Angelner Dampfeisenbahn : Wie groß ist das finanzielle Risiko?

Endbahnhof Kappeln: Als einwohnerstärkste Kommune soll die Stadt die meisten Stimmen im neuen Trägerverband der Museumsbahn erhalten.
Endbahnhof Kappeln: Als einwohnerstärkste Kommune soll die Stadt die meisten Stimmen im neuen Trägerverband der Museumsbahn erhalten.

Die Politik debattiert über Zukunft der Angelner Dampfeisenbahn – und zeigt sich uneins.

shz.de von
23. Januar 2018, 07:00 Uhr

Die Fahrt der Angelner Dampfeisenbahn ist ein wenig ins Holpern gekommen. Schuld sind ein paar größere Kieselsteine, die die SPD der Bahn auf die Strecke geworfen hat, gerade als sie ein bisschen Tempo aufnehmen wollte. Die Sozialdemokraten hatten erhebliche Schwierigkeiten, sich mit der geänderten Verbandssatzung, die dem Zweckverband Eisenbahninfrastruktur zugrunde liegt, anzufreunden. Im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Touristik stimmten sie gegen die Satzung und damit auch gegen die Verbandsgründung.

Dabei hatte sich Wolfhard Kutz wirklich große Mühe gegeben. Für die Verwaltung fasste er das jüngste Gespräch der Bürgermeister, durch deren Gemeinden die Bahnstrecke verläuft, zusammen. Die wichtigste Essenz: Die Anrainergemeinden möchten sich nicht an der Verbandsumlage beteiligen, da sie der Ansicht sind, dass lediglich die Endbahnhöfe Kappeln und Süderbrarup die Profiteure der Museumsbahn sind. Also sollen diese beiden Kommunen auch diejenigen sein, die, gerät der Verband in finanzielle Nöte, die Umlage wuppen. Im Gegenzug erhalten Kappeln und Süderbrarup mehr Stimmen im Verband – nämlich pro 250 Einwohnern eine Stimme. Für Kappeln ergibt das 35 Stimmen, was einem Anteil von mehr als 52 Prozent entspricht.

Als Aufgabe des Zweckverbandes definierte Kutz die Übernahme der Bahntrasse vom bisherigen Eigentümer, dem Kreis, der sich diesen Schritt einmalig 60.000 Euro kosten lässt. Für die Unterhaltung bleibe die Infrastrukturgesellschaft der Angelner Dampfeisenbahn weiterhin selber zuständig. Während bislang die Bahn-Verantwortlichen die dafür notwendigen Zuschüsse selbst gesammelt haben, kommt diese Aufgabe künftig dem Zweckverband zu, der die Gelder auf Antrag an die Bahn weiterreicht – ein Umstand, den Volker Ramge (CDU) ausdrücklich begrüßte. „So haben wir die Chance, die Bahn gleichermaßen zumindest für die nächsten fünf bis zehn Jahre zu sichern und zu kontrollieren.“

Lars Braack hielt sich derweil mit seiner Begeisterung zurück. „Wir sehen das als Gemeinschaftsaufgabe“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende. „Entweder wir tragen auch alle das Risiko oder wir lassen es sein.“ Braacks Sorge, die seine Fraktionskollegen teilten: Bei einer fälligen Reparatur blieben die Kosten an Kappeln und Süderbrarup hängen. Diesen Schluss leitete er aus der Verbandssatzung ab, in der es heißt, dass der Verband die Unterhaltung der Trasse ermöglicht. Wolfhard Kutz versuchte, die Sorge aufzulösen. „Der Verband hat keine Kosten, abgesehen von Verwaltungskosten an die Stadt“, sagte er. Und: „Es ist nicht Zweck des Verbands, selbst Zuschüsse zu zahlen. Wenn er kein Geld mehr hat, kann er keins mehr ausgeben.“ Und Volker Ramge ergänzte: „Der Verband ist nur ein Vehikel. Wenn wir in fünf Jahren bei Null sind, gibt es die Bahn nicht mehr.“

Zwar sah auch Michael-Sven Schattka (Grüne) die kleinen Anrainergemeinden stärker in der Pflicht, indem sie etwa als Zwischenstopp einen Nutzen aus der Bahn entwickeln. Am Ende aber stimmten nur die drei SPD-Mitglieder gegen den Verband, ein CDU-Mitglied enthielt sich. Morgen befasst sich der Hauptausschuss mit dem Thema, nächste Woche die Stadtvertretung.

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