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Stadtbücherei Kappeln : Wohlfühlfaktor wird immer wichtiger

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Stadtbücherei zieht Bilanz für das Jahr 2016: Weniger Ausleihen, aber mehr Besucher. CDs und Hörbücher waren am stärksten gefragt.

Petra Herzig ist durchweg guten Mutes: „Im Grunde ist alles, was ansteigen konnte, auch tatsächlich angestiegen“, sagt die Leiterin der Kappelner Stadtbücherei. „Abgesehen von den physischen Entleihungen.“ Dieser Trend sei allerdings in so ziemlich allen Büchereien zu beobachten und in diesem Fall auch noch nicht beunruhigend. Denn: Obwohl den 77.408 Entleihungen aus dem Jahr 2015 nur 75.168 Entleihungen aus dem vergangenen Jahr gegenüberstehen, hat gleichzeitig die Zahl der Besuche deutlich zugenommen – von 45.000 im Jahr 2015 auf 58.000 im zurückliegenden Jahr. Petra Herzig liest daran eine eindeutige Tendenz ab: „Die Qualität des Aufenthaltes wird immer wichtiger.“

Etwas mehr als 23.000 Medien zählen zum Bestand der Bücherei. Bemerkenswert: Die ausleihstärkste Gruppe waren die sogenannten Non-Book-Medien (24.601 Entleihungen), also etwa CDs, DVDs oder Hörbücher. Platz zwei holte sich die Kategorie der Kinder- und Jugendbücher (22.547 Entleihungen), Platz drei die Belletristik (15.060 Entleihungen). Dabei hat Petra Herzig gerade bei den erwachsenen Roman-Lesern eine spezielle Neigung ausgemacht. „Das Lesen ist blutig in Kappeln“, sagt sie. Heißt: Unter den Top Ten der Ausleih-Hits der Erwachsenen finden sich mit einer Ausnahme ausschließlich Krimis und Thriller. Im Jugendbereich dominiert weiterhin das Fantasy-Genre, unter den stark ausgeliehenen Kinderbüchern sind derweil Einflüsse aus Kino oder Fernsehen zu erkennen. So finden sich etwa „Die Schlümpfe“, „Bibi und Tina“, „Die Peanuts“ oder „Star Wars“ auf der Hitliste. Und ein bisschen überraschend auch Klassiker, beispielsweise „Karlsson vom Dach“ oder „Das Sams“. Petra Herzig sagt dazu: „Alte Klassiker im neuen Gewand funktionieren gut. Sie müssen eben nur auch optisch ansprechend sein.“

Spürbar bergab entwickeln sich derweil die Ausleihzahlen im Bereich der Sachbücher. „Das ist wirklich unser Sorgenkind“, sagt Petra Herzig. Durchschnittlich sollte jedes Medium einer Bücherei im Jahr dreimal ausgeliehen werden – die Sachbücher schaffen es gerade mal auf einen Schnitt von 1,1. Herzig: „Das deutet auf eine große Überalterung des Bestandes hin.“ Nicht umsonst hat die Leiterin mit ihrem Team im vergangenen Jahr insgesamt gut 2900 Medien aus dem Inventar gelöscht, dadurch vor allem bei den Sachbüchern gezielt aufgeräumt und schlicht nicht mehr so viele vorrätig. „Aber was wir nicht haben, können wir jederzeit über den Bücherei-Leihverkehr bestellen“, sagt Herzig. Über diesen Umweg ist zudem so gut wie jede etwas speziellere oder vielleicht anspruchsvollere Literatur erhältlich, die die Kappelner Bücherei dann für drei Monate anbieten kann, ehe die Ergänzungsbibliothek des Landes als Lieferant ihre Ware zurückfordert. Für Petra Herzig ist das eine weitere Möglichkeit, Bedarf und Wünsche ihres Publikums abzufragen und genauso herauszufinden, was überhaupt nicht ankommt, ohne Gefahr zu laufen, den eigenen Bestand unnötig nach oben zu schrauben. Ganz nebenbei hat sie ohnehin schon im vergangenen Jahr versucht, die Büchereibesucher unbewusst ein bisschen zu lenken. „Wir haben den Titel ‚Elektronik für Kids‘ neben ‚Star Wars‘ positioniert“, sagt Herzig. Das Resultat: Das Elektronik-Buch schaffte es unter die Top Ten der gefragtesten Jugendsachbücher. Über digitale Spiele für verschiedene Konsolen versucht die Bücherei indes, einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen, denn Petra Herzig weiß: „Die Zielgruppe ist vielleicht nicht so groß, aber sie ist auf jeden Fall da.“

Insgesamt zählte die Einrichtung 1838 aktive Leser im zurückliegenden Jahr (2015: 1463), also solche, die mindestens einmal etwas entliehen haben. Bemerkenswert: 854 davon kommen aus Kappeln, 984 aus dem Umland, darunter ein zehnprozentiger Anteil an Touristen. 398 Benutzer sind Kinder unter 13 Jahren (2015: 365). Außerdem hat sich die Stadtbücherei erneut als Veranstaltungsort bewiesen: Lesungen auf Platt- und Hochdeutsch, Vorträge der Universitätsgesellschaft, Kinder- und Jugendbuchwochen, Kalendergeschichten, Vorlese-Omis, Führungen für alle Altersgruppen, Ferien-Lese-Club – „die Bücherei ist auch als Treffpunkt gefragt“, schlussfolgert Petra Herzig. Und auch als Ort, den Menschen aufsuchen, um einfach mal die Zeitung zu lesen, im Internet zu surfen oder weil das Wetter gerade schlecht ist. Herzig: „Uns zeigen diese Besucher, dass der Trend, die Aufenthaltsqualität zu verbessern, richtig ist.“ Wer sich beim Zeitungslesen in der Bücherei wohlfühlt, lässt sich beim zweiten Besuch vielleicht einen Nutzerausweis ausstellen.

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erstellt am 10.Feb.2017 | 07:00 Uhr

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