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Schleswig : Würde und Magie der kleinen Dinge

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Rund 50 Objekte der Künstlerin Andrea Gose aus Stoltebüll sind in der Galerie S der Nord-Ostsee Sparkasse in Schleswig zu sehen. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. Januar 2014 geöffnet.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2013 | 11:30 Uhr

Wenn eine junge Frau kurz vor dem Examen als Grund- und Hauptschullehrer das Studium abbricht, um fortan Künstlerin zu werden, dann muss ihr Gestaltungs-Drang schon sehr dominant sein. Andrea Gose, 1960 geboren in Oberfranken, hat genau dies getan, sie hat ihren Traum realisiert – und ist heute, nach manch harten Jahren, eine anerkannte Künstlerin im Norden. Ihr Galeriegarten in Gulde (www.galeriegarten-gulde.de) unweit von Kappeln gehört zu den Attraktionen in der sanften Angelner Kultur-Landschaft.

Solch eine mittlerweile regional gut verankerte Künstlerin zu präsentieren, passt perfekt in das Ausstellungsprogramm der Galerie S in Schleswig. In der Rotunde der dortigen Nord-Ostsee Sparkasse sind noch bis zum 3. Januar 2014 fast 50 Werke von Andrea Gose zu sehen. Nospa-Vorstandsvorsitzender Thomas Menke betonte kürzlich bei der Eröffnung der Ausstellung: „Sie schenkt uns mit ihren Werken neue Blicke und Gedanken auf das, was wir täglich um uns haben.“

Tatsächlich bilden die knapp 50 Objekte (Preise zwischen 650 und 45 Euro) der Bildhauerin eine faszinierenden Würdigung der kleinen Dinge, jener Fundstücke, die man meistens gar nicht wahrnimmt. So entsteht aus einem Stück Treibholz der mythische Vogel „Phoenix“. Aus geriebenem roten Ziegel formt sich eine Treppe – oder ist es das halb versunkene Skelett eines Tieres ? Und aus Pflanzenteilen sowie gerissenen Papieren entsteht ein „Durchblick“, wie Gose das nennt, ein schwebendes Etwas. Vielleicht die Materialisation von Gedanken ?

Andrea Goses Kunstwerke verweigern sich der üblichen Einordnung als „Bild“ oder „Plastik“; sie sind vielmehr so etwas wie Installationen. Allen gemeinsam ist aber ihr geradezu magischer Charakter. Wenn die Struktur eines Pflanzensamens unter einem Glassturz geborgen wird, so bewahrt Gose damit das Vergehen. Schon von der Farbigkeit erinnern manche ihrer Arrangements an die Kunst der australischen Ureinwohner. Auch die Aborigines hatten und haben ein eher ehrfürchtiges Verhältnis zur Natur. Nicht anders Gose. Mit ihren Arbeiten will sie dem Betrachter „Stille und Zeit zum Wahrnehmen des Einfachen, Grund Legenden“ vermitteln. Die formale Reduktion versteht sie „als Entgegnung zur heutigen Bilderflut“.

Und dabei spielt der Garten, der sich über einen halben Hektar rings um den Resthof in Gulde erstreckt, eine wesentliche Rolle. Anzunehmen ist, dass etliche der pflanzlichen Strukturen, die sich in den Objekten wiederfinden, aus diesem Galeriegarten stammen. „Galeriegarten“ heißt das Gelände auch deshalb, weil dort Veranstaltungen und Ausstellungen stattfinden.

Doch sollte man sich Goses Werke in der Schleswiger Nospa-Filiale nicht nur als regional wertvoll ansehen. Ihr kunstvoller Umgang mit in der Natur Vorgefundenem, die Arrangements aus Backstein, Wurzeln, Holzkohle, Sand, Papier und Kartonage, diese „Nature Mades“ reihen sich ein in die große Kunsttradition der „Ready Mades“, als deren Meister der Franzose Marcel Duchamp (1887 – 1968), einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts, gilt. Kunst-Theoretiker André Breton nannte sie einmal „vorfabrizierte Objekte, die die Würde eines Kunstwerks erlangt haben durch die Wahl des Künstlers“.

Diese surrealistische Position spiegelt sich, im Wortsinne, auch in den Objekten von Andrea Gose. So gibt es viel zu staunen und mancherlei nachzudenken auf dem Rundweg durch die Schleswiger Nospa-Ausstellung.

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