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Ministerbesuch : „Wir kämpfen für die Bundeswasserstraße“

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer besuchte gestern mehr als drei Stunden lang einheimische Bootsbauer. Dabei machte er sich für die Schlei als Bundeswasserstraße stark.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2014 | 07:30 Uhr

Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer hat sich gestern nachdrücklich für den Erhalt der Schlei als Bundeswasserstraße in ihrer jetzigen Form ausgesprochen. Vor Verantwortlichen der hiesigen Bootsbaubranche sagte Meyer am Rande eines dreistündigen Informationsbesuches in Kappeln: „Wir kämpfen für den Status der Schlei als Bundeswasserstraße. Das ist wichtig für die gesamte Region.“ Wie Meyer ausführte, werde seines Wissens nach gerade ein Teil der unteren Schlei ausgebaggert.

Hauke Steckmest von der Werft Henningsen und Steckmest erläuterte, dass die Häfen in Kappeln alle verlanden, sofern nicht regelmäßig ausgebaggert werde, doch könne das Baggergut häufig erst vor Kiel verklappt werden. Das sei mit enormen Kosten verbunden. „Schon seit Jahren steht in unserem Hafen eine Vertiefung um einen halben Meter an. Bei eineinhalb Hektar Wasserfläche sind das schnell mal 10 000 Kubikmeter, die dann zu verklappen sind“, sagte Steckmest.

Das Netzwerk Schleiboot.de. hatte den Minister zum Kappeln-Besuch eingeladen. „Die letzten beiden Male habe ich Vertreter der Unternehmen auf der Hanseboot getroffen. Im vergangenen Jahr haben wir dann verabredet, dass ich mal nach Kappeln kommen werde“, so Meyer. Steckmest sagte, dass der Minister sich auf der Messe sehr angetan von der Bootsbaukunst gezeigt hätte. „Da haben wir den Minister eingeladen, damit er sich hier selbst ein Bild machen kann.“

Ebenfalls am Rande des gestrigen Treffens wurden auch Bedenken der maritimen Wirtschaft bezüglich eines geplanten Yachthafens bei den Schleiterrassen laut (wir berichteten). „Der Zugang zum Wasser für die Wohnungseigentümer ist völlig unstrittig“, meinte Steckmest. Doch auf der im F-Plan vorgesehenen Wasserfläche von zweieinhalb Hektar ließen sich 250 Yachten unterbringen. „Das würde auch uns maßgeblich beeinträchtigen. Unsere Kunden genießen den Blick ins Grüne. Das ist das letzte Kleinod hier, wir haben noch keinen Leerstand.“ Henning Mittelmann von der Mittelmann-Werft ergänzte, dass man froh über die Norddeutsche Grundvermögen als Bauträger sei. Doch habe die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben damals noch von 20 bis 30 Liegeplätzen in ihrer Annonce gesprochen. Meyer riet hier zu Gesprächen mit der Stadt, da der Investor der Stadt gegenüber seine Vorstellungen offen legen müsse.

Bei den Besuchen der Betriebe Stapelfeldt, Henningsen und Steckmest sowie Mittelmann zeigte sich der Minister nicht nur von der handwerklichen Kompetenz, sondern auch von der Kreativität in Konstruktion und Design beeindruckt. Besonders gefiel ihm, wie man hier einzelne Kundenwünsche erfüllt. „Das Geschäft wird immer schwieriger, weil wir alle älter werden. Umso wichtiger ist es, individuell reagieren zu können“, so Meyer. Wilfried Stapelfeldt von der gleichnamigen Yacht- und Bootswerft sagte, dass die Betriebe aufgrund der Spezialisierung jeweils andere Kunden hätten. Dies erleichtere die Zusammenarbeit.

Angetan war der Minister von der hohen Ausbildungsrate innerhalb der Unternehmen, in denen die Auszubildenden rund ein Sechstel der Belegschaft ausmachen. Wilfried Stapelfeldt sagte, dass hier kein Betrieb Großserien herstelle. „Hier werden Einzel- oder Spezialbauten angefertigt, das macht die Tätigkeit für die jungen Leute abwechslungsreicher und interessanter als Fließbandarbeit.“ Steckmest ergänzte, dass man im Unterschied zu anderen Gewerken keine Einzelteile, sondern ein ganzes Schiff baue. Stapelfeldt stimmte zu: „Wir müssen schon etliche Gewerke beherrschen.“ Meyer meinte, dass die Vielseitigkeit der Ausbildung vorteilhaft für die berufliche Zukunft der Auszubildenden sei. Stapelfeldt stimmte zu: „Als Bootsbauer können sie alles werden. Wir hatten sogar einen, der wurde Chirurg.“ Darauf antwortete der Minister: „Das hat der aber nicht in der Lehre gelernt.“

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