Rabenkirchen-Faulück : Ziehen Flüchtlinge ins Pastorat?

Das reetgedeckte Pastorat in Rabenkirchen steht derzeit leer. Bald eine Bleibe für Flüchtlinge?
Das reetgedeckte Pastorat in Rabenkirchen steht derzeit leer. Bald eine Bleibe für Flüchtlinge?

Rabenkirchen bereitet sich auf die Aufnahme von Asylbewerbern vor. Der Bürgermeister nennt die Unterhaltung der Kita Habertwedt eine „erhebliche Belastung“.

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18. Juni 2015, 07:30 Uhr

Das Thema Flüchtlinge ist nun auch im Amt Kappeln-Land angekommen und gewinnt dort zunehmend an Bedeutung. Nach Auffassung von Mandatsträger Johann Ryll wäre es daher sinnvoll, das seit zwei Jahren leerstehende Pastorat in Rabenkirchen als Bleibe für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Dies brachte er anlässlich der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung zur Sprache. Das reetgedeckte, attraktive Gebäude wird deshalb nicht genutzt, weil die für die Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen zuständige Pastorin Nadja Jöhnk aus familiären Gründen das Pastorat von Gundelsby bewohnt.

Heiko Traulsen, Kappelner Bürgermeister und zugleich Verwaltungschef für das Amt Kappeln-Land, wies als Sitzungsteilnehmer darauf hin, dass demnächst auch die Gemeinden in Kappeln-Land mit der Zuteilung von Asylsuchenden zu rechnen hätten. „Die Suche nach Quartieren geht also über das Kappelner Stadtgebiet hinaus“, sagte er. Mit dieser neuen Problematik solle sich zunächst Amtsvorsteher Bernd Kugler aus Arnis beschäftigen, meinten die Gemeindevertreter.

Finanziell steht die Gemeinde auf einer soliden Grundlage: Im vergangenen Haushaltsjahr konnte ein Überschuss von rund 36.000 Euro erzielt werden. Die größte Gemeinde in Kappeln-Land hat derzeit keine Schulden, aber es bestehen auch keine Pläne für größere Investitionen.

Bürgermeister Peter-Martin Dreyer bezeichnete die steigenden Kosten für die Unterhaltung des Kindergartens in Habertwedt als erhebliche Belastung: Insbesondere die höheren Gehälter für die Mitarbeiterinnen haben Dreyers Worten nach einen „Sprung nach oben“ von 154.000 Euro im vergangenen Rechnungsjahr auf aktuell 185.000 Euro verursacht. Betreut werden in dieser Kita gegenwärtig 28 Jungen und Mädchen, darunter sechs unter drei Jahren. Die Stadt Arnis ist mit „null“ dabei. Aus Rabenkirchen-Faulück besuchen sieben Kinder die Habertwedter Einrichtung. Dafür müssen von der Kommune pro Kopf rund 6600 Euro aufgebracht werden. Johann Ryll kommentierte diese hohe Ausgabe – ohne Rücksicht auf das „Kopfzerbrechen“ des Bürgermeisters – mit den Worten: „Die Kinder sind doch unser höchstes Gut.“

Im weiteren Sitzungsverlauf befürwortete Dreyer die Pläne über die Vernässung der Arnisser Noorwiesen und der damit verbundenen Lagunenbildung. Ängste bräuchten die Arnisser Bürger vor etwaigen Überflutungen ihrer Grundstücke bei extremen Wetterlagen nicht zu haben, zumal auch beim jetzigen Zustand nur ein Viertel des Stadtrandes eingedeicht sei. Der Naturpark Schlei würde von diesem interessanten Projekt profitieren.

Der Vorschlag eines Bürgers, für die Rabenkirchen-Faulücker Erstwohnsitzler ein kostenfreies Parken auf dem großen Stellplatz vor Arnis bei der dortigen Stadtvertretung zu erwirken, fand im Gemeinderat keine Zustimmung. „Wir sind doch keine Touristen“, sagte der Antragsteller. Die Kappelner Bürger hätten es viel besser, behauptete er.

Heiko Traulsen erklärte dazu: Auch die Stadtbewohner müssten in Weidefeld Parkgebühren bezahlen, weil dort ein privater Betreiber die Preise bestimmt. Lediglich „kurtaxfrei“, aber nicht gebührenfrei beim Parken bleiben jedoch auf der Grundlage alter Verträge die Kappelner Einwohner am Strand von Schönhagen.

Schließlich wies Traulsen noch mit Nachdruck darauf hin, dass die Nennung von Namen im Zusammenhang mit Grundstücks-Angelegenheiten nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit gestattet ist. Eigentlich wollte Peter-Martin Dreyer im öffentlichen Sitzungsteil nur mitteilen, wie der neue Inhaber des Campingplatzes Karschau heißt und wieso es zu diesem Wechsel gekommen ist. Über diese personelle Veränderung seien ohnehin die meisten Dorfbewohner informiert, merkten andere Gemeindevertreter mit Erstaunen an. Doch der Amtschef ließ nicht locker: Die Kommune dürfe nicht gegen die gesetzlichen Vorschriften verstoßen. Johann Ryll blieb skeptisch: „Ich werde bei der Kommunalaufsicht in Schleswig nachfragen.“ Ohne seine Zustimmung beschloss die Vertretung, diesen Punkt in den nichtöffentlichen Teil zu verschieben.

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