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Schandfleck : Wucherndes Unkraut und kaputte Gleise

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Süderbraruper Bahnhof wird eingerahmt von herumliegenden Metallteilen, ungepflegtem Grün und viel Schotter. Bei der Deutschen Bahn beurteilt man die Sache als nicht so dramatisch.

„Es ist unverantwortlich, wie hier mit Staatseigentum umgegangen wird.“ Die Verärgerung von Johannes-Peter Henningsen ist verständlich. Er ist Eigentümer des Süderbraruper Bahnhofgebäudes, hat in die Renovierung viel Geld gesteckt und muss nun erkennen, dass sein Bahnhof an einer der ungepflegtesten Flächen in Süderbrarup liegt. Ein Blick aus dem Bahnhofsbistro „Gleis 4“ gibt den Blick frei auf Schotter- und Erdhügel, daneben abgerissene Gleisstücke, Schwellen und Metallteile, alles durcheinander und von viel Grün durchsetzt.

Als erstes fällt der Blick auf einen neu gebauten Bahnsteig, der über keine Anbindung verfügt, dessen Beleuchtungsanlage nur aus Lampenmasten besteht und auf dessen gesamter Fläche das Unkraut aus den Bahnsteigplatten wuchert. Hinter dem Bahnsteig wird es noch schlimmer. Dort, wo von 1883 bis 1972 die Kreisbahn fuhr und viele Jahrzehnte reger Güterverkehr herrschte, hat die Deutsche Bahn (DB) der Museumsbahn, die seit vielen Jahren den Bahnhof Süderbrarup mit Kappeln verbindet, die Gleise und den Bahnsteig weggerissen und den Gleisanschluss zur Hauptgenossenschaft gekappt. Dort stehen nun Reisezugwagen der Angelner Dampfeisenbahn und können nicht bewegt und damit nicht aufgearbeitet und genutzt werden.

Waren Bahnhöfe früher ein Aushängeschild eines Ortes, ist der Bahnhof Süderbrarup ein Negativbeispiel, einige Reisende formulieren es noch schärfer und sprechen von „Schande“. Seit einigen Jahren wird versucht, das bisherige Gemeinschaftseigentum von Bahn und Kreis aufzulösen und die Eigentumsverhältnisse neu zu verteilen. Johannes-Peter Henningsen kennt die Problematik, weil er als Bürgermeister mit der Deutschen Bahn lange Zeit über eine Neuregelung verhandelt hat.

Auch Süderbrarups aktueller Bürgermeister Friedrich Bennetreu ist nicht glücklich über den Anblick der Bahnanlage mitten im Ort. Der Zustand sei nicht nur für die Gemeinde negativ, auch die Deutsche Bahn sei gut beraten, ihr Bild nicht durch eine derartig ungepflegte Anlage prägen zu lassen. Bennetreu wünscht sich, dass die Bahn etwas tut, um das optische Bild dort zu verbessern. Der Gebietsaustausch sei noch nicht vollzogen, weil sich die Deutsche Bahn aus der Verantwortung für die kontaminierten Flächen heraus hält und dies auch nicht auf den Kaufpreis umlegen wolle, so Bennetreu.

Bei der Deutschen Bahn sieht man die Lage weniger dramatisch. DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis schiebt das Problem auf das immer noch nicht genehmigte neue elektronische Stellwerk in Eckernförde. Bevor die neue Stellwerktechnik nicht läuft, könne die Signaltechnik in Süderbrarup nicht in Betrieb gehen. Das heißt, der neue Bahnsteig wird erst dann in Betrieb genommen, wenn das Stellwerk seine Arbeit aufnimmt. Bis dahin wird Unkraut den Bahnsteig als einziges weiter bevölkern und weiter wachsen.

Dass es anders geht, hat die Deutsche Bahn in den vergangenen Monaten im 15 Kilometer nördlich von Süderbrarup gelegenen Sörup bewiesen. Dort hat man einen modernen, ansprechenden Bahnsteig gebaut, der auch über eine behindertengerechte Zuwegung verfügt. Warum das alles in Süderbrarup nicht möglich ist, blieb von der Deutschen Bahn unbeantwortet.

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erstellt am 14.Sep.2013 | 12:30 Uhr

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