Stoltebüll : Wochenlang tote Telefonleitung – Bürger in Rage

Seit einer gefühlten Ewigkeit müssen Stoltebüller Bürger ohne ihr Telefon zurecht kommen.
Seit einer gefühlten Ewigkeit müssen Stoltebüller Bürger ohne ihr Telefon zurecht kommen.

Ein beschädigtes Kabel führt zum Festnetzausfall in Gulde, Schörderup und Wittkiel . Heute Abend soll der Schaden behoben sein.

shz.de von
22. Januar 2015, 07:30 Uhr

Ingrid Lorenzen ist bedient. Was die Witwe aus Gulde so aus der Fassung bringt, ist ihr Telefonanschluss. „In der vorigen Woche hatte ich die Anrufe für meine Nachbarn in der Leitung und die hatten meine. Doch zumindest konnte ich noch telefonieren.“ Doch seit einer Woche geht auch das nicht mehr. „Die Leitung ist tot“, sagt Lorenzen. Nicht einmal ein Freizeichen käme. Und wenn die Seniorin angerufen wird, klingt dem Anrufer ein Besetztzeichen entgegen. Vier bis fünf mal im Jahr komme so etwas vor.

Ingrid Lorenzen und ihre Nachbarn sind kein Einzelfall. Auch Helga und Johannes Gimm, ebenfalls in Gulde wohnhaft, haben seit rund zehn Tagen keinen Anschluss mehr. „Hier in Gulde leben viele ältere Menschen. Wenn die kein Handy haben, dann sind die doch total aufgeschmissen“, sagt Helga Gimm. Im Dorf sei doch sonst nichts, da sei man schon auf das Telefon angewiesen. Hinzu kommt, dass der Handy-Empfang in dieser Region auch nicht der beste ist. Helga Gimm und ihr Mann haben ein Handy und auch Empfang, doch sagt sie auch: „Wenn der Festnetzanschluss nicht geht, wird unsere Handy-Rechnung um so teurer.“ Etwa 70 bis 100 Haushalte in Gulde, Schörderup und Wittkiel haben derzeit keinen Anschluss. „Meistens treten solche Störungen nach stärkerem Regen auf“, sagt Helga Gimm. Sie vermutet, dass das etwas mit der Umschaltstelle in Sandbek zu tun hat. Ihr Ehemann Johannes Gimm findet die Informationspolitik der Telekom unmöglich. Man erfahre nichts, sondern müsse selbst ein Callcenter anrufen. „Ich war früher für die Schleswag tätig“, sagt er. „Wenn wir so eine Informationspolitik betrieben hätten, hätten uns die Leute gesteinigt.“

Auch Petra Martin fühlt sich von der Telekom in diesem Punkt nicht gut behandelt. „Wir sind 14 Tage abgeschaltet, und die Telekom hält es nicht für nötig, uns mal zu informieren, was überhaupt los ist“, beschwert sie sich. Vielmehr hätte man erst über die anderen Anwohner erfahren, dass auch sie keinen Anschluss hätten. Der Anruf ihrer Mannes bei einem Mitarbeiter der Telekom sei irgendwann einfach weggedrückt worden. Dabei ist der Festnetzausfall für die Familie Martin besonders schlimm, da die 78-jährige Schwiegermutter von Petra Martin schon einmal einen Herzinfarkt hatte und kein Handy bedienen kann.

Hans-Jürgen Schwager sind die Festnetzprobleme in Gulde und Schörderup nicht unbekannt. „Das ist schon öfters da gewesen und kommt bestimmt etwa alle halbe Jahre vor“, meint der Stoltebüller Bürgermeister. „Wir haben schon kein vernünftiges Internet, wenn jetzt aber das Telefon laufend ausfällt, dann ist das schon heftig.“ Sollte die Telekom die Leitungen wechseln, dann plädiert Schwager für Glasfaser- statt Kupferkabel. Für den Fall stellt er auch eine Beteiligung der Gemeinde in Aussicht. „Bevor wir hier zum Museumsdorf werden und ganz abgeschnitten sind, sind wir auch bereit etwas zu investieren“, so Schwager, der selbst nicht vom Festnetzausfall betroffen ist.

Christian Fischer, ein Sprecher der Telekom, bestätigt schriftlich, dass die Ursache für das Malheur bei einer Verbindung zwischen Flensburger Straße und Einmündung Süeskoppel/Mehlbydiek liegt. „Die Isolierung eines Kabels ist dort beschädigt, sodass Feuchtigkeit eindringen kann und die verursacht Störungen“, so Fischer. Etwa 30 Meter Kabel müssen ersetzt werden. Die Tiefbauarbeiten wurden nach seinen Angaben gestern abgeschlossen. Die Montagearbeiten werden voraussichtlich bis heute Abend beendet sein – so weit das Statement. Eine Entschuldigung oder ein Ausdruck des Bedauerns gegenüber den Kunden sucht man darin übrigens vergebens.

Eine vorherige Information der Kunden ist laut Fischer nicht möglich. „Wir müssen immer erst die Ursache suchen. Und da gib es mehrere Kabelstränge, die für einen Netzausfall in Frage kommen“, erklärt er auf telefonische Nachfrage. So sei man erst gegen Ende des Untersuchungsvorgangs über den Stand der Dinge informiert. In Gulde hofft man, dass diese Reparatur das Problem nun dauerhaft behebt, damit beim nächsten Starkregen nicht erneut das Telefonnetz ausfällt.  

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