Wohnungen im Werft-Ambiente

So könnte sich nach einem Umbau der Bootshalle die Arnisser Silhouette an dieser Stelle neu präsentieren.  Foto: Architekt Thomas Hahn
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So könnte sich nach einem Umbau der Bootshalle die Arnisser Silhouette an dieser Stelle neu präsentieren. Foto: Architekt Thomas Hahn

Otto-Eberhardt-Werft soll einem Bauprojekt mit 35 Wohneinheiten weichen / Investor gefunden / Betrieb wird bis zur Genehmigung weiterlaufen

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25. Mai 2013, 03:59 Uhr

Arnis | Im Februar wurde bereits das Aus für die traditionsreiche Otto-Eberhardt-Werft in Arnis angekündigt (wir berichteten), nun werden die Pläne für eine Nachnutzung konkreter. Betriebsleiter Manfred Eberhardt, von Hause aus Kaufmann, und sein Bruder, der Schiffsbaumeister Alfred Eberhardt, haben mittlerweile in Nicolai Steinert von der D. Steinert Bau-GmbH aus Heikendorf einen Investor gefunden. Steinert will auf dem Werftgelände 35 Wohneinheiten in einer Größenordnung zwischen 45 und 120 Quadratmetern schaffen.

Die Wohnbebauung allerdings kann erst erfolgen, wenn alle planerischen Hürden überwunden sind. Die erste ist bereits genommen, nachdem die Arnisser Stadtvertretung im Februar die Aufstellung der zweiten Änderung des Bebauungsplanes 2 "Sondergebiet Werft" und damit die Umwidmung in ein allgemeines Wohngebiet beschlossen hat. Jetzt fand als ein erster Schritt in dem langen Genehmigungsverfahren die frühzeitige Bürgerbeteiligung statt.

Bei dieser vorgezogenen Bürgerbeteiligung und einer Einwohnerversammlung waren neben den Eberhardt-Brüdern auch der Investor Nicolai Steinert sowie der freischaffende Architekt Thomas Hahn aus Kiel anwesend. Für die 35 Wohneinheiten auf dem 8000 Quadratmeter großen Werftgelände hatte der Architekt auch schon eine ganz spezielle Idee.

So kann Hahn sich vorstellen, dass die große Bootshalle in ein auf der Slipanlage liegendes Schiff mit Wohnungen umfunktioniert wird. Das rund 20 Meter hohe freigelegte Tragwerk soll das Ganze dann überspannen. Das stieß bei den Einwohnern, die in großer Zahl gekommen waren, auf geteilte Meinung. Manche befürchten, dass sich "kleckernde" Möwen auf den Stangen breit machen werden.

"Industrie raus, Wohnbebauung rein - das mindert die Emissionen", erklärte Architekt Hahn. Zu einer zusätzlichen Verkehrsbelastung der Langen Straße werde es nicht kommen, weil auf dem Areal ausreichend Parkplätze für die angedachten Wohneinheiten vorgesehen seien. Fest stehe, dass der idyllische Fußweg an der Schlei in seinem Bestand erhalten bleibe. Dem Architekten war es wichtig, die Arnisser für seine Ideen zu begeistern. Er machte sich dafür stark, das Werftgelände nicht dem Verfall preiszugeben, denn: "Dafür ist Arnis zu schade."

In der Diskussion zeigte sich, dass sich die Einwohner weitestgehend mit den Planungen anfreunden können. Doch gab es auch Bedenken. "Nur reiche Hamburger werden die geplanten Wohnungen erstehen, die dann lediglich am Wochenende kommen, während in der übrigen Zeit tote Hose herrscht", lautete eine Befürchtung aus der Versammlung. Das, so hieß es, will man nicht, würde es doch zu einer Milieu-Veränderung führen. Viele fanden die Planung selbst "klasse", wobei der Wunsch geäußert wurde, in einem gewissen Umfang auch "nicht störendes" Gewerbe zu ermöglichen. Dazu Architekt Hahn: "In Arnis zu leben, hat viel für sich." Und er fügte hinzu, dass er es sich durchaus vorstellen könnte, mit seinem Büro auf dem Noch-Werftgelände ansässig zu werden.

Die Werft selbst bleibt vorerst noch in Betrieb. Vorsorglich haben die Eberhardt-Brüder den zwölf Mitarbeitern zum 31. Oktober dieses Jahres gekündigt, zwei von ihnen haben bereits anderweitig einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Der Niedergang ihrer Werft, die in ihrer Hoch-Zeit eine Vielzahl von Mitarbeitern beschäftigte und volle Auftragsbücher hatte, sei bitter, sagen die Brüder übereinstimmend. In dritter und jetzt wohl letzter Generation führen sie den Betrieb. Seit Jahren sei die Auftragslage stark rückläufig. Das Aus für den Marinestützpunkt Olpenitz hat dazu geführt, dass die Marine keine Schiffe mehr zur Überholung in ihre Werft schickt. Ebenfalls stark rückläufig war und ist die Situation mit der Frachtschifffahrt und den Angelkuttern. Öffentliche Aufträge, sagen die Werftbesitzer, werden nur noch an ISO-zertifizierte Betriebe vergeben: "Wir können nicht mehr mithalten." Alle Bemühungen, einen Werft-Nachfolger zu finden, seien gescheitert. Sobald die Genehmigung für das vom Investor geplante Vorhaben "durch" sei, ist für die Brüder mit ihrer Werft Schluss. So wird die kleine Stadt Arnis, einst Werftenhochburg, bald einen Werftbetrieb weniger haben.

Wie hoch das Investitionsvolumen für das neue Projekt ist, darüber machte der Investor bei der Bürgerbeteiligung noch keine Angaben. "Das hängt von der Machbarkeit ab", sagte Nicolai Steinert. Aber er versicherte, dass, sobald die Pläne für eine Realisierung fertig sind, er auch die Finanzierung in trockenen Tüchern hat.

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