Zu viele Möwen und Enten über Damp

Von  den Dalben aus haben die Möwen im Ostseebad Damp die Promenade im Blick.
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Von den Dalben aus haben die Möwen im Ostseebad Damp die Promenade im Blick.

Möwen, die Restaurantgästen das Steak vom Teller holen oder Kindern den Crêpe aus der Hand reißen erfordern in diesem Jahr geeignete Gegenmaßnahmen im Ostseebad Damp. Das Amt Schlei-Ostsee wird mit der Damp Touristik im Januar und Februar Möwen und Enten im Ostseebad Damp verstärkt bejagen lassen.

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08. Januar 2009, 10:04 Uhr

Damp/Eckernförde | Mit ihrem langen und spitzen Schnabel packte die Sturmmöwe das Steak auf dem Teller und flog davon - René Kinza, Leiter des Ordnungsamtes im Amt Schlei-Ostsee, hatte es selbst beobachtet. "Solche Fälle wurden uns im Vorjahr häufiger gemeldet", berichtet Kinza. Immer wieder wurden Gäste, auch am Strand, von den Vögeln bedrängt. Die Tiere würden dabei immer hemmungsloser und auch schon mal Passanten auf der Promenade attackieren. Diese ließen dann vor Schreck ihr Essen, beispielsweise Crêpe oder Bratwürste fallen, die sich die Vögel dann holten. Verletzungen gab es dabei bisher noch nicht .

"Möwen gehören an die See, das ist absolut richtig, aber ihr Bestand ist deutlich zu hoch", sagt Kinza, der die Probleme in Damp bereits mit der Unteren und der Oberen Jagdbehörde besprochen hat und Jagderlaubnis bekam. Sowohl Möwen als auch Enten hätten in der Innenlage von Damp keine natürlichen Feinde. Große Greifvögel würden sich nicht in den Bereich wagen und die Bestände so regulieren. "Wir müssen handeln, zur Sicherheit der Gäste und auch zur Verbesserung der Hygiene", sagt Kinza.

Denn mit den vielen hundert Tieren, Schätzungen des Ordnungsamtes gehen von 600 bis 800 Möwen und 100 bis 150 Enten im Ostseebad aus, bringen sie mit ihrem Kot gefährliche Erreger und Bakterien mit. Vor allem vor den Gastronomiebetrieben, dem Lebensmittelmarkt und dem Bäcker müssten Besucher durch Kot laufen. Diese, wie auch Rollstuhlfahrer, brächten die Erreger in die Gebäude. Dort würden die Bakterien möglicherweise über das Feudelwasser weiter verteilt, macht Kinza die Notwendigkeit zu handeln deutlich.

Zu den starken Populationen von Möwen, Enten und Tauben hat vermutlich auch das Füttern der Tiere durch Besucher beigetragen, so der Ordnungsamtsleiter. Während mehrtägige Gäste beim Einchecken auf die Problematik hingewiesen würden, und gebeten werden, nicht zu füttern, fehle vielen Tagesgästen das Verständnis, so Kinza. Um auf das Fütterverbot hinzuweisen, hatten sowohl das Amt als auch die Damp Touristik zwischen Mai und September im Vorjahr nahezu täglich Mitarbeiter stundenweise dafür eingesetzt.

Nachdem im Vorjahr bereits mehrfach mit Groß greifern eines Falkners Möwen und Tauben vergrämt wurden, soll in diesem Jahr das Konzept umfassender und nachhaltiger zum Erfolg führen.

So sollen im Januar und Februar in den Morgenstunden an mehreren Tagen Möwen und Enten von im Idealfall fünf bis sechs Jägern bejagt werden. Zum Einsatz sollen auch Greifvögel eines Falkners kommen, um den Damper Vögeln zu signalisieren, "hier ist kein Paradies, kein sicherer Platz mehr", sagt Kinza.

Außerdem sollen bauliche Möglichkeiten geprüft werden, um die derzeit sicheren Brutplätze der Möwen auf den Flachdächern einzuschränken. Flankierend dazu soll die Information für die Gäste verbessert werden, keine Wildvögel, und seien sie noch so niedlich, zu füttern. Von Bußgeldern will das Amt absehen, damit würde das Ziel, keine Tiere mehr zu füttern, nicht erreicht. Jede Woche kämen neue Gäste, da helfe nur immer wieder aufklären, ist sich Kinza sicher.

Bereits gehandelt wurde bei der Installation von geschlossenen Abfallbehältern am Strand und der Promenade, damit die Vögel nicht nach Nahrung im Abfall suchten.

Kinza rechnet mit Kritik, doch damit könne er umgehen. Schließlich gelten Möwen und Enten auch als jagdbares Wild. In diesem Fall finde die Jagd nur im Innenbereich statt, wo sie mehr auffalle. In jedem Fall werde mit größter Vorsicht und nach den Grundsätzen waidgerechter Jagd vorgegangen, versichert Kinza.

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