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Straßenverkehr in Kappeln : Wo es für Radfahrer gefährlich wird

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Interessengemeinschaft Umwelt zeigt Politikern von CDU und Grünen problematische Stellen im Straßenverkehr.

Das Wetter hätte besser sein können, es nieselte zwischendurch, richtig warm war es ohnehin nicht. Zehn Kappelner hielt das dennoch nicht davon ab, sich aufs Fahrrad zu setzen und gemeinsam in einer guten Stunde ein paar Brennpunkte in der Stadt abzufahren. Ausgangspunkt war das Fahrradkonzept, in dem die Interessengemeinschaft Umwelt (IGU) bereits 2013 etliche Mahnungen ausgesprochen und Verbesserungswünsche zusammengefasst hatte. Anfang dieses Jahres hatte die IGU ihr umfangreiches Papier auf vier Vorschläge zusammengekürzt (wir berichteten). Um dem Thema zurück auf die Tagesordnung zu verhelfen, hatte die CDU-Fraktion zu jener Fahrradtour eingeladen.

Eigentlich war Wilhelm Busse ziemlich enttäuscht. Neben den CDU-Stadtvertretern Corinna Graunke, Volker Ramge und Karsten Poppner sowie Norbert Dick von den Grünen war kein weiterer Politiker erschienen. „Wir kennen die Problemstellen“, sagte IGU-Mitglied Busse. „Unseretwegen müssen wir die Tour nicht machen. Aber wir hätten den Politikern gerne eine anschauliche Diskussionsgrundlage gegeben.“ Diejenigen, die gekommen waren, zeigten sich allerdings interessiert und aufgeschlossen und schickten Busse auch gleich an die Spitze des Trosses.

Der machte dann in der Schleswiger Straße halt an einer Stelle, an der Schüler der Gemeinschaftsschule das Schulgelände verlassen, um über die Prinzenstraße zum Zob zu gelangen. Eine unübersichtliche Stelle, an der Autofahrer nicht zwangsläufig mit Fußgängern oder Radfahrern rechnen. IGU-Vorstand Dieter Rackow hatte einen konkreten Vorschlag: „Ein Zebrastreifen, das ist elementar wichtig.“ Ein echter Wunsch ist außerdem die Umwandlung der Feldstraße in eine Fahrradstraße, zumindest vom Zob bis zur Einmündung in die Arnisser Straße. Rackow sagte: „Die Feldstraße ist ein Knackpunkt.“ Vor allem dann, wenn man sich, wie die IGU, für eine klare Streckenführung in Ost-West-Richtung stark macht, von der Schüler wie Urlauber gleichermaßen profitieren sollen. Und die beispielsweise am Parkplatz zwischen Arnisser Straße und Hohlweg für mehr Sicherheit sorgen könnte. Das Problem dieses Parkplatzes: Die Autos ragen weit über die Bordsteinkante hinaus und in den rot geklinkerten Weg, den sich Radfahrer und Fußgänger teilen sollen, hinein. Und weil das dann schnell zu eng werden kann, weichen die meisten Radfahrer direkt über den Parkplatz aus – auch just in dem Moment, als die Politiker mit den Umweltschützern dort standen. Die IGU hat auch dafür einen Lösungsvorschlag parat: Zunächst sollte ein Zebrastreifen den Übergang von der Feldstraße über die Arnisser Straße erleichtern. Auf der anderen Seite angekommen, könnten die Radfahrer entweder auf dem parallel zur B  203 verlaufenden Grünstreifen weitergeführt werden, also zwischen Parkplatz und Straße. Oder parallel zum rot geklinkerten Weg auf einem Areal, das sich allerdings in Privatbesitz befindet.

Das Problem am Radweg zur Jugendherberge ist auch eines, das mit Enge zusammenhängt: Als kombinierter Fuß-/Radweg, der mit Gegenverkehr funktionieren muss, ist der Weg schlicht viel zu schmal. Rackow: „Da landet man als Radfahrer ganz schnell auf der Straße.“ Hinzu komme der allgemein schlechte Zustand des Weges, der allerdings an einer Kreisstraße entlang führt und sich damit außerhalb der städtischen Verantwortung befindet. Dieter Rackow hatte auch dafür deutliche Worte: „Dann muss die Stadt dem Kreis eben auf den Zehen stehen.“ Und Rackows Hinweis, dass dieser Weg Teil des Ostseeküstenradwanderweges sei, quittierte Corinna Graunke mit: „Das ist peinlich.“

Nach einer guten Stunde auf dem Rad setzte sich die Gruppe schließlich im „Landgang“ zusammen, wo Wilhelm Busse noch einmal darauf hinwies, dass die IGU der Stadt im Mai 2013 ihr großes Konzept und im Februar 2017 eine Ergänzung mit konkreten Vorschlägen vorgelegt hatte. Seine Frage: „Warum ist das bisher nicht Teil einer Verkehrsausschusssitzung gewesen?“ Tatsächlich ist das Fahrradkonzept im August 2013 im Ausschuss behandelt worden, mit dem Ergebnis, dass die Verwaltung einzelne inhaltliche Punkte auf ihre Realisierung prüfen, zur nächsten Sitzung beschlussfähig vorlegen sowie zeitnah Ortstermine vorbereiten solle. Auf ein ganz ähnliches Verfahren einigte sich nun die Radfahrer-Gruppe: Volker Ramge und Norbert Dick betonten beide den Ansatz, das Konzept in Einzelschritten abarbeiten zu wollen, anstatt den großen Rundumschlag zu versuchen. Als Orientierung soll dabei das jüngste Papier der IGU vom Februar dienen, in dem vier Beschlussvorschläge enthalten sind – einer betrifft Grundsätzliches, drei beschreiben konkrete Ziele. Obwohl die Radfahrer also mit einer recht genauen Vorstellung zum weiteren Vorgehen auseinandergingen, hielt sich die Zuversicht in Grenzen. Corinna Graunke sagte dazu: „Die bisherigen Erfahrungen, wie mit dem Fahrradkonzept umgegangen wurde, lassen einen das Ganze nicht sehr optimistisch sehen.“ Für Dieter Rackow war der Nachmittag dennoch gelungen, auch weil er den Eindruck hatte, dass diese „Herzensangelegenheit“ der IGU zumindest von den Anwesenden als eben das erkannt wurde. „Jetzt“, schob Rackow noch hinterher, „seid ihr dran“.

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erstellt am 25.Jul.2017 | 07:00 Uhr

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