Klaus-Harms-Schule : Zurück zum Abi nach neun Jahren

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In der Klaus-Harms-Schule ist die Einigkeit unter Lehrern, Schülern und Eltern groß: Mit dem 2019/20 führt das Gymnasium wieder das Abitur nach neun Jahren ein.

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21. Dezember 2017, 07:00 Uhr

Seit der vergangenen Woche ist es klar: Die Landesregierung hat den Weg frei gemacht für eine Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren an Gymnasien und das Schulgesetz entsprechend geändert. Zum Schuljahr 2019/20 wird also flächendeckend wieder G 9 eingeführt. Für die Kappelner Klaus-Harms-Schule bedeutet das ebenfalls ein „Zurück zu den Wurzeln“, denn – so viel stand schnell fest – die Schulkonferenz wird keinen Antrag auf Beibehaltung eines Abiturs nach acht Jahren stellen.

„Die Würfel sind gefallen“, sagt daher auch Schulleiter Thomas Hellmuth, das Stimmungsbild unter Lehrern, Eltern und Schülern sei eindeutig. „Ich will G 8 nicht verteufeln“, sagt Hellmuth. „Aber G 9 lässt einfach mehr zu, hat mehr Charme. Es ist sinnvoll, dorthin zurück zu kehren.“ Die Bestätigung lässt nicht lange auf sich warten – etwa von Brigitte Hansen, Vorsitzende des Schulelternbeirats. Sie hat per Mail unter den Eltern eine Umfrage gestartet – mit einem deutlichen Ergebnis. „Die überwiegende Mehrheit hat sich für G 9 ausgesprochen“, sagt sie. Das Hauptargument? „Mehr Zeit der Schüler für Nachmittagsaktivitäten, für sportliches oder soziales Engagement neben der Schule.“ Tatsächlich nämlich hätten nach ihren Worten etwa Sportvereine aufgrund von G 8 einen Mitgliederschwund gerade bei Jugendlichen registriert. Konfirmandenunterricht sei auf den Sonnabend verschoben worden. Die wenigen unter den Eltern, die G 8 beibehalten wollten, hätten dies meist mit der Begründung getan, dass sich sich die Sache doch gerade erst zurechtgeruckelt habe. Und tatsächlich findet auch der Schulleiter, dass das System G8 an der Klaus-Harms-Schule funktioniert. „Wir haben es so gestaltet, dass den Schülern genug Zeit für andere Dinge blieb“, sagt Thomas Hellmuth. Und trotzdem: „Man muss einfach sagen, dass G 9 eher der Entwicklung der Schüler gerecht wird.“

Derzeit kann es nämlich durchaus sein, dass unter den Abiturienten noch Minderjährige sind – die aber dank ihres Abschlusses als hochschulreif gelten. Brigitte Hansen sagt: „Sie können sich nicht allein an der Uni einschreiben, keine Wohnung mieten. Das ist doch paradox.“ Findet übrigens auch ihre Tochter Elena, Mitglied der Schülervertretung. Die 17-Jährige macht nächsten Sommer ihr Abitur und sagt: „Die Zahl derjenigen, die nach dem Abschluss erstmal als Aupair ins Ausland gehen, jobben oder reisen, hat sich vervielfacht. Eine Ausbildung oder ein Studium kommt für viele von uns zu dem Zeitpunkt einfach viel zu früh.“

Lehrerin Daniela Butkevicius hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Ein Jahr wegzustreichen bei gleicher Stofffülle ist natürlich schwieriger, als jetzt den Stoff wieder zu strecken“, sagt sie. Das Anforderungsniveau habe sich bei G 8 ja nicht grundsätzlich geändert – „und abstrakte Inhalte lassen sich älteren Schülern einfach leichter vermitteln“. Thomas Hellmuth sieht das genauso. „Unter G 9-Bedingungen sind bestimmte Unterrichtsinhalte viel eher ein Gewinn für die Schüler“, sagt er.

Gleichwohl bedeutet die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren für die Lehrerschaft erstmal wieder Mehrarbeit. Daniela Butkevicius erklärt: „Wir müssen Fachcurricula umstellen, neues Material, neue Bücher besorgen.“ Dabei hatte die Umstellung auf G8 bereits einiges an Geldern, Zeit und vor allem Nerven gekostet – auch Schüler und Eltern. Brigitte Hansen sagt daher: „Dieses ständige Hin und Her ist einfach nicht gut für den Schulfrieden, dabei sind auch viele Ressourcen verloren gegangen.“

Ein Nebeneffekt: Weil das Gymnasium zurück zu G 9 wechselt, wird es ein Jahr geben, in dem keine Abiturienten entlassen werden. Etwas, das die Schule vor deutlich geringere Herausforderungen stellt als die Entlassung des Doppeljahrgangs 2016. Und Elena Hansen sagt: „Ich freue mich für die Schüler, die nach mir kommen, dass sie wieder unter G 9-Bedingungen lernen dürfen und etwas reifer in die Welt entlassen werden.“ Und Daniela Butkevicius hat – wie der Rest, der das schulische Wechselbad der vergangenen Jahre mitgemacht hat – nur einen Wunsch: „Hoffentlich haben wir jetzt endlich Ruhe.“

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