„Spendwert“ in Kappeln : Zehn Jahre unkomplizierte Hilfe

Sie feiern gemeinsam den runden „Spendwert“-Geburtstag: Helga Lorenzen, Bürgermeister Heiko Traulsen und Corinna Graunke (v.li.).
Sie feiern gemeinsam den runden „Spendwert“-Geburtstag: Helga Lorenzen, Bürgermeister Heiko Traulsen und Corinna Graunke (v.li.).

Seit 2008 unterstützt die Initiative „Spendwert“ Menschen in Notlagen und fördert Projekte.

shz.de von
07. Juni 2018, 12:00 Uhr

Es ist eine Erfolgsgeschichte. Und mehr muss man eigentlich kaum sagen. „Spendwert“ feiert in diesen Tagen sein zehnjähriges Bestehen, und was diese Initiative in dieser Zeit geleistet hat, wen sie inspiriert und wie vielen sie geholfen hat – darüber allein ließen sich diese Zeilen spielerisch füllen. Klar ist auch: „Spendwert“ ist eng verknüpft mit dem Namen Corinna Graunke. Die Kappelner Unternehmerin ist die Mutter dieses Projekts, und ihr Baby hat in den vergangenen zehn Jahren nicht einfach laufen gelernt. Es macht inzwischen richtig große Sprünge.

„Eigentlich bin ich selbst total verblüfft“, sagt Corinna Graunke. Darüber, dass sich „Spendwert“ in einer Dekade so fest etabliert hat. Dass es Nachahmer gefunden hat. Dass es nicht mehr wegzudenken ist. Der Startschuss fiel im Sommer 2008, als sie die Aktion, unter der Schirmherrschaft des damaligen Bürgermeisters Roman Feodoria, zusammenfand, weil Graunke eine Spendeninitiative gründen wollte, die unmittelbar in ihrer Heimatstadt, unbürokratisch und nachvollziehbar arbeitet. Dass es auch in Kappeln Menschen gibt, die in bestimmten Lebenssituationen auf schnelle finanzielle Hilfe angewiesen sind, wusste die Verwaltung. Helga Lorenzen, bis vor einem knappen Jahr Leiterin des städtischen Ordnungsamtes und damals wie heute an der Verwaltungsspitze von „Spendwert“, stand bis 2008 Geld aus einem extra Fonds zur Verfügung, das zu diesem Zeitpunkt aber spürbar zur Neige ging. Corinna Graunke sagt: „Und wir wollten etwas ins Leben rufen, das nicht endlich ist.“ Etwas, das eine eigene Strahlkraft entwickeln würde.

Gelingen sollte das unter anderem mit Hilfe von Firmen und Geschäftsleuten. Sie sollten gezielt angesprochen werden und nach dem „Spendwert“-Motto „Tue Gutes, und sprich drüber“ damit auch positiv für sich selbst eintreten dürfen. Corinna Graunke lächelt. „Das klappt gut“, sagt sie. „Unsere Kasse ist nie wieder leer geworden.“ Die Entscheidung darüber, ob und mit welcher Summe ein einzelner oder ein Projekt bezuschusst wird, trifft ein Spendenbeirat. Und Helga Lorenzen fällt es leicht zu sagen, wo das Spendengeld gelandet ist: Erstausstattung für Grundschüler, Zuschüsse für Klassenfahrten, Hausumbau für einen Rollstuhlfahrer, Waschmaschinen, Fahrtkosten für eine Vater, um sein krankes Kind in einer entfernten Klinik zu besuchen, Ausstattung zur Konfirmation, Beiträge für Sportvereine, Sportbekleidung – die Liste ist so vielfältig wie die Bedürfnisse der Menschen.

Und die Liste der Spender ist mindestens ebenso lang. Ganz weit vorne: die Schüler der Gorch-Fock-Schule. Seit Jahren stiften sie die Hälfte der Summe ihres traditionellen Spenden-Lauftags an „Spendwert“. Für Corinna Graunke „eine richtig tolle und vor allem regelmäßige Einnahme“. Ein Gewinn sei zudem die enge Zusammenarbeit mit den beiden Service-Clubs Lions und Rotary – nicht nur, dass „Spendwert“ mit ihnen Menschen oder Verbände in prekären Situationen aktiv unterstützt. Die Aktion profitiert auch vom gemeinsamen dichten Netzwerk, denn: Je engmaschiger die Kooperation und je genauer das Wissen um einzelne Notfälle, desto größer die Chance, dass Hilfe realisiert werden kann. Und „Spendwert“ hat noch an anderer Stelle Früchte getragen: 2012 entstand das Süderbraruper Pendant „Spendenstark“, 2016 rief das Amt Geltinger Bucht „Spend.Komm“ ins Leben.

Bei aller Hilfs- und Spendenbereitschaft verdeutlicht „Spendwert“ derweil noch einen anderen Aspekt. Schirmherr Bürgermeister Heiko Traulsen sagt: „Es wird klar, wie löchrig unser Sozialsystem ist.“ Löcher, die „Spendwert“ mit Hilfe anderer seit zehn Jahren stopft. Helga Lorenzen sagt: „Manchmal haben Menschen tränenüberströmt vor mir gesessen.“ Und trotzdem kann „Spendwert“ nicht alle Not lindern. Aber in zehn Jahren hat es wohl mehr getan, als ihre Initiatorin anfangs geglaubt hat. Die Strahlkraft jedenfalls ist schon lange da.

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