Rasante Fahrer in Faulückfeld : Wo Autos durch die Vorgärten fliegen

Sind an schnelle Autofahrer vor ihrer Haustür gewöhnt: Nachbarn und Leidensgenossen Anja Thomsen und Kurt Solberg wohnen direkt an der B 201.
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Sind an schnelle Autofahrer vor ihrer Haustür gewöhnt: Nachbarn und Leidensgenossen Anja Thomsen und Kurt Solberg wohnen direkt an der B 201.

Viele Unfälle: In Faulückfeld an der B 201 wünschen sich die Anwohner eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 Stundenkilometer.

shz.de von
23. Februar 2018, 06:44 Uhr

Ein Jahr – 13 Unfälle. Mindestens einmal im Monat knallt’s hier im Durchschnitt. Das ist die selbst erstellte Bilanz, die die Anwohner von Faulückfeld an der Bundesstraße 201 vorlegen können. „Aber es sind halt nur Materialschäden. Das wird manchmal nicht mal notiert“, sagt Kurt Solberg. Er und seine Nachbarn können nicht verstehen, dass die Verkehrssituation, unter der sie und ihre Kinder seit Jahren leiden, scheinbar erst geändert werden kann, wenn ein Mensch zu Schaden gekommen ist. Sie wünschen sich Überholverbotsschilder, vor allem aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 Stundenkilometer.

„Mein Hund ist schon mal angefahren worden“, berichtet Anwohner Ortwin Semmling. Der Tibetterrier „T.J.“ musste zum Tierarzt, 1200 Euro hat Semmling die Behandlung gekostet. Der kleine Hund hat inzwischen so viel Angst vor der Straße, dass er rübergetragen werden muss. Semmling hat noch mehr zu erzählen. „Kennen Sie die Fernsehserie mit der Autobahn-Polizei?“, fragt er. Wie in dem Trailer habe er ein Auto, sich in der Luft um die eigene Achse drehend, auf das Feld neben seinem Grundstück fliegen sehen. „Ich war gerade am Rasenmähen“, erinnert er sich. „Wir saßen bei meiner Schwiegermutter im Vorgarten beim Frühstück“, sagt Kurt Solberg und zeigt auf ein Rasenstück hinter einer Hecke. Nur wenige Meter neben dem Tisch mit den Brötchen kam ein Auto, das aufgrund der hohen Geschwindigkeit von der Straße abgekommen war, zum Stehen. Traude Goos hat Fotos mitgebracht: Ein verformter Gitterzaun, eine zerbrochene Mauer, ein schwarzes Auto im Beet vor der Eingangstür. „Der hat noch versucht abzuhauen. Hat er aber nicht geschafft“, sagt sie trocken. Traude Goos hat auch eine Unterschriftensammlung mitgebracht, auf der mehr als 20 Anwohner unterzeichnet haben. Die stammt allerdings bereits aus dem Jahr 2006. Schon damals sind sie tätig geworden und haben sich an die Verkehrsaufsicht des Kreises Schleswig-Flensburg gewandt. „Wir haben grüne Ortshinweistafeln und das Überholverbot in Form einer durchgezogenen Linie bekommen, die Straße wurde an einer Seite angehoben“, beschreibt Solberg. Die Höhenanpassung der Straße habe allerdings eher dazu geführt, dass die Fahrer noch mehr auf das Gaspedal treten. Die Strecke von Kappeln aus kommend, kurz vor den Gleisen der Museumsbahn, ist gut einzusehen und verleitet zum Überholen – trotz Überholverbot. „Die durchgezogene Linie ist halt nicht wirklich durchgezogen, weil es hier so viele Einfahrten und landwirtschaftliche Wege gibt“, erklärt Anja Thomsen, die vor allem Angst um ihre Kinder hat. „Von meiner Haustür bis zur Straße, auf der 100 gefahren werden darf, sind es keine drei Meter“, beschreibt sie. Auch der Wildwechsel ist stark an diesem Teilstück der B 201. „Wenn du die Bremsen schon quietschen hörst, wartest du nur noch auf den Aufprall“, sagt Thomsen.

Das bestätigt Bürgermeister Peter Martin Dreyer, und er unterstützt den Wunsch der Faulückfelder. „In dieser Jahreszeit hole ich im Durchschnitt ein Stück Wild pro Woche von der Straße – hier gibt es extrem viele Wildunfälle“, berichtet der Jäger. „Und das sind nur die Probleme zu dieser Jahreszeit. Noch spannender ist es, wenn die Motorradfahrer und die Urlauber kommen“, gibt Anja Thomsen zu bedenken. „Überholverbotsschilder und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h – das wäre unser Wunsch. So ein Schild, wie es nur ein paar Hundert Meter weiter längs vor dem Übergang der Museumsbahn steht“, sagt Kurt Solberg. „Die Eisenbahn fährt selten – wir haben den Verkehr hier Tag für Tag.“

Was spricht dagegen? Peter-Ronald Petersen von der Kreisverkehrsaufsicht, der den Vorgang bereits vor rund zehn Jahren bearbeitet hat, bestätigt: „Die Straßenverkehrsordnung ist keine Präventionsverordnung. Das hat der Gesetzgeber so verfügt.“ Ihm liege kein Hinweis darauf vor, dass es sich bei dem Straßenabschnitt um eine absolute Gefahrenlage handele. „Wenn sich in der letzten Zeit dort eine drastische Unfallhäufung entwickelt hätte, läge dazu eine Meldung der Polizei vor“, erklärt er. „Natürlich kann ein neuer Antrag auf Geschwindigkeitsbegrenzung gestellt werden“, sagt Petersen, das sei auch nicht ungewöhnlich nach so vielen Jahren. Dann werde die Prüfung erneut eingeleitet.

Die Nachfrage bei der Polizei ergab nur zwei registrierte Unfälle für das Jahr 2017 – ein Auffahrunfall in Höhe Einfahrt Roest und ein als geringfügig eingestufter sogenannter S-3-Unfall.

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