Eckernförde : Wildschwein-Alarm am Hafen

Flucht durchs Wasser: Eines der beiden Wildschweine ist auf dem Weg vom Eckernförder Yachthafen in die freie Ostsee.
Flucht durchs Wasser: Eines der beiden Wildschweine ist auf dem Weg vom Eckernförder Yachthafen in die freie Ostsee.

Zwei Jungtiere galoppieren auf der Hafenpromenade und springen in den Yachthafen.

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21. Mai 2015, 12:30 Uhr

Benjamin Michelsen traute seinen Augen nicht: Er war gestern früh gegen 7.15 Uhr an Bord seines Kutters im Eckernförder Binnenhafen gerade am Filetieren der frisch gefangenen Seelachse, als er schräg gegenüber auf dem Parkplatz neben dem Rundsilo zwei Wildschweine entdeckte. „Das waren zwei ordentliche Brocken“, sagt der 33-jährige Fischer. Jedenfalls so groß, dass sie ihm gehörigen Respekt abnötigten und er verschanzte sich lieber zwischen zwei Autos, um nicht angegriffen zu werden.

Auch DAK-Mitarbeiter Mayc Nickel war Augenzeuge des Wildschweinbesuchs. „Ich stieg gerade aus dem Auto aus, da hat der Fischer mir gesagt: Guck mal darüber, da laufen Wildschweine!“ Die beiden schlanken, aber kräftigen Tiere hatten offenbar Witterung aufgenommen und rannten zwischen den Restaurants „La Taverna“ und „Luzifer“ hin und her. Sie standen beim „Luzifer“ vor dem Hintereingang und waren auch auf der Terrasse des italienischen Restaurants, beschreibt Mayc Nickel die zwei aufregenden Minuten. Während Benjamin Michelsen die ankommenden Leute warnte, alarmierte der DAK-Mitarbeiter die Polizei – und war einer von vielen aufgeregten Anrufern: Wildschweinalarm am Hafen.

Die beiden offensichtlich unter Stress stehenden Jungtiere rannten anschließend auf die Eckernförder Hafenpromenade und galoppierten Richtung Hafenspitze. „Es hörte sich an, als ob Pferde die Hafenpromenade entlang laufen“, sagt Michelsen. An der Hafenspitze angekommen, wählten die Wildschweine schließlich den Seeweg: Sie sprangen von der Kaimauer direkt in den Yachthafen. Bootseigner Hendrik Nowotny beshreibt die außergewöhnliche Situation so: „Ich habe erst ein Klatschen gehört und dann ein Schnaufen.“ Die Wildschweine schwammen etwa zehn Meter von seiner Motoryacht „Merkur“ entfernt genau in Richtung Hafenausfahrt und dann hinaus in die Bucht.

Vom Hafen aus blickten der Polizist Manfred Lohmann und die Jagdausübungsberechtigte Iris Gosch den beiden Schwarzkitteln hinterher. Viele Bürger hatten die Polizei alarmiert, die auch sofort kam, aber die Wildschweine nicht mehr „auf frischer Tat“ ertappte. „Ein Einfangen wäre auch schwer gewesen“, sagt Manfred Lohmann. Der Meinung ist auch Iris Gosch: „Ich bin froh, dass sie ins Wasser gesprungen sind“, sagt sie. „Wildschweine sind hervorragende Schwimmer, wie Eisbären.“

Die Jägerin geht davon aus, dass die beiden etwa einjährigen Jungtiere in Hemmelmark oder Altenhof ans Ufer gegangen sind. Eine Konfrontation an Land wäre nicht ungefährlich gewesen, vermutet Gosch. Wildschweine gelten als echte Draufgänger und setzen in bedrängter Lage eher auf Attacke statt auf Flucht. Gosch: „Das ist heute glimpflich ausgegangen.“ Höchst brisant wäre es geworden, wenn sie die möglicherweise in Panik geratenen Tiere tatsächlich am Hafen hätte erschießen müssen.

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