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39. Kappelner Heringstage : Wie Kinder die Heringstage feiern

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Bernsteinschleifen, Hüpfburgen und Kinderschminken: Das Stadtfest bietet auch für die jüngeren Besucher eine Menge.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2017 | 08:00 Uhr

Runa sitzt mit ihrer Großmutter unter einem Pavillon auf dem Deekelsenplatz und sucht sich einen Stein aus der Muscheldose. Noch sieht er fast wie ein gewöhnlicher rauer Kiesel aus. Aber die Siebenjährige legt gleich los. Mit etwas Schleifpapier und viel Geduld bringt sie den Bernstein ans Licht. Bernsteinschleifen ist eines der vielen Angebote für Kinder bei den diesjährigen Heringstagen, aber bei Lothar Schwarz aus Kiel-Friedrichsort machen auch Erwachsene gern eine Pause.

Erst trocken mit gröberem, anschließend mit feinem Schmirgelpapier und Wasser aus dem Brunnen in der Schmiedestraße arbeiten die, die beim Bernsteinschleifer am Tisch sitzen. Und die schattigen Bänke sind scheinbar immer voll. Die Bernsteine verströmen einen angenehmen Duft. „Das sind die ätherischen Öle. Bernstein ist das beste Material, das ich kennen gelernt habe. Und es trägt Bilder aus der Urzeit in sich. Bilder, die der Stein vor Millionen von Jahren festgehalten hat“, sagt Lothar Schwarz, der sein Hobby vor 14 Jahren zum Beruf gemacht hat. Wenn seine Gäste meinen, fertig zu sein, kommt ihr Stein noch mit etwas Polierpaste an die „Schwabbelscheibe“, danach sind auch die letzten rauen Stellen weg. Blaue, weiße, grüne, rote, klare, gelbe und schwarze Steine aus fossilem Harz gibt es, erklärt der Fachmann. „Die blauen sind die wertvollsten.“ Ob auch blaue Steine in der Dose sind? „Nein“, sagt Schwarz und lacht. „Die sind so selten, da gibt es unter zwei Tonnen nur etwa einen“, sagt er und legt Lara (6) und Sophia (9) die neue Kette mit dem selbst geschliffenen Stein um. Auch ihre Eltern, Katharina und Patrick, haben mitgemacht. Neben ihnen sitzt Judith und schmirgelt. Die 28-Jährige Zahnärztin aus Nordrhein-Westfalen arbeitet gern mit ihren Händen – auch im Urlaub: „Das hier ist Tiefenentspannung.“

Ebenfalls auf dem Deekelsenplatz hat das Team vom Spielmobil wieder Bungee-Run, Dalmatiner-Hüpfburg und Pullbull-Riding aufgebaut. Seit vier Jahren ist der Spielanhänger der Aktion Kirche „buten un binnen“ der freikirchlichen Gemeinde Kappeln dabei. An allen vier Tagen können sich die Jüngsten dort austoben. Für die Begleiter gibt es kostenlos Getränke im Kaffee-Zelt. „Und wer dabei mit uns über Gott und die Welt sprechen möchte, kann das gern tun“, sagt Hans-Hermann Mede von der Gemeindeleitung, der das Projekt mit seiner Frau und anderen ehrenamtlich betreut. Neben dem Kaffee-Zelt gibt es mitten im Heringstage-Rummel auch ein „Zelt der Stille“. Und auch dieses Angebot wird durchaus wahrgenommen, bestätigt Mede. Lina-Zoé aus Celle kämpft gegen das Bungee-Seil des Spielmobils und hat offensichtlich Spaß. Die Achtjährige findet die Heringstage „total witzig“ und hofft: „Vielleicht kommen wir im nächsten Jahr wieder her.“ Ihr Vater, Robin Fruhn lacht. „Vielleicht. In Kappeln waren wir vorher noch nicht, aber sonst sind wir oft und gern hier im Norden“, gibt er zu. Der kleine Linus Casper (2) ist mit seinen Eltern aus Hamburg zu Gast und wirft einen vorsichtigen Blick auf den großen aufblasbaren Bullen, aber lieber vom Arm seiner Mutter Dorothee aus. „Das ist ihm zu unheimlich“, sagt sie lachend.

Ein Stück weiter, in der Schmiedestraße, steht der Pavillon der Kappelner Fotografin Randy Kablau. Eine Schlange vorwiegend junger Damen hat sich davor gebildet. Der Grund: Ann-Christin Ullrich und Doris Kablau haben den Pinsel in der Hand und eine riesige Palette mit Schminkfarben auf dem Tisch, mit der sie Kindergesichter verwandeln können. „Schmetterlinge, Katzen und die Unterwasserwelt − passend zu den Heringstagen – werden am häufigsten gewünscht“, verrät Randy Kablau. Es gebe zwar eine Menge feste Motive, aber ihre Helferinnen seien da schon sehr flexibel. „Mama, jetzt darf ich nicht mehr tauchen“, sagt Marie, nachdem ihr Gesicht fertig bemalt war. Sie findet das Ergebnis „richtig gut. Aber es hat ein bisschen gekitzelt – an der Lippe und am Auge“, verrät die Fünfjährige zufrieden. Auch dieses Angebot gilt für die gesamten Festtage und kostet nichts.

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