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Schlei-Bote

18. Dezember 2017 | 08:10 Uhr

Kappeln : Zehn Jahre Hilfe für die Familie

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Gedanke der Familienbildungsstätte stand schon kurz vor dem Aus. Dann sprang die Kirche ein. Heute ist die Einrichtung unverzichtbarer denn je.

shz.de von
erstellt am 10.Sep.2015 | 10:45 Uhr

Antje Schümann läuft in diesen Tagen mit einem Zitat von Loriot auf den Lippen herum: „Es ist sonderbar, aber Eltern sind auch nur Menschen, und sie sind, was die Aufzucht von Nachwuchs betrifft, sowas wie ungelernte Arbeiter.“ Ihnen aus diesem Status herauszuhelfen, ist die selbst auferlegte Aufgabe der Evangelischen Familienbildungsstätte (FBS) – und zwar seit nunmehr zehn Jahren. Von Beginn an steht Antje Schümann an der Spitze der FBS, und mit Hilfe von Loriot läutet sie die anstehende Feier am morgigen Freitag ein.

Eigentlich ist der Gedanke der Familienbildung schon deutlich älter, allerdings wäre er vor gut zehn Jahren fast eingeschlafen, als das DRK seine FBS aufgab. Der Kirchenkreis – damals Angeln, heute Schleswig-Flensburg – entpuppte sich schnell als mehr als nur ein Lückenbüßer, der spontan in die Bresche sprang. In der Kieler Straße eröffnete die FBS in Trägerschaft des Kirchenkreises im Mai 2005 ihre Türen. Stadt, Kreis und Land hatten die Notwendigkeit der FBS schon längst erkannt und ihre Zuschüsse, die bislang das DRK erhalten hatte, dem neuen Träger zugesichert. Allein von der Stadt gibt es jährlich bis heute 7000 Euro. Antje Schümann nennt das „sehr beachtlich“ – vor allem wenn man zum Vergleich die 1500 Euro heranzieht, die die Stadt Schleswig ihrer FBS zugute kommen lässt.

Zehn Jahre später hat die FBS nicht nur einen Umzug von der Kieler in die Wassermühlenstraße hinter sich, auch die Inhalte haben sich mehr und mehr verändert. Im Rückblick sagt Schümann: „Die Schwerpunkte haben sich verschoben. Früher ging es ganz stark um berufliche Orientierung für Mütter und darum, Mütter aus Vereinsamung heraus zu helfen, um Beschäftigung. Heute dreht sich mehr darum, Familien in ihrer neuen Aufgabe anzulernen.“ Unverändert ist derweil die Arbeitsweise der FBS, die Antje Schümann so definiert: „Zu erkennen, wo es Bedarf gibt und zu reagieren – das macht es aus.“

Es ist ein Motto, das nur simpel klingt, aber deshalb so kompliziert ist, weil es ständig im Wandel mit der gesellschaftlichen Entwicklung einhergehen muss. Die Zahl der Familienfreizeiten ist gewachsen, weil immer mehr Familien gemeinsame Zeit als kostbares Gut empfinden. Das FBS-Projekt „Wellcome“ ist langsam dabei, sich in Kappeln zu etablieren, dahinter steckt eine Art Nachbarschaftshilfe für junge Familien. Seit einigen Monaten verteilt die FBS sogenannte Willkommensbeutel an Neugeborene mit einer CD mit Kinderliedern und einem Bilderbuch. Vor Kurzem ist das Familienzentrum an den Start gegangen.

Eine, die diese Entwicklung gemeinsam mit Antje Schümann ebenfalls von Beginn an begleitet, ist Anja Kübler. Und die hat selber einen speziellen Werdegang hinter sich: Mit ihrer Tochter hat Kübler den ersten Mini-Club der FBS besucht. Als der Kurs endete, wurde Kübler Mitarbeiterin und übernahm die Verwaltung, ihre jetzt zehnjährige Tochter besucht heute den Hip-Hop-Kurs der FBS.

Anja Kübler erfährt derweil auch in ihrem Aufgabenbereich eine Veränderung. „Der Anteil an Beratungen wird immer größer“, sagt sie. Fragen nach Finanzierungshilfen, praktische Unterstützung auf der Suche nach einem Kinderwagen oder beim Ausfüllen irgendwelcher Formulare – „wir finden immer eine Lösung“, sagt Anja Kübler. Und klingt dabei absolut überzeugend. Dabei profitiert die gesamte FBS von einem Netzwerk, das sie sich über das vergangene Jahrzehnt erarbeitet hat. Antje Schümann nennt das „Sozialraum“, innerhalb dessen sich die Kooperation immer mehr verstärkt habe. „Das Miteinander in dieser Stadt ist besonders“, sagt Schümann. „Es hilft dabei, nicht aneinander vorbeizugucken sondern hinzugucken.“

Dazu tragen auch die inzwischen gut 150 verschiedenen Kursleitungen bei, denen die seit 2005 stetig wachsende Zahl der Angebote und fast ebenso kontinuierlich gestiegenen Teilnehmerzahlen mit zu verdanken sind: Im Jahr ihres Beginns hatte die FBS 68 Kurse mit 576 Teilnehmern gezählt, fünf Jahre später waren es 149 Kurse mit 1609 Teilnehmern, im vergangenen Jahr 210 Kurse und 2018 Teilnehmer.

Keine große Überraschung also, dass Ingo Gutzmann, Leiter des Regionalzentrums im Kirchenkreis, sagt: „Die Arbeit der FBS erfüllt uns mit Freude und Stolz. Die Verantwortlichen sind dicht dran, an dem, was wirklich gebraucht wird.“ Die Bedeutung der Familie habe sich auch für den Kirchenkreis im Allgemeinen in den vergangenen Jahren verändert. Sie sei die kleinste Einheit im Sozialgefüge und ihr Unterstützungsanspruch sei größer geworden. Jede Hilfe, die die FBS einer einzelnen Familie zukommen läßt, ist laut Gutzmann eine Hilfe für die Gesellschaft insgesamt. Daher meint Gutzmann: „Die Familienbildungsstätte wird es in zehn Jahren noch geben.“

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