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Das grosse Aufräumen : Zwangsernte mit schwerem Gerät

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Im Wald von Stolk, Idstedt und Böklund sind 50 Prozent der Nadelbäume nach dem Orkan „Christian“ beschädigt. Die Aufräumarbeiten werden voraussichtlich bis zum Frühjahr dauern.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2013 | 16:00 Uhr

Im Waldgebiet von Stolk, Böklund und Idstedt bewegt sich zurzeit ein hoch technisiertes Ungetüm, das aber dennoch wie ein Urzeitreptil wirkt. Im Auftrag der Forstbetriebsgemeinschaft Angeln beseitigt ein Holzvollernter – auch Harvester genannt – die Folgen von Orkan „Christian“. Er greift entwurzelte und abgebrochene Bäume, entastet sie und lässt zu verarbeitendes Stammholz zurück. Dem Harvester voran geht üblicherweise ein „Abstocker“, der mit einer Motorsäge den Stamm von der Wurzel trennt.

2200 Hektar Wald von überwiegend kleinen Waldbesitzern betreut die Forstbetriebsgemeinschaft Angeln. Davon sind etwa 15 Prozent Nadelwald. Und davon wiederum sind durch den Orkan etwa 50 Prozent geschädigt. Die älteren Bäume sind mit ihren Wurzeln umgeworfen worden, während jüngere Exemplare meist in der Höhe von zwei bis drei Metern abgebrochen sind.

Aber der Sturm traf auch Eichen, Buchen und andere Laubbäume. „Der Orkan kam vier Wochen zu früh“, erklärt Verbandsförster Christof Vetter. So trugen die Bäume noch ihr Laub und boten dem Wind deshalb mehr Angriffsfläche. Allerdings: Bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 140 Stundenkilometer ist kein Baum sicher. Insgesamt müssen im Bereich der Forstbetriebsgemeinschaften 50 000 Festmeter Holz zwangsgeerntet werden. Das entspricht einem üblichen Einschlag von zehn Jahren.

Waldbesitzer Johannes Petersen nimmt an, dass die Erlöse aus dem Holzverkauf ausreichen, um die erhöhten Aufarbeitungskosten und die spätere Aufforstung bezahlen zu können. „Bei einer Fläche von acht Hektar, von der sechs Hektar voll geschädigt sind, entgehen mir aber unter dem Strich 800 Festmeter Holz“, hat er seine Verluste ausgerechnet.

Nicht exakt einzuordnen sind die sogenannten strukturellen Schäden, die dadurch entstanden sind, dass geschlossene Waldflächen aufgerissen worden sind und dem Wind nun mehr Angriffsfläche bieten. Erst die kommenden Stürme werden zeigen, welche Auswirkungen diese Schäden nach sich ziehen.

Auf jeden Fall werden die betroffenen Flächen wieder aufgeforstet – „mit standortgerechten Baumarten“, wie Förster Vetter erklärt. Die Forstbetriebsgemeinschaft bietet dabei ihren Mitgliedern einen Rundumservice, der vom Mulchen der Fläche über die Förderanträge bis zum Zaunbau um die Schonung reicht.

Wie auch immer – die Waldbesitzer müssen ihre Schäden aufarbeiten. „Bei Nichtbeachtung dieser Vorschrift können sie durch die untere Forstbehörde dazu gezwungen werden“, erklärt Vetter. Er warnt auch davor, ungeprüft Selbstwerber in die angeschlagenen Wälder zu lassen, da der Eigentümer auch für deren Sicherheit verantwortlich ist. Seiner Meinung nach wurde auch das Begehungsverbot der Wälder viel zu früh aufgehoben. Denn noch immer hingen lose Äste in den Kronen, die beim leisesten Windzug herabfallen und Spaziergänger verletzen könnten.

Im Bereich der Forstbetriebsgemeinschaft Angeln rechnet man damit, dass die Aufräumarbeiten erst im Frühjahr beendet sein werden.

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