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Standortwechsel : Wird alter Sky-Markt zum Schwimmbad?

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Ein Immobilienkaufmann schlägt den Umbau des Gebäudes in Loitmark vor. Der Eigentümer ist interessiert, die Stadt skeptisch.

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Gibt es noch eine Möglichkeit für ein Bad in Kappeln? So viel ist sicher: Die über 40 Jahre alte Schwimmhalle in Ellenberg wird Ende des Jahres ihren Betrieb einstellen. Dann kommt irgendwann die Abrissbirne, denn eine Sanierung des Gebäudes ist zu kostspielig, und das Gelände hat der neue Eigentümer der ehemaligen Marinewaffenschule schon für sein Bauprojekt „Schleiterrassen“ verplant. An anderer Stelle ist Platz für ein Neubau, doch der fällt laut einem Gutachten mit rund neun Millionen Euro zu hoch für eine Stadt wie Kappeln aus. Zu diesem Entschluss kam die überwiegende Mehrheit der Stadtvertreter, zumal es keine Aussicht auf Fördermittel gab. Nun allerdings kommt eine völlig neue Idee aus dem Umland.

Manuel Dittmers, Vorstandsmitglied der CDU in Dörphof und Geschäftsführer eines Immobilienbüros, schlägt vor, eine Schwimmhalle in einem der leer stehenden Märkte in der Bernhard-Liening-Straße zu errichten. „Der ehemalige Sky-Markt dort steht leer und ist mit dem Parkplatz einigermaßen isoliert. Dazu hat das Gebäude eine Stahlträgerkonstruktion“, sagt Dittmers. Für ein Becken müsste der Boden angehoben werden. Die Tiefe selbst sollte auf maximal 2,30 Meter begrenzt werden, um bei geringerem Wasservolumen die Betriebskosten niedrig zu halten. Die Kosten dafür beziffert Dittmers auf ein bis zwei Millionen Euro. Er findet: „Wir brauchen kein Spaßbad oder eine Sprunganlage, sondern drei oder vier 25 bis 30 Meter lange Bahnen.“ Das Bad sei weniger für die Feriengäste als vielmehr für Einheimische, Schulen und Vereine wichtig. Und bis zum Jahresende sollte man nach Ansicht des Immobilienmaklers noch einmal eine Initiative starten. „Wenn das Schwimmbad erst mal aus den Köpfen ist, dann ist es schwierig, nach drei Jahren wieder die Fäden aufzunehmen“, lautet seine Einschätzung. Da die Anlage nicht so groß ausfalle, brauche man auch keine drei bis vier Angestellten pro Schicht. „Die Hälfte würde reichen“, meint Dittmers, der die Betriebskosten mit unter 150.000 Euro pro Jahr veranschlagt.

Die UBG Immobilienmanagement GmbH in Cottbus, die den Eigentümer des 1400 Quadratmeter großen Sky-Gebäudes, die Fondsgesellschaft SB-Markt Kappeln GbR, vertritt, zeigt sich angetan von der Idee. Nach den Worten von Geschäftsführer Jens Fichte suche man bereits seit eineinhalb Jahren nach einem neuen Nutzungskonzept – den Schwimmbad-Gedanken nennt er „hochinteressant“. Und: „Wir würden das sofort begleiten.“ Noch bis Jahresende läuft der bestehende Mietvertrag, vorher erwartet Fichte die Ergebnisse eines Verkehrswertgutachtens für das 6358 Quadratmeter große Grundstück und will danach im Idealfall den Weg frei machen für einen neuen Investor.

Der Vorsitzende des Fördervereins Schwimmhalle Kappeln, Rainer Moll, steht dem Vorhaben indes sehr skeptisch gegenüber. „Ich bin kein Baufachmann, aber es ist doch die große Frage, ob so was überhaupt technisch zu bewerkstelligen ist“, sagt er. So müsste für das Becken das Fundament erhöht oder ein Keller künstlich hergestellt werden. Hinzu kämen Sicherheitsstandards und technische Anlagen wie die Filter. Ein Neubau ist da laut Moll günstiger als ein Umbau. „Es ist doch nicht damit getan, ein paar Fliesen abzukacheln und dann Wasser reinzulassen. Ich will das Vorhaben nicht herabwürdigen, aber ich halte diese Idee nicht für durchführbar.“ Für Moll, der zugleich auch Stadtvertreter ist, ist entscheidend, dass ein Schwimmbad auch bezahlbar ist. „Doch innerlich habe ich mit dem Thema leider abgeschlossen“, gesteht der Vereinsvorsitzende.

Auch Bürgermeister Heiko Traulsen räumt der Idee keine großen Chancen ein. „Ich will die Sache gerne prüfen, aber ich halte die Umsetzung nicht für realistisch“, sagt Traulsen. Zwar sei die Lage nahezu ideal für ein Schwimmbad, allerdings führt er als Hindernisse unter anderem die kostenintensiven Umbauarbeiten und eine nicht geregelte Energieversorgung ins Feld.

Vollkommen beerdigt hat der Bürgermeister das Thema derweil selber auch noch nicht: Noch in diesem Monat will er im Wirtschaftsministerium vorstellig werden, um die Chancen auf eine Förderkulisse für ein neues Freibad abzuklopfen, das mit erneuerbaren Energien gespeist wird. Ein Freibad, für das Traulsen mit weniger Baukosten als für eine Schwimmhalle rechnet, könne zumindest von April bis Oktober den Schwimmunterricht für Schüler und das Training für die DLRG gewährleisten. Er betont: „Dieses Bad muss nicht in Kappeln, sondern könnte irgendwo in der Region stehen.“ Sollte dieser Vorstoß jedoch beim Ministerium nicht auf fruchtbaren Boden fallen, stehen für den Bürgermeister die Konsequenzen schon fest. „Dann“, sagt Traulsen, „höre ich endgültig auf, daran zu glauben“.

 

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