Schwester Karoline in Kappeln : Zierliches Persönchen mit großem Herzen

Freundinnen seit über 40 Jahren: Elfriede Blieske, Vorsitzende des Vereins „Casa Kappeln“, und Schwester Karoline aus Chile.
Freundinnen seit über 40 Jahren: Elfriede Blieske, Vorsitzende des Vereins „Casa Kappeln“, und Schwester Karoline aus Chile.

Schwester Karoline berichtet vor den Mitgliedern des Vereins „Casa Kappeln“ über ihre Hilfsprojekte in Chile und Bolivien.

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04. Juli 2014, 11:30 Uhr

Drei Jahre ist Schwester Karolines jüngster Kappeln-Besuch inzwischen her. Die Missionarin hatte zu Beginn der 90er-Jahre in Chile das große Sozial- und Bildungswerk „Cristo Vive“ gegründet. Ihre Entwicklungsarbeit, die sich mittlerweile auf Bolivien ausgeweitet hat, unterstützt seit Langem der Verein „Casa Kappeln“ mit seiner Vorsitzenden Elfriede Blieske. Jetzt also kehrte Schwester Karoline zurück an die Schlei und wurde mit viel Herzlichkeit empfangen.

Schwester Karoline war gekommen, um den „Casa-Kappeln“-Mitgliedern von ihrer Arbeit zu berichten. Das tat sie in gewohnter Weise: lebhaft und anschaulich. Ihre Arbeit steht unter dem Motto „Den Armen Zukunft schenken“ – und da gibt es reichlich zu tun. Sie selber sagte: „Der Umgang mit den Menschen in den Armenvierteln hat mich verändert.“ So habe sie etwa lernen müssen, das ihr anfangs entgegengebrachte Misstrauen auszuhalten. Für die 71-Jährige begann die aktive Hilfe in Santiago de Chile mit einem „Suppentopf“. Die Einheimischen hätten gewusst, was sie brauchten – „ich habe alles organisiert“. Das tut sie nach wie vor und hat im Laufe der Zeit viele, die sie unterstützen – wie „Casa Kappeln“ – gefunden. Durch Schwester Karolines Engagement sind beispielsweise Kindertagesstätten und Schulen entstanden, die Versorgung von Kranken konnte sichergestellt werden, ebenso wie eine gesunde Ernährung der Einheimischen durch spezielle Kochkurse. Auf diese Weise gelingt es der gebürtigen Eichstätterin, junge Menschen dabei zu unterstützen, ihr Leben zu meistern und einen Beruf zu finden. Schwester Karoline betonte: „Ich fand und finde viel Unterstützung, bei Einheimischen ebenso wie bei den Lehrern, die an deutschen Schulen unterrichten.“

Die Zuhörer im Kappelner Christophorushaus, darunter auch Propst Helgo Jacobs, Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker und deren Stellvertreter Helmut Schulz, zeigten sich beeindruckt und berührt vom unermüdlichen Einsatz der 71-Jährigen, die seit 1968 in Chiles Hauptstadt Santiago mitten unter den Armen lebt. Für ihre erzieherischen und gesundheitsfördernden Verdienste wurde sie inzwischen bereits vielfach geehrt. Wenn sie auch das Renten-Eintrittsalter längst überschritten hat, will sie ihre Bemühungen für ein besseres Leben junger Menschen weiter fortsetzen, denn: „Das ist meine Lebensaufgabe. Ich werde solange weitermachen, wie mir Gott die Kraft dazu gibt.“

Während ihres Besuches berichtete die Wahl-Lateinamerikanerin auch aus der Geschichte und von der politischen Situation in Bolivien. Dabei erwies sie sich als ausgezeichnete Kennerin und brachte in ihrer sehr lebendigen Art den „Casa-Kappeln“-Mitgliedern ihre Arbeit und das Land, in dem sie wirkt, ganz nahe. Wenn Schwester Karoline auch ein zierliches Persönchen ist, ist sie doch ein Energiebündel mit einem großen Herzen für Menschen. Ihr Name hat nicht nur in Lateinamerika einen guten Klang, sondern längst auch in Kappeln. Ihre Art des Helfens ist überzeugend, da springt der Funke über.

Sie dankte für die ihr aus Kappeln seit vielen Jahren zuteil werdende Unterstützung. Wichtig bei ihrer Arbeit sei, Vertrauen zu schaffen, einander anzunehmen und Halt zu geben. Auch das gemeinsame Feiern sei wichtig, um bestehende Nachteile für einen Moment in den Hintergrund treten zu lassen. Erfreulich sei zudem, dass immer wieder junge Menschen aus Deutschland und Luxemburg über „Cristo Vive“ im Rahmen des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes nach Chile und Bolivien kämen, um sich in die Arbeit einzubringen.

Elfriede Blieske und Schwester Karoline kennen sich seit über 40 Jahren. Es war der vor drei Jahren verstorbene Werner Blieske, der nach einem Auslandsaufenthalt in Chile in Kappeln „Casa Kappeln“ gründete und seit 1975 aus der Ferne half – seine Frau setzt die Arbeit fort. Um die Arbeit von Schwester Karoline zu unterstützen, gibt es derzeit in der Adler-Apotheke, Schmiedestraße 28, eine Verkaufsausstellung mit Handgemachtem aus Südamerika.

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