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Wie die Preußen die Schlei überquerten

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Vor 150 Jahren wurden Arnis und Kappeln zu Schauplätzen der Geschichte, als 25 000 Soldaten im deutsch-dänischen Krieg nach Angeln übersetzten

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2014 | 12:23 Uhr

Der Versuch, das dänische Bollwerk Missunde im überraschenden Handstreich einzunehmen und dort schon vor dem Sturm auf das Danewerk über die Schlei zu setzen, endete für die Preußen mit einem verlustreichen Fiasko.

Für Preußens Oberkommandierenden, den Königsneffen Prinz Friedrich Karl, war danach klar: Der Übergang konnte nur weiter nach Osten hin erfolgen – an den beiden Flaschenhälsen der Schlei bei Arnis und Kappeln. Erneut setzte Prinz Friedrich Karl dabei auf die Überrumpelung des Feindes. So ließ der Prinz auch an den beiden Tagen nach dem verlorenen Gefecht von einigen seiner Batterien weiterhin Missunde beschießen und an den Abenden zahlreiche Lagerfeuer entzünden, um die Aufmerksamkeit des Feindes ganz auf diesen Ort lenken. Von den Dänen unbemerkt verlegte der preußische Oberkommandierende dann im Schutze von Nebel und dichtem Schneetreiben seine Haupttruppen in zwei Wäldchen gegenüber von Arnis und von Kappeln.

Für die geplante Schwimmbrücke bei Arnis hatten die Pioniere heimlich die erforderlichen Pontons per Pferdewagen bis nahe ans Ufer gebracht. Die zweite, praktisch gleichzeitige Querung, von Ellenberg nach Kappeln hinüber, sollte nur per Boot erfolgen. Dafür hatte man in Kiel und Eckernförde kurzerhand alle greifbaren Fischerkähne beschlagnahmt und ebenfalls per Pferdefuhrwerk schnell und heimlich an ihren Einsatzort verfrachtet.

Über das Verlegen der Truppe schrieb ein Teilnehmer: „Ein sehr anstrengender Marsch, fortwährendes, dichtes Schneetreiben, das nach zwei Stunden Alles durchnässte. Ein enger Weg, bergauf, bergab; rechts und links kaum Platz, um zu Pferd oder Fuß vorbeizukommen, an ein Ausweichen von Wagen gar nicht zu denken. Aber es ging ja vorwärts, und alle Beschwernisse wurden von den Soldaten mit dem fröhlichsten Muth ertragen. Am Wegrande lagerten die Leute oft auf den Tornistern im Schnee, und dennoch war Alles munter und lustig, da es gegen den Feind ging.“

An beiden geplanten Übergängen hatten die Preußen in der Dunkelheit nun auch ihre Artillerie in Stellung gebracht. In der Nacht zum 6. Februar warteten die preußischen Soldaten auf den Befehl zum Übergang im Morgengrauen. Um das Täuschungsmanöver nicht zu gefährden, durfte kein lautes Kommando gegeben werden. Trotz eisigster Kälte war jedes Lagerfeuer strengstens verboten. Selbst aus den zur Schlei hin zeigenden Fenstern des Gutshauses Carlsburg, in das Prinz Friedrich Karl sein Hauptquartier verlegt hatte, schimmerte kein einziges Licht. Um vier Uhr früh sollte das Übersetzen bei Kappeln beginnen. Doch schon eine Stunde zuvor loderten plötzlich entgegen dem strengen Verbot allerorten die Lagerfeuer. Was war geschehen ?

Schon am späten Abend war bei einer preußischen Einheit ein Prediger aus der Gegend erschienen. Dieser Prediger behauptete, dass die Dänen alle fort seien. Und tatsächlich: Ein in der Nacht ans andere Ufer geruderter Unteroffizier fand die Schanzen bei Dorfmark verlassen vor. Ebenso still und heimlich, wie die Preußen sich dem Südufer näherten, hatten sich die Dänen am Nordufer aus dem Staube gemacht.

Ohne, dass auch nur ein einziger Schuss fiel, überbrückten die Pioniere die bei Arnis knapp 250 Meter breite Schlei in nicht einmal zweieinhalb Stunden. Theodor Fontane beschrieb in seinem damaligen „Bestseller“ über den 1864er-Krieg die Brücke als „ein sauberes Stück Arbeit, dass das Auge mit Wohlgefallen darauf ruhte“. An diesem 7. Februar 1864 gingen bei Arnis fast 26 000 Preußen über die Schlei und weitere in Kappeln. Noch während sie es taten, traf aus dem Hauptquartier des alliierten Oberbefehlshabers Feldmarschall von Wrangel die sensationelle Nachricht ein, der Feind habe das Danewerk kampflos geräumt, und eine halbe Stunde nach Mitternacht sei der letzte Däne aus der Stadt Schleswig marschiert.

Übrigens, nach einer Zeitungsnotiz jener Tage sollen die Arnisser aus Freude über das Ende des Dänenjochs allen Speck am Orte aufgetrieben haben, um jeden passierenden preußischen Soldaten mit einem Viertel Pfund davon zu beglücken. Fragt sich angesichts der vielem Tausende nur, woher man wohl in allerkürzester Zeit tonnenweise Speck zur Verfügung hatte ?

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