jetzt auch z.B. auf der deutschen Internetseite bei Immobilienscout“, so Marcussen, dessen Büro inzwischen auch eine Zweigstelle in Wassersleben betreibt.

Deutsche zählten schon immer zu den Kunden, doch so viele wie in 2015 seien es ewig nicht mehr gewesen. Das liege an den günstigeren Preisen in Nordschleswig, meint er – „aber viele haben auch irgendwie eine Beziehung nach Dänemark, kennen das Land vielleicht aus dem Urlaub und finden, dass es hier weniger hektisch zugeht, weniger förmlich. Und natürlich sind immer welche dabei, die hier neu Arbeit gefunden haben oder die schon länger hier arbeiten und jetzt den Schritt machen wollen.“

In Schleswig-Holstein sind, wie in den meisten anderen Bundesländern, die Grunderwerbssteuern in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Mit 6,5 Prozent ist das nördlichste Bundesland bundesweit Spitze. 2013 lag der Steuersatz noch bei nur 3,5 Prozent.

Ein Vergleich: Im Sommer 2012 kostete ein Haus im Flensburger Stadtgebiet laut Immowelt im Durchschnitt noch 230.000 Euro, im Herbst 2014 waren es 270.000 Euro und jetzt sind es stolze 380.000 Euro – Tendenz steigend. Während der Quadratmeter in der Kommune Apenrade für 9.000 Kronen zu haben ist, kostet er in und um Flensburg im Schnitt das Doppelte – und in den ruhigen oder zentrumsnahen Wohnlagen je nach Lage noch deutlich mehr.

Auffällig ist, dass die Nachfrage aus Deutschland sich vor allem auf die absolut grenznahen Bereiche Krusau, Pattburg und Tingleff konzentriert. Die Nähe zu Flensburg bleibt also ein entscheidender Faktor. „Hier in Sonderburg merken wir davon jedenfalls kaum etwas“, sagt Estate-Makler Peter Kistrup: „Die Nachfrage aus Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Es gibt immer Deutsche, die herziehen wollen – bei uns geht es dann aber mehr um Kunden, die das System in Deutschland verlassen wollen. Die gibt es in umgekehrte Richtung ja auch.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen