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„Sprach-Kita“ in Kappeln : Zehn Nationen sprechen eine Sprache

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Evangelische Kindertagesstätte Ellenberg nimmt am Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ teil.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2017 | 06:14 Uhr

Kappeln | „Multikulti“ – das ist hier ganz normal. Fast jedes dritte Kind, das die evangelische Kita Ellenberg besucht, hat zumindest ein Elternteil, das nicht in Deutschland geboren wurde. Aber auch deutsche Kinder mit erhöhtem sprachlichem Förderbedarf gibt es in der Einrichtung, wie überall. Diese Voraussetzungen haben dazu geführt, dass am Eingang ein ganz besonderes Schild hängen darf: Die Kita wurde aufgenommen in das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“.

Die ehemalige Leiterin Uta Klingschat hatte den Weg dazu bereits 2011 geebnet, als sie die Anerkennung als Schwerpunkt-Kita für Sprache und Integration beantragte. Bis 2015 lief das Bundesprogramm, auf dem das der Sprach-Kitas aufbaut, aus. „Neben den Kindern, die Bedarf an Sprachförderung haben, werden zur Zeit Kinder aus zehn verschiedenen Ländern hier betreut“, berichtet Sprachfachkraft Karin Matthiesen. Die Kosten für ihre Halbtagsstelle mit 19,5 Stunden wird vom Bund übernommen. Sie ist ausgebildete Erzieherin mit einer entsprechenden Zusatzausbildung. Und sie geht täglich in eine andere Gruppe der Kita – zusätzlich zu den Erzieherinnen. „Fünf Gruppen – für jeden Tag der Woche eine“, sagt sie und lacht. Insgesamt drei Regel- und zwei Krippengruppen gibt es hier. Die Kinder sind also manchmal erst ein Jahr alt, wenn sie in die Einrichtung kommen. Wenn sie überhaupt schon sprechen, dann in ihrer Muttersprache wie polnisch, russisch, arabisch oder armenisch. Schwierig für Karin Matthiesen? „Nein, ich begleite einfach alles, was ich tue mit Worten“, sagt sie. In Alltagssituationen, beim Wickeln, Anziehen, Spielen, Essen – die ganze Zeit werden die Vorgänge beim Namen genannt. Wenn ein Kind noch gar nicht spricht, kommt Gestik, Mimik und Körpersprache dazu. Darüber hinaus wird viel gesungen und gereimt. „Wichtig ist, dass das Kind sofort spürt, dass es hier angenommen wird und willkommen ist“, sagt Matthiesen. „Wenn sie genug Input bekommen haben, fließt die Sprache plötzlich einfach aus ihnen heraus. Das erlebe ich immer wieder.“ Wichtig sei es, dass sie in einer Sprache aufwachsen, erklärt Mario Friedrich, seit 2016 Leiter der Kita. „Das ist meistens die Sprache, die die Kinder zu Hause sprechen: ihre Muttersprache. Das fördern wir. Die deutsche Sprache nehmen sie außerhalb auf.“

Im vergangenen Jahr ist das Programm der Sprach-Kitas des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestartet. Die alltagsintegrierte sprachliche Bildung gehört ebenso dazu wie eine inklusive Pädagogik, die die Kinder ermutigt, Vorurteile, Diskriminierung kritisch zu hinterfragen und eigene Gedanken auszusprechen, sowie eine gute Zusammenarbeit mit den Familien. Nach den Osterferien wird dazu ein Eltern-Café in der Kita eingerichtet werden, das den Austausch zwischen Eltern und Erziehern, aber auch den zwischen den Eltern der verschiedenen Nationen fördern soll. Die Sprachfachkräfte, wie Karin Matthiesen, besuchen in kurzen Abständen Fortbildungen. Eine Koordinatorin kümmert sich um einen regen Austausch. Bis 2019 läuft das Programm in der Kita Ellenberg. Bis dahin soll sich die Arbeit der Fachkraft im Gruppenalltag etabliert haben.

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