Kappeln : Zu Besuch auf der Baustelle

Kaltes Vergnügen: Gästeführerin Herta Itzke (Mitte) erläuft sich mit ihrer Gruppe das Ostseeresort.
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Kaltes Vergnügen: Gästeführerin Herta Itzke (Mitte) erläuft sich mit ihrer Gruppe das Ostseeresort.

Eine Führung durch das Ostseeresort Olpenitz bietet Matsch an den Schuhen und Eindrücke des Fortschritts.

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02. Januar 2018, 07:00 Uhr

Es ist kalt an diesem Nachmittag. Trotzdem sind an die 40 Menschen gekommen, Neugierige, Interessierte, Kappelner, Leute aus der nahen Umgebung, Urlauber. Sie treffen sich auf dem Besucherparkplatz des Ostseeresort Olpenitz zur Führung über eine Großbaustelle. Oder über eine Mischung aus Baustelle und erschlossenem Wohngebiet. Es ist die dritte dieser Art, die die Ostseefjord-Schlei GmbH auf Wunsch der Helma Ferienimmobilien GmbH anbietet. Und der Hauptinvestor im stetig wachsenden Feriendorf hat dabei ganz offensichtlich einen Nerv getroffen. Gästeführerin Herta Itzke jedenfalls freut sich über die große Teilnehmerzahl und kündigt vorab schon mal an: „Wir werden so etwa vier Kilometer laufen.“ Abhalten wird das niemanden.

Aufgeteilt auf zwei Gruppen marschieren die Teilnehmer los. Und Herta Itzke erzählt. Von den ersten Überlegungen, einen Marinestützpunkt in Kappeln zu errichten, das war 1954. Vom Baubeginn 1959. Von der Einweihung 1964. Und von vier Millionen Kubikmeter Sand, die damals ausgehoben wurden. „Das war schon ein gigantisches Projekt“, sagt Itzke. Dass es das auch jetzt, in den zweitausender Jahren ist, sagt sie nicht. Muss sie auch nicht. Die Gruppe wird das gleich selbst hautnah erleben.

2006 wurde der Stützpunkt geschlossen, die Zeit der Port Olpenitz GmbH brach an. Herta Itzke geht nur kurz auf die Episode ein, streift die Insolvenz der Gesellschaft und beschäftigt sich dann lieber mit dem was jetzt ist, der Helma, dem kontinuierlichen Baufortschritt, den mitunter recht extravaganten Häusern. Dann streckt sie doch den Arm aus, zeigt auf ein kleines Gebäude mit rot-orangenem Dach. „Das ist das erste Haus, das errichtet wurde“, sagt sie. Und schon folgt der Blick in die Zukunft. „Und wenn alles fertig ist, haben wir alle gut davon.“ Wie weit das Feriendorf jetzt schon gediehen ist, erlebt die Gruppe, als sie oben auf dem Aussichtsturm steht. Rechts, links, geradeaus, überall Häuser, viele fertig, viele halbfertig, Baukräne, Handwerkerfahrzeuge. Herta Itzke reicht laminierte Luftaufnahmen vom Stützpunkt herum. Scheint es nur so oder existieren bereits jetzt mehr Bauten auf dem Areal, als es damals insgesamt gegeben hat? Vermutlich hinkt der Vergleich, wenn man ehrlich ist. Langgezogene XL-Gebäude damals, ohne viel Charme, Zweckbauten eben. Viele Einzelhäuser heute, unterschiedliche Bauweise, exklusiv statt sachlich. Aber Herta Itzke sagt auch: „Eigentlich ist es schade, dass nichts Altes erhalten wurde.“ Keine Erinnerung an das, was war. Stattdessen viel Platz für das, was sein soll.

Der Wind bläst über das weite Gelände, die Gruppe spaziert über die Promenade, über das, was davon bereits fertig ist, wirft einen Blick auf die schwimmenden Häuser auf der anderen Seite des Hafenbeckens, läuft weiter, an derzeit bezogenen Häusern vorbei. Davor Autos aus Heidelberg, Dresden, Salzgitter, Merseburg. Und plötzlich: ein Jogger. Einer, der hier zumindest kurzzeitig zu Hause ist und sich nun seinen Weg bahnen muss durch eine Besuchergruppe, der schon der Matsch an den Schuhen klebt. Baustelle eben. Auf der Südmole knirschen die Muscheln unter diesen Schuhen – und da ist es dann auf einmal tatsächlich. Das Urlaubsgefühl. Muscheln, Wind, Sand und Salz auf der Zunge.

Herta Itzke spricht von 3000 bis 4000 Betten, deren Nutzern dieses Urlaubsgefühl irgendwann vergönnt sein wird. „Es ist spannend, was hier passiert“, sagt sie. Das findet auch Anke Hinrichs. Die Urlauberin aus Berlin besucht ihre Mutter nahe Kappeln. „Wir haben in der Zeitung von dieser Führung gelesen“, sagt sie. „Und wir haben schon oft aus der Ferne gesehen, was hier passiert. Aber noch nie so nah.“ Einer, der früher mal ganz dicht dran war, ist heute auch dabei. Roman Feodoria, Kappelns ehemaliger Bürgermeister ist unter den Teilnehmern. „Ich muss doch mal gucken, wie sich das hier verändert“, sagt er. „Auf dem Laufenden bleiben.“

Das ist indes auch Herta Itzkes Fazit, als sie mit der Gruppe nach am Ende doch nur knapp über drei Kilometern Wanderung wieder am Startpunkt eintrifft. Denen, die vielleicht Angst haben vor dem, was in Olpenitz entsteht, gibt die Gästeführerin eine kleine Botschaft mit auf den Heimweg. „Anstrengen müssen wir uns alle, um Gäste nach Kappeln zu locken“, sagt sie. Das mag zwar leichter fallen, wenn man Ostsee und Schlei so dicht im Rücken hat wie hier im Feriendorf. Ein Olpenitzresort ohne Kappeln kann es indes kaum geben.

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