Menschen des Jahres : Zwischen Kirchentaxi und Löschfahrzeug

Stille Helden des Alltags: Im Restaurant „Meerestochter“ nahmen Dörthe Weber (2.v.r.), Bernhard Gummert (li.) sowie Detlef und Ursula Manke Urkunden und Blumen entgegen.
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Stille Helden des Alltags: Im Restaurant „Meerestochter“ nahmen Dörthe Weber (2.v.r.), Bernhard Gummert (li.) sowie Detlef und Ursula Manke Urkunden und Blumen entgegen.

Die Leser des Schlei Boten wählen Dörthe Weber aus Schwackendorf zur ihrem „Menschen des Jahres 2017“.

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06. Dezember 2017, 07:00 Uhr

Sie ist voll im Einsatz – und das nicht nur, wenn in Hasselberg die Feuerwehrsirenen losheulen: Für Dörthe Weber gehört ehrenamtlicher Einsatz zum Leben dazu. Gestern wurde sie dafür von unserer Zeitung bei einer Feierstunde im Restaurant „Meerestochter“ ausgezeichnet. Die Leser des Schlei Boten haben sie – am Ende mit einem deutlichen Vorsprung – zum „Menschen des Jahres 2017“ gewählt.

Gut zwei Wochen konnten die Leser ihre Stimme per Stimmzettel oder Telefon abgeben. Neben Dörthe Weber war auch Bernhard Gummert als Kandidat nominiert. Er hatte in vielen Stunden die Bauleitung des Anbaus für den TSV Kappeln übernommen. Den Dank dafür gab er gestern an den Vorstand des Sportvereins zurück. „Da kommt jemand ganz neu dazu und bekommt gleich so viel Vertrauen“, sagte er, denn er war erst 2015 aus Rotenburg an der Wümme nach Kappeln gezogen. Nun können die Sportler es kaum abwarten, die neuen Umkleideräume zu nutzen. Das fehlende Schließsystem ist für Januar angekündigt. „Jetzt wird es Zeit, dass Leben einzieht.“

Ursula und Detlef Manke waren ebenfalls nominiert. Das Gastronomen-Paar engagiert sich nicht nur seit Jahren in der Flüchtlingshilfe, sie haben auch fünf jungen Männern aus Syrien einen Arbeitsplatz gegeben. „Wir sehen das gar nicht so hoch an – es ist doch eine Win-Win-Situation“, sagte Ursula Manke und ergänzte: „Integration geht nur übers Arbeiten.“ Davon dass das richtig gut funktioniert, konnten sich alle Anwesenden selbst überzeugen. Marwan Alfahel (29) hatte den Service bestens im Griff.

Dass die Wähler sich am Ende für die 52-jährige Schwackendorferin Dörthe Weber entschieden haben, lag sicher auch an der Vielfältigkeit ihres Engagements. Sie ist nicht nur Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hasselberg und baut dort gerade eine Kinderfeuerwehr auf, in der der Nachwuchs bereits ab etwa fünf Jahren die spannenden Aufgaben kennen lernen kann – sie ist besonders auch aus der Kirchengemeinde Gundelsby-Maasholm nicht wegzudenken. Pastor Hanno Jöhnk hielt die Laudatio und auch wenn er den Einsatz der anderen Nominierten lobte, gab er doch zu: „Wenn es um Dörthe geht, bin ich einfach parteiisch.“ Kein Wunder, denn sie arbeitet unermüdlich im Kirchengemeinderat mit, ist Vorsitzende des Seniorenausschusses, organisiert die monatlichen Gemeindenachmittage in Maasholm und hilft bei Ausflügen und Jugendfahrten. Sie fährt sonntags das Kirchentaxi, übernimmt Lesungen im Gottesdienst und ist im Förderverein aktiv. Bei ihrer Arbeit in der evangelischen Kita zeichne sie sich, so Jöhnk, durch gute Nerven, aber auch durch ihren feinfühligen Umgang mit Kindern und Eltern aus. „Dörthe Weber ist durch ihre lebendige, offene Art bei allen Generationen beliebt. Sie hat ein gutes Auge und ein offenes Herz gerade auch für die Schwächeren in einer Gruppe“, sagte der Laudator.

Die Freude am Ehrenamt habe sie weitergegeben: Die ganze Familie sei ein ehrenamtlicher Knotenpunkt in den Dörfern. Durch die personale Vernetzung profitierten Kirchengemeinde, Gemeinde und Feuerwehr voneinander, weil Dörthe Weber in alle Richtungen Verbindung schaffe. „Wir sind dankbar, dass sie aktiv in unserer Gemeinde arbeitet und freuen uns über jede Ehrung, die sie in ihrem Engagement bestärkt“, so Jöhnk.

„Mit diesem Preis wollen wir die stillen Helden des Alltags würdigen“, erklärte Alf Clasen, Redaktionsleiter des Schlei Boten, die Motivation des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags für die bereits vor 15 Jahren initiierte Aktion. So viel Einsatz, wie die vier Nominierten gezeigt hätten, das sei nicht selbstverständlich. Dennoch stünden sie nun schlussendlich hier für viele andere. Er überreichte den Kandidaten die Urkunden und Blumen vor den 35 geladenen Gästen.

„Ich freue mich, dass mein Name hier steht, aber das ist nur für viele andere“, sagte auch die Preisträgerin bescheiden. Die Stunden habe sie nie gezählt, dafür mache ihr das alles zu viel Spaß. Aber auch wenn die Familie komplett hinter ihr und alldem stehe, was sie tut, habe sie von ihrem Mann doch eine klare Anweisung für die Zukunft bekommen, berichtete sie lachend: „Noch einmal hebst du nicht die Hand.“

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