Kappeln : Zehnjähriger verletzt: Wurde Hilfe verweigert?

Verband um den linken Oberschenkel: Jan Reißmann (vorn), hier mit seinem Bruder Alexander und seinen Freunden Jan Michelsen und Lasse Bremer, hatte sich beim Spielen verletzt. Foto: Barz
Verband um den linken Oberschenkel: Jan Reißmann (vorn), hier mit seinem Bruder Alexander und seinen Freunden Jan Michelsen und Lasse Bremer, hatte sich beim Spielen verletzt. Foto: Barz

Ein Zehnjähriger verletzt sich in Kappeln beim Spielen. Eine Frau soll daraufhin dessen Hilfe suchendem Freund nicht erlaubt haben zu telefonieren. Nun erstatteten die Eltern des Verletzten Anzeige.

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23. August 2009, 02:21 Uhr

Kappeln | Die Geschwister Jan (10) und Alexander Reißmann (12) und ihre Freunde Jan Michelsen (10) und Lasse Bremer (9) sind bitter enttäuscht von ihren Mitmenschen. Wie sie erzählen, hatten sich die An der Kirsebek wohnenden Kinder zum Spielen im Hüholz - zwischen Hüholzteich und Schule - mit ihren Freunden verabredet. Dabei lief Jan Reißmann durch den Wald und übersah eine in den Boden eingelassene Eisenstange. Er stürzte und verletzte sich am linken Oberschenkel. Die Wunde blutete stark. Dem Verletzten Erste Hilfe zu leisten waren die Freunde nicht imstande. Also versuchten sie, Hilfe zu holen.
Die drei teilten sich auf, um ein Telefon zu finden. Alexander habe demnach im Hüholz an einer Haustür geklingelt. Als ihm geöffnet worden sei, habe er darum gebeten, das Telefon nutzen zu dürfen. Das sei ihm verwehrt worden. Die Frau in der Tür antwortete laut Alexander, dass sie selbst nur zu Besuch sei. Die beiden anderen Jungen hatten währenddessen einen Klassenkameraden gefunden, der ein Handy dabei hatte und alarmierten den Notarzt. Jan kam in die Margarethen-Klinik, wo die Wunde mit mehreren Stichen genäht wurde.
"Wir sind doch keine Telefonzentrale"
Die Geschichte hat ein Nachspiel. Als sich die Eltern bei dem Hauseigentümer erkundigen wollten, warum die Hilfe verwehrt wurde, erhielten sie - so ihre Darstellung - als Antwort: "Wir sind doch keine Telefonzentrale." Bei einem zweiten Besuch - nachdem sie zwischenzeitlich die Eisenstange im Wald gesucht und gefunden hatten - sei den Eltern mitgeteilt worden, es könne niemand geklingelt haben, weil die Klingel abgestellt gewesen sei. Als sie dann mit dem Hausherrn sprechen wollten, seien sie von ihm des Grundstücks verwiesen worden.
Später hielten die betroffenen Eltern den Wagen der Ehefrau an. Sie wollten den Namen der jungen Frau wissen, die die Hilfe verweigert hätte. Doch die habe nicht reden wollen, ebenso wenig wie die künftige Schwiegertochter, die ebenfalls mit dem Wagen dazu kam. Eigentlich wollte das Ehepaar Reißmann nur eine Entschuldigung hören. Die sei nicht gekommen. Jetzt kümmert sich die Polizei darum. Denn die Familie hat Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet. Unterstützt werden die Eltern dabei von Susanne Michelsen, Mutter eines der Kinder: "Ich finde das unmöglich. Wenn ein Kind oder jemand anders um Hilfe bittet, dann helfe ich. Es hätte ja viel schlimmer kommen können."
"Es hat niemand geklingelt"
Ganz anders stellt sich der Sachverhalt aus der Perspektive des Hauseigentümers dar. Wie er erklärt, habe niemand geklingelt. Er als Hausherr habe nur von seinem Recht Gebrauch gemacht, Personen, die ihn beleidigen wollten, von seinem Grundstück zu verweisen.

Jetzt ist es an der Polizei, die Wahrheit herauszufinden. Es war aber schon zu erfahren, dass die Anzeige für eine Anklage schwerlich ausreichen wird. Übrigens: Die Eisenstange hat der Kappelner Bauhof sofort entfernt, nachdem er von ihr erfahren hat.

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