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Schlei-Bote

13. Dezember 2017 | 02:37 Uhr

Nieby : Wildpferde auf der Flucht

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Fangaktion auf der Geltinger Birk: 23 Konik-Fohlen erhalten Transponder, weitere Tiere werden verkauft.

Eigentlich sah alles zunächst ganz einfach aus. Dann aber stellte sich heraus, dass sich die Fangaktion der Wildpferde auf der Geltinger Birk etwas schwieriger gestalten würde. Die Aktion dient dazu, Jungtiere zu untersuchen und mit Transpondern, eine Art „elektronischer Personalausweis“, zu versehen sowie Pferde, die verkauft werden sollen, aus der Gruppe zu lösen. Die mehr als 80 Tiere umfassende Konik-Herde stand auf einer kleinen Anhöhe, nur wenige Hundert Meter von der Fanganlage bei Beveroe auf der Birk entfernt. „Dieses Hindernis ist ihnen vertraut, denn normalerweise können die Tiere nur von hier aus auf die Ostseite der Halbinsel gelangen“, erklärte Mit-Organisator Thomas Bender von der Integrierten Station in Falshöft. Deshalb würde eine relativ kleine Gruppe von Treibern ausreichen, um die frei lebenden Vierbeiner in das im natürlichen Gelände angelegte, spitz zulaufende Gehege zu bugsieren, so der Plan. Doch dieses Vorhaben ging schief. Als die Leithengste die mit weißen Ruten ausgestattete Menschenkette bemerkten, ergriffen sie mit ihrem vierbeinigen Anhang in Gegenrichtung die Flucht, preschten durch die undichte Kette, passierten ein Waldstück und verschwanden nach einigen Kilometern in einem teilweise vernässten Gebiet unweit der Mühle Charlotte.

Vorsorglich standen dort aber weit über 60 weitere Treiber in Bereitschaft. Das Western-Spektakel ohne Lasso und Colt konnte mit Helfern des Wildpferdevereins Geltinger Birk, der Integrierten Station, der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und des naturnahen Vereins Bunde Wischen aus Schleswig (Pächter von Birkflächen zur Beweidung mit Galloways) weitergehen. Diesmal stimmte auch die Logistik. Den Koniks blieb nur der Weg in Richtung Fanganlage übrig. Und dort kamen sie schließlich schnaubend und dampfend sogar zehn Minuten früher als ihre menschlichen Verfolger an.

In der Folgezeit nahm ein eingespieltes Team unter Leitung von Tierarzt Dr. Karl Vierling aus Wittkiel das Heft in die Hand. Dabei galt es, die 23 noch nicht registrierten Fohlen von der Herde zu trennen und ihnen nacheinander Transponder zu implantieren. Außerdem überzeugte sich der Veterinär von dem allgemein guten und robusten Zustand der Jungpferde. Darüber hinaus wurde für jedes Tier, das zum Verkauf vorgesehen war, ein sogenannter „Equidenpass“ ausgestellt. „Eine solche schriftliche Unterlage ist Pflicht für jedes Pferd“, erläuterte Gisela Vierling, Vorsitzende des Wildpferdevereins Geltinger Birk. Währenddessen trafen beim ehemaligen Gut Beveroe die Kaufinteressenten mit ihren Gespannen ein. Wegen des nach langer Regenperiode aufgeweichten Zustands des Geländes an der Fanganlage setzten die Organisatoren eine Art Shuttledienst ein. Niebys Bürgermeister Volker Lippert steuerte seinen starken Unimog-Schlepper mit jedem Pferdeanhänger durch „dick und dünn“ und sorgte für eine problemlose Verladung.

Gisela Vierling zog am Schluss eines langen, vom Wetter begünstigten Arbeitstages eine erfreuliche Bilanz. Insgesamt 15 Jungtiere konnten verkauft werden, und zwar für 300 Euro pro (bis zu sechs Monate alte) Fohlen und 500 Euro für Dreijährige – Geld, das der Stiftung Naturschutz als bisherige Eigentümerin der Wildpferde zu Gute kommt. Unter anderem werden künftig zwei Konikstuten der Bereicherung eines Schulprojekts in Preetz dienen und zwei Hengste die Herde einer Einrichtung in der Schorfheide im brandenburgischen Liebenswalde ergänzen.

In einigen schleswig-holsteinischen Ferienhöfen sollen die „Wilden“ mit viel Zeit und Zuwendung in zahme Reitpferde verwandelt werden. Auf der Birk verbleiben aktuell 69 Tiere. Doch diese Zahl kann sich bald erhöhen, weil die Koniks als ausgesprochen vermehrungsfreudige Zeitgenossen gelten.

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