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Kappeln : Zettelwirtschaft bei der Europawahl

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Am Sonntag gibt es den ersten Urnengang nach der Wahlkreisreform. Der Stimmzettel ist 74 Zentimeter lang.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2014 | 07:30 Uhr

Wer den Wahlzettel einer Bundestagswahl als zu lang empfindet, der kennt noch nicht den Stimmzettel für die Europawahl. 24 Parteien sind da von oben nach unten aufgelistet. Stolze 74 Zentimeter misst der Wahlzettel in der Länge. Auch zusammengefaltet wirkt das Papier sehr viel dicker als sonst. „Jedes Wahllokal erhält dieses Mal eine zweite Wahlurne für den Fall einer höheren Wahlbeteiligung; denn ansonsten sind die Wahlzettel ja nicht so groß“, sagt Helga Lorenzen vom städtischen Ordnungsamt.

Lorenzen glaubt, an eine höhere Beteiligung bei der Wahl zum Europäischen Parlament als 2009. Damals betrug diese gerade mal 33,9 Prozent. Die Leiterin des Ordnungsamtes begründet ihre Annahme mit der stärkeren Präsenz von Europathemen in der Berichterstattung. „Die neuen EU-Länder Rumänien und Bulgarien, die Freizügigkeitsregelungen, die Zuwanderung aus Osteuropa oder die Finanzkrise – Europa ist stärker ins Bewusstsein der Menschen geraten“, glaubt Lorenzen.

Doch auch in Kappeln hat Lorenzen schon Anzeichen dafür ausgemacht, dass mehr Bürger ihren Stimmzettel abgeben werden. Vermehrt liefen im Ordnungsamt Beschwerden von Bürgern auf, die noch keine Wahlbenachrichtigung bekommen haben. „Woran das nun liegt, ist für uns nicht zu ermitteln. Doch alle, die im Wählerverzeichnis aufgeführt sind und einen Personalausweis mitbringen, dürfen am kommenden Sonntag auch ohne Wahlbenachrichtigung wählen“, versichert Lorenzen.

Ein weiteres Indiz für eine höhere Wahlbeteiligung im Vergleich zur Europawahl 2009 liefert die Briefwahl. Dort beträgt die derzeitige Wahlbeteiligung schon jetzt 7,6 Prozent, vor fünf Jahren lag sie bei 4,6 Prozent. „Die Briefwahl ist ein sicherer Anhaltspunkt für die Höhe der Wahlbeteiligung, das war schon bei den letzten Wahlen so“, sagt Lorenzen. Und immer noch wächst die Zahl der Briefwahlstimmen. So geben gerade in diesem Moment Renate Föh und deren Mutter Lisbeth Ehmke ihre Stimmen ab. Und Renate Föh weiß auch genau, weshalb. „Europa ist unsere gemeinsame Zukunft, da müssen wir alle dran schrauben“, meint sie. Den Grad an Einfluss, der ihr zustehe, wolle sie daher unbedingt geltend machen. Auch Raika Franke macht jetzt schon ihr Kreuzchen. „Zurzeit geht es ja sehr turbulent in Europa zu“, sagt die 22-Jährige. „Da möchte ich den Weg schon ein bisschen mitbestimmen.“

Womöglich ist für einige Bürger die Briefwahl aber auch nur die Antwort auf die Reduzierung der Wahllokale. Erstmals nämlich gibt es zur Europawahl nur fünf statt bislang elf Wahllokale. Damit könnte die Europawahl auch zur Abstimmung über die Wahlgebietsreform werden, nachdem in Olpenitz wegen der bis zu fünf Kilometer weiten Anfahrtswege zum Wahllokal Boykottdrohungen laut wurden. Lorenzen begründet die Reform damit, dass Kappeln bislang unverhältnismäßig viele Wahlbezirke gehabt hätte: „In einem Wahlbezirk dürfen bis zu 2500 Wahlberechtigte wohnen. In Olpenitz hatten wir einen Wahlbezirk mit nur 286 Wahlberechtigten. Jetzt entfallen zwischen 1400 und 1500 Wahlberechtigte auf jeden Bezirk, das ist ein ganz ausgeglichenes Verhältnis.“ Statt elf Wahllokalen mit 66 Wahlvorständen gibt es nun fünf Wahllokale mit 40 Wahlvorständen. Dass die Auszählung deswegen länger dauert, glaubt die Kappelnerin nicht, zumal man bei der Europawahl nur eine Stimme habe.

Helga Lorenzen wird am Sonntag übrigens nicht wählen gehen. „Ich habe schon Briefwahl gemacht. Das mache ich immer so, um zu sehen, ob das auch klappt.“

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