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Angekommen in Kappeln : Wie Integration gelingen kann

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Marjan Nishabourian kam 2015 ohne Deutschkenntnisse nach Kappeln – im Herbst beginnt sie eine Ausbildung für Büromanagement.

Kappeln | Als Flüchtlinge und ohne deutsche Sprachkenntnisse kamen Marjan Nishabourian, ihr Mann Mahmud Khairabadi und ihre Tochter Elena im Herbst 2015 nach Kappeln. Marjan hat schnell Fuß gefasst – inzwischen spricht sie die Sprache, möchte demnächst den Führerschein machen und beginnt im Sommer eine Ausbildung zur Bürokauffrau.

Marjan Nishabourian wurde im Iran geboren, aber sie und ihre Familie sind Christen und gehören in dem Land einer Minderheit an. Ihre Eltern und ihr Bruder kamen bereits vor sechs Jahren nach Deutschland. Sie musste ihre Heimat vor knapp zwei Jahren verlassen. Durch einen Zufall landete die 34-Jährige bei dem Reiseveranstalter Designer Tours. Jördis Könnecke-Sehgal, die die Agentur gemeinsam mit ihrem Mann Sumeet Sehgal leitet, hatte die Idee, im Büro jemanden die Chance zur Mitarbeit zu eröffnen und wandte sich an Martina und Jürgen Raddatz, von denen sie wusste, dass sie sich als Betreuer für Asylsuchende engagieren. „Sie sollte ins Team passen und gewisse Sprach- und Computerkenntnisse vorweisen können“, berichtet Jördis Könnecke-Sehgal. Marjan Nishabourian stellte sich vor und begann im November 2016 ein zweimonatiges Praktikum – „zum Kennenlernen“.

„Ich habe in Mashhad im Büro in einer Automobilfabrik gearbeitet“, berichtet Marjan Nishabourian. So waren ihr Verwaltungsaufgaben und die Arbeit am Computer nicht fremd. Trotzdem war der Einstieg, zuerst nur mit wenigen Englischkenntnissen, nicht einfach. Inzwischen hat die junge Perserin den erforderlichen Sprachkurs hinter sich. „Und sie hat die erste Schüchternheit und Sprachbarriere überwunden“, ergänzt Jördis Könnecke-Sehgal. Seit Februar absolviert die Iranerin eine Einstiegsqualifizierung (EQ) und wird so an eine Ausbildung herangeführt. Denn: „Ab August soll sie bei uns als Auszubildende für Büromanagement übernommen werden.“

Zweimal wöchentlich besucht Marjan Nishabourian schon jetzt die Berufsschule im Berufsbildungszentrum (BBZ) in Schleswig, um frühzeitig einen Einstieg zu bekommen. An ihrem neuen Arbeitsplatz helfen die Kolleginnen ihr dabei, die Sprache immer weiter zu verbessern. Inga Gulbins, zuständig für Sales und Marketing, hilft mit dem Fachvokabular und weiß, wie viel Mühe Marjan Nishabourian sich gibt. „Jetzt geht sie auch schon mal ans Telefon“, sagt sie und lacht. Nicht nur von den Kollegen gibt es Lob, auch von der Chefin: „Marjan arbeitet sehr gewissenhaft und fehlerfrei. Schriftlich war sie von Anfang an sehr gut.“

Zur Mittagspause ist Marjan Nishabourian in der ersten Zeit immer nach Hause gegangen. „Irgendwann haben wir gesagt, dass sie die Pause bei uns mitmachen sollte. Denn dann wird hier wirklich viel geredet“, erklärt Sumeet Sehgal lachend. Mittags wird bei Designer Tours gekocht: Meistens macht das Jördis Könnecke-Sehgal, aber auch die anderen Mitarbeiter stellen sich gern mal für alle anderen in die Küche. „Und nun genießen wir auch persische Speisen“, sagt die Inhaberin. „Plov murgh“ – Reis mit Hähnchen und Kebab gehört inzwischen zu den Favoriten im Reisebüro.

Das nächste Projekt für Marjan Nishabourian ist der Führerschein, denn der aus ihrer Heimat wird hier nicht anerkannt. Der Erste-Hilfe-Kurs ist bereits absolviert, und auf einer „App“ paukt Marjan jetzt für die theoretische Prüfung. „Das ist gut für den Beruf, aber auch privat ein großes Stück Freiheit“, sagt Jördis Könnecke-Sehgal.

Dem Asylantrag wurde stattgegeben, die junge Frau und ihre Familie dürfen in Deutschland bleiben – und das möchte sie auch gern: „Es ist gut hier.“ Ihre Tochter geht in den Kindergarten und kommt nach den Sommerferien in die Schule. Eine Anstellung für ihren Mann, der Maschinenbau-Ingenieur ist und in Mashhad ebenfalls in der Automobilfabrik gearbeitet hat, wünscht sie sich sehr.

Jördis Könnecke-Sehgal, ihr Mann Sumeet und Pate Jürgen Raddatz freuen sich über die Entwicklung. „Wir sind sowieso eine große bunte Familie und wo passt es besser, als in einem Reisebüro?“, fragt Jördis Könnecke-Sehgal und sieht die Beschäftigung von Marjan Nishabourian auch als „soziale Verantwortung“. Dass die Schritte der Integration von beiden Seiten gemacht werden müssen, davon ist Sumeet Sehgal überzeugt. Leider sei der Weg dahin nicht einfach gewesen, ergänzt Jürgen Raddatz. „Die Anträge und der Zeitaufwand – das ist schon heftig“, erklärt er. Aber nun kann es funktionieren, ist Jördis Könnecke-Sehgal sicher. „Bei uns hat Marjan die Atmosphäre sehr positiv beeinflusst und den Alltag noch ein bisschen internationaler gemacht.“


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erstellt am 14.Mai.2017 | 15:38 Uhr

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