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Schlei-Bote

24. Oktober 2017 | 12:26 Uhr

Kappeln : Zuwachs im Trauzimmer

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Jule Radix verstärkt die Standesbeamten der Stadt: Ab morgen darf sie Ehen schließen.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 07:00 Uhr

Sie arbeitet im Bürgerbüro und kümmert sich um die Unterbringung der Flüchtlinge in der Stadt: Jule Radix ist mit 22 Jahren die jüngste Mitarbeiterin im Rathaus. Jetzt hat sie eine Fortbildung gemacht und wird ab morgen auch Trauungen vornehmen dürfen. Jule Radix ist die neue Standesbeamtin in Kappeln.

2014 hat Jule Radix ihr Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten in der Kappelner Verwaltung abgeschlossen. Als 2015 die Anfrage von ihrer Chefin Helga Lorenzen, Leiterin des Fachbereichs Ordnung und Soziales, kam, ob sie nicht die Zusatzausbildung zur Standesbeamten machen möchte, war ihr das noch etwas zu früh. „Aber ich hatte Zeit darüber nachzudenken und hab mich sehr gefreut, dass sie 2016 noch einmal nachfragte“, berichtet Radix. Zwei Wochen dauerte der Lehrgang, den die Kappelnerin in Bad Salzschlirf absolvieren und mit einer Prüfung abschließen musste. Nicht nur Eheschließungen, auch Sterbefälle, Vaterschaftsanerkennungen, Geburten, internationales Privatrecht – das alles gehört zum Aufgabengebiet einer Standesbeamtin dazu. „Sie hat mit großem Erfolg bestanden“, erklärt Helga Lorenzen, die sich sehr über die Unterstützung freut. „Wir haben hier eine große Mutterschaftsfluktuation“, sagt sie und lacht. „Jule bringt genau die richtigen Voraussetzungen mit. Sie ist aufgeschlossen und freundlich. Kein Brummbär.“ Damit erfährt auch ihre Kollegin im Standesamt, Kerstin Bruhn, Entlastung. Neben ihr und Lorenzen nimmt auch noch Johannes Gramann Trauungen in Kappeln vor. Er war fast 20 Jahre Standesbeamter in Gelting, ist inzwischen pensioniert und hilft seit April 2016 stundenweise aus.

Zunächst wird Jule Radix im Urlaubs- oder Krankheitsfall vertreten. „Oder auf besonderen Wunsch“, sagt sie und lacht. Im August gibt es schon so einen Fall, wenn eine Freundin von ihr heiraten wird. Die offizielle Ernennung wird Bürgermeister Heiko Traulsen am morgigen Mittwoch vornehmen. Die erste Eheschließung für die neue Standesbeamtin wird am 7. April sein. Darauf freut Jule Radix sich schon sehr. Überhaupt ist sie ganz begeistert von ihrer neuen Aufgabe. Es sei eine schöne Abwechslung im Arbeitsalltag. „Und ich freue mich sehr, die Menschen an einem für sie so besonderen Tag begleiten zu dürfen. Das ist eine Ehre, ich finde das wirklich fantastisch“, schwärmt sie.

Gerade ist auch das Trauzimmer in der Mühle „Amanda“ aufgefrischt worden, berichtet Kerstin Bruhn. „Die Mühle strahlt wieder“, sagt sie. Die Besucherstühle, vor allem aber die rund 100 Jahre alten Mühlenstühle, sind restauriert worden. Die Mühle ist der Haupttrauort der Stadt, nur wenn die Zugänge barrierefrei sein müssen, wird auf das Magistratszimmer im Rathaus ausgewichen.

Seit 1978 werden Trauungen in der Mühle vorgenommen. „Das war damals ein Alleinstellungsmerkmal für Kappeln – bundesweit“, erinnert Helga Lorenzen sich, die zu dieser Zeit die jüngste Standesbeamtin weit und breit war. Die Idee war gemeinsam mit der Tourismuszentrale entstanden, die durch diesen außergewöhnliche Hochzeitsmöglichkeit auch Urlauber anlocken wollte. „Das hat funktioniert“, berichtet Lorenzen. Die Menschen kamen aus ganz Deutschland – sogar aus Südfrankreich ist ein Paar für die Eheschließung angereist. Ein Plan, der bis heute funktioniert, denn häufig reisen gleich zahlreiche Verwandte und Freunde mit an und beleben das Urlaubsgeschäft der Schleistadt. „Oft entdecken Urlauber die Mühle und kommen dann für die Trauung zurück“, das hat Kerstin Bruhn schon erlebt. Ganz spontan, das gehe aber nicht, die Anmeldung der Eheschließung muss im Wohnort geschehen. Einen sechsmonatigen Aushang – wie damals das Aufgebot – gebe es heute nicht mehr. Auch muss das Paar keine Trauzeugen mehr dabei haben, wenn es nicht möchte, kann ganz heimlich und anonym heiraten. „Manchmal bin ich auch mit den Beiden ganz allein“, beschreibt die Standesbeamtin. Auch sie hat schon Hochzeiten erlebt, die sie nicht mehr vergisst. „Ein Paar kam extra aus Zell am See mit dem Wohnmobil, und die ganze Verwandtschaft kam im Dirndl und Lederhosen. Das bleibt in Erinnerung“, sagt sie und lacht.

Gut 120 Eheschließung werden in der Verwaltung pro Jahr registriert. Davon sind zwei Drittel Auswärtige. Immer mittwochs, freitags und am letzten Sonnabend im Monat sind Trauungen in der Mühle „Amanda“ möglich. Beliebt ist in diesem Jahr der Juli.

Der 1.7.17 geht nicht, aber der 7.7.17 liegt auf einem Freitag. „Der Termin ist schon ausgebucht. Aber wir bieten auch den 17.7.17 an. Ausnahmsweise – auch, wenn es ein Montag ist“, verrät Kerstin Bruhn. „Und da ist auch noch etwas Luft.“

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