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Kappelner Gymnasium steht vor Entscheidung− : Zurück zu G 9? – Der Trend sagt Ja!

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die neue Landesregierung strebt die Rückkehr zum Abitur in 13 Jahren an. Die Klaus-Harms-Schule hofft, dass möglichst schnell geklärt werden kann, ob sie sich wieder vom G 8-Modell verabschieden muss.

Kappeln | Die neue „Jamaika“-Koalition in Kiel hat für 2019 die flächendeckende Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G  9) beschlossen – es sei denn, die Schulkonferenz beschließt mit Dreiviertel-Mehrheit, am bisherigen Modell festzuhalten. Ob die Klaus-Harms-Schule beim „Turbo-Abi“ bleibt, ist also noch nicht klar. Aber Schulleiter Thomas Hellmuth sieht einen Trend. „Erst einmal müssen ja die Ausführungsbestimmungen noch abschließend feststehen, bevor die Schulkonferenz tagen kann, aber wenn ich die Stimmung unter Kollegen und Eltern deuten sollte, würde ich sagen, der Trend geht zurück zu G9“, erklärt er.

Man hoffe, dass die Erlasse zeitig kommen. „Vor den Herbstferien wäre gut.“ Spätestens im Januar, Februar kommenden Jahres, wenn die Eltern zu den Informationstagen der weiterführenden Schulen kommen, möchten sie wissen, wohin der Weg führt. Aber als besonders schlimm schätzt Hellmuth die erneute Umstellung nicht ein. „Die Oberstufe war immer drei Jahre lang, daran ändert sich nichts“, sagt er. Für G8 habe einiges komprimiert und umstrukturiert werden müssen, um es für die jüngeren Jahrgänge besser vermittelbar zu machen. Aber der Weg zurück, den Stoff wieder zu strecken, das sei leichter. „Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir viele Bücher neu anschaffen müssen“.

„Dass wir auf G  8 umgestiegen sind, war die richtige Entscheidung. Wir haben die Abläufe optimiert und die Abiturergebnisse waren nicht schlechter als unter G  9. Wir haben dadurch nicht viele Schüler verloren“, berichtet er. Dass sich in der Schulkonferenz mehr als 75 Prozent für die Weiterführung von G  8 aussprechen, hält er jedoch trotzdem für unwahrscheinlich. Die Schulkonferenz besteht jeweils zu einem Drittel aus Lehrern, Eltern und Schülern – 36 Delegierte sind es insgesamt. „Es reicht also, wenn zehn gegen G  8 sind. Vielleicht wird auch gar kein Antrag gestellt. Dann wird es automatisch wieder G  9“.

Auch in der Elternschaft scheint es eine Tendenz zu geben. „Ich kann natürlich nicht für alle sprechen, aber ein Großteil der Eltern wird sich für G  9 aussprechen“, sagt Brigitte Hansen, Vorsitzende des Schulelternbeirats. Grundsätzlich sei auch sie immer für die längere Schulzeit gewesen. Man habe sich zwar überzeugen lassen, aber die Umsetzung sei einfach nicht gut gelaufen. „Nicht die Umsetzung in der Schule, das hat funktioniert, aber die Versprechungen, die die Regierung gemacht hatte, sind nicht eingelöst worden“, sagt sie. Kleinere Klassen, ausreichend Lehrerstellen, möglichst keine Fehlstunden – das sei angekündigt gewesen. Aber Unterrichtsausfall, Lehrerüberstunden und Klassen mit 30 Schülern seien keine Seltenheit. Das findet sie enttäuschend. Und auch grundsätzlich plädiert Brigitte Hansen für das Abitur nach neun Jahren am Gymnasium. „Wir werden immer älter, müssen immer länger arbeiten, aber die Schulzeit wird immer kürzer. Das steht in keinem Verhältnis“. Die jungen Menschen, die dann an in die Ausbildung oder an die Universität gehen, sind oft noch nicht mal volljährig. „Dann müssen die Eltern noch die neuen Mietverträge unterschreiben“, sagt sie. Viele Schulabgänger wissen nach Abschluss auch noch gar nicht, was sie wirklich machen wollen. „Es gibt so viele Studienabbrecher wie noch nie“. Schade findet die Elternsprecherin aber, dass nun bei einer neuen Umstrukturierung wieder so viele Kapazitäten verloren gehen, denn die Lehrkräfte müssten sich eh schon viel zu viel mit Bürokratie und Verwaltung rumschlagen. „Ein unnötiges Hin und Her.“

Elena Hansen ist Mitglied in der Schülervertretung und sich ebenfalls verhältnismäßig sicher: „Prinzipiell sind die Schüler, die ich gesprochen habe, für G  9 – wir waren nie für G8“. Auch sie bemängelt, dass so viel Aufwand betrieben wurde, um auf das Turbo-Abitur umzustellen, und jetzt voraussichtlich zurückgerudert werden soll. Aber die Tendenz für das Klaus-Harms-Gymnasium scheine auch ihr deutlich.

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erstellt am 28.Jun.2017 | 06:31 Uhr

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