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Sörup : Zahl der Tafel-Kunden verdoppelt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

190 Erwachsene und 82 Kinder werden an der Söruper Lebensmittel-Ausgabestelle versorgt – und der Anteil der Flüchtlinge nimmt zu.

Innerhalb eines halben Jahres hat sich die Zahl der Nutzer der Söruper Tafel verdoppelt. 190 Erwachsene und 82 Kinder aus 130 Haushalten versorgen sich derzeit mehr oder weniger regelmäßig bei der Tafel mit Lebensmitteln. Helmut Friedrich, Mit-Initiator der Tafel und Awo-Vorsitzender, sieht diese Zahlen unter zwei Gesichtspunkten. Natürlich freue es ihn und seine Mitstreiter, dass sich ihr beharrlicher Einsatz für die Einrichtung einer Tafel in Sörup als richtig erwiesen hat, sagt Friedrich. Besorgt zeigt er sich darüber, dass so viele Familien aus Sörup und dem näheren Umfeld auf die Angebote der Tafel angewiesen sind. Friedrich weiß aus vielen Gesprächen, dass der „Gang zur Tafel“ viele große Überwindung kostet.

So wie Maria S. (Name von der Redaktion geändert). Die alleinerziehende zweifache Mutter kommt seit Ende Juli zur Tafel. Manchmal wöchentlich, manchmal einmal im Monat. Ausschlaggebend ist, wie viel Geld für Lebensmittel übrig ist. „Es war ein schwerer Gang für mich, aber die Not erforderte es“, erinnert sich Maria S. an ihren ersten Tafel-Besuch. Insbesondere ihre zehnjährige Tochter leide sehr unter der Situation. „Mama geht zum Einkaufen“, lautet ihre Notlüge gegenüber ihren Freundinnen. Für das Kind sei die „Hartz IV- Situation“ besonders belastend, so die Mutter. Natürlich merke sie, dass andere Kinder sich mehr leisten könnten, mehr Taschengeld erhielten, von Freizeitbeschäftigungen berichteten, an denen Maria S. und ihre Kinder nicht einmal denken dürften. Am schlimmsten sei es, wenn die Tochter wieder einmal von Mitschülern gehänselt werde, weil das Geld eben nicht für Dinge reiche, die für andere Kinder normal sind. Die Tafel ist für Maria S. daher ein Lichtblick. Denn die Einrichtung ermöglicht es ihr, die Familie mit Essen zu versorgen und dem Budget ein wenig Spielraum für die Erfüllung kleiner Kinderwünsche zu verschaffen.

In den letzten Wochen habe sich die Kunden-Struktur verändert, berichtet Heidi Christiansen. Immer mehr Flüchtlinge reihten sich in die Schlange ein. Derzeit versorgten sich 69 Flüchtlinge bei ihnen mit Lebensmitteln. „Verteilungsprobleme hat es nicht gegeben“, berichtet Friedrich. Die seien auch nicht zu befürchten, meint Friedrich, „so lange die Lebensmittel ausreichen“.

Tafel-Leiterin Heidi Christiansen und 22 Aktive sorgen mittwochs von 17 bis 18 Uhr und freitags ebenfalls von 17 bis 18 Uhr für einen gedeckten Tisch im Kellergeschoss des ehemaligen Schlecker-Marktes. Dank der Zusammenarbeit mit der Süderbraruper Tafel der Diakonie und der Flensburger Tafel gelingt es, für eine ausreichende Menge Lebensmittel zu sorgen. Im Übrigen lobt Friedrich die hohe Spendenbereitschaft. So hat ein regionaler Getränkeanbieter einen Stapel Kisten mit Fruchtsäften vorbeigebracht und Hans Martin Andersen aus Satrup, der dort einen Imbiss betreibt, hat für diesen Ausgabetag extra Rübenmus gekocht. „Wir müssen immer wieder brauchbare Lebensmittel vernichten“, sagt Andersen. Daher will er jetzt ein bis zweimal im Monat ein leckeres Menü zubereiten und es kostenlos der Tafel zur Verfügung stellen.

Ganz kostenlos ist der Besuch bei der Tafel allerdings nicht, davon konnte sich bei einem Besuch Bürgermeister Dieter Stoltmann überzeugen. Jede Nutzerfamilie zahlt zwei Euro in die Spendenkasse. Dafür werden Anschaffungen getätigt und die Benzinkosten für die Fahrzeuge bezahlt.

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