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Schleswig : Zwangspause für das Wikinger-Museum

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Pilzbefall: Das Gebäude in Haithabu bleibt 2017 wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.

Die Schlossherren strahlten förmlich um die Wette. Kein Wunder, denn schließlich verkündeten Professor Claus von Carnap-Bornheim und Guido Wendt, Leitender Direktor und Kaufmännischer Geschäftsführer der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, gestern auf Schloss Gottorf eine positive Bilanz für 2015. „Hinter uns liegt ein erfolgreiches Jahr“, sagte Carnap-Bornheim mit Blick auf die steigenden Besucherzahlen. 116.542 Menschen pilgerten in die Ausstellungen auf der Schlossinsel – ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber 2014. Noch besser besucht ist das Wikinger-Museum Haithabu. Dort zählte man in diesem Jahr 139.269 zahlende Gäste, was ein Zuwachs von 5,8 Prozent bedeutet. Ein Ergebnis, dass sich die Verantwortlichen auch für das kommende Jahr erhoffen.

Doch gerade in Haithabu stehen die Museumsleute zugleich vor einer außergewöhnlichen Herausforderung. Denn 2016 laufen dort die Vorbereitungen für umfangreiche Sanierungsarbeiten. Ein tückischer Pilz setzt dem 1981 eröffneten und erst 2010 umgebauten Museumsgebäude zu. Der Schädling frisst sich durch die Balkenkonstruktion. Dies war bereits im Sommer bekannt geworden. „Wesentliche tragende Elemente müssen ausgetauscht werden“, erläuterte Wendt und legte jetzt einen Zeitplan für die Sanierung vor. Wenn die kommende Saison im Oktober endet, sollen die Arbeiten beginnen. Das Wikinger-Museum bleibt dann das ganze Jahr 2017 über geschlossen. Die Sanierung wird rund 3,4 Millionen Euro kosten.

„Natürlich ist das ein Einschnitt für uns“, sagte Carnap-Bornheim. Die gute Laune wollten sich er und Wendt deswegen dennoch nicht verderben lassen, zumal es bereits Pläne gibt, wie trotzdem ausreichend Besucher nach Haithabu gelockt werden sollen. So werden zum einen die Wikingerhäuser weiter besichtigt werden können. Einige Museumsexponate sollen zudem in Containern präsentiert werden. „Eine Containerausstellung kann man durchaus ästhetisch gestalten“, versicherte Wendt.

Nicht zuletzt ist eine „wissenschaftliche Schau-Ausgrabung“ auf dem Freigelände innerhalb des Halbkreiswalls vorgesehen. Und zwar „in einem besonders spannenden Areal, im Bereich des Gräberfeldes“, wie Carnap-Bornheim ankündigte. Dort, auf einem der größten frühmittelalterlichen Gräberfelder in Nordeuropa, seien schätzungsweise 10.000 bis 12.000 Menschen bestattet worden. Die Archäologen hoffen, bei den Ausgrabungen auf interessante Grabbeigaben zu stoßen.

Mit Pilzen hat die Stiftung Landesmuseen ihre liebe Not. Im Gottorfer Barockgarten sind bekanntlich seit geraumer Zeit die Buchsbaumhecken von einem Pilz befallen. Und nun auch noch der Schädling im Wikinger-Museum. Natürlich sei es ärgerlich, dass man den Schaden nicht bereits 2010 bei den umfangreichen Umbauarbeiten entdeckt habe, sagte Wendt. Damals war das Museum für den Aufbau der neuen Dauerausstellung ein halbes Jahr geschlossen.

Als Erfolg werteten die Museumschefs unterdessen den erstmals in Eigenregie veranstalteten Gottorfer Landmarkt. Demnach hatten am 17. Mai mehr als 17.000 Menschen den Ökomarkt auf der Schlossinsel besucht. Auch für die Ausrichtung des kommenden Landmarktes am 22. Mai 2016 werde man sich beim Kreis Schleswig-Flensburg, dem Träger der Veranstaltung, bewerben, kündigte Wendt an. „Wenn wir den Zuschlag bekommen, werden wir wieder ein spannendes Programm auf die Beine stellen“, versprach Guido Wendt an und verriet bereits eine Neuerung. So sei es gelungen, mit den Schleswiger Stadtwerken und BMW eine Kooperation einzugehen. Der Autokonzern werde mit einem Elektroauto beim Landmarkt vertreten sein. Die zugehörige Tankstelle werde von den Stadtwerken gestellt – und stehe Museumsbesuchern anschließend dauerhaft zur Verfügung.
 

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erstellt am 28.Dez.2015 | 18:58 Uhr

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