Bürgermeisterwahl in Kappeln : "Wichtig ist es, miteinander zu reden"

Ulrich Schwarz glaubt an eine touristische Entwicklung des Kappelner Südhafens. Foto: Nordmann
Ulrich Schwarz glaubt an eine touristische Entwicklung des Kappelner Südhafens. Foto: Nordmann

Am 27. September wird in Kappeln ein neuer Bürgermeister gewählt. Ulrich Schwarz setzt auf seine Erfahrung.

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16. September 2009, 12:55 Uhr

Herr Schwarz, um die Bürgermeisterwahl zu gewinnen, müssen Sie Dinge besser machen als Ihre Mitbewerber. Welche sind das?
Ich habe aufgrund meiner Ausbildung und meiner langjährigen Erfahrung eine große Kompetenz in der Verwaltung und im Städtebau. Diese wird notwendig sein, um Kappeln in den nächsten Jahren bei den anstehenden Aufgaben als Bürgermeister dienen zu können. Und zwar gerade im Hinblick auf die Großprojekte, auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen. Um beides so gut wie möglich zu fördern, bedarf es dieser Kompetenz. Beispiel Tischlerei Mau: Die Firma wollte expandieren, und gemeinsam haben wir einen Weg gefunden, um das zu ermöglichen. Das war eine ganz unbürokratische Lösung. Kappeln braucht solche Entwicklungskerne, da sich um diese Kerne herum Arbeitsplätze bilden. So ziehen junge Familien hierher und sorgen für eine positive Bevölkerungsentwicklung. Mein Ziel ist es, Kappeln auf den Weg zu einer sich positiv entwickelnden Stadt zu führen und nicht zu einer schrumpfenden.
Sollten Sie tatsächlich gewinnen – was passiert mit Ihren kirchlichen Ehrenämtern?
Weil ich im Falle meines Wahlsieges nach Kappeln ziehen werde, habe ich mit meinem Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Süderbrarup-Loit gesprochen. Dann nämlich würde ich mein Amt als Kirchenvorstandsvorsitzender niederlegen. Aber ich werde weiterhin der Synode als Vorsitzender angehören. Dazu fühle ich mich der Kirche zu stark verbunden.
Sie kommen aus der Verwaltung vor Ort, sprechen selber von langjähriger Erfahrung. Das bringt sicherlich etliche Vorteile mit sich. Glauben Sie auch an Nachteile, wenn man aus der eigenen Verwaltung zum Bürgermeister aufsteigt, etwa in der Akzeptanz?
Ich habe in unserer Verwaltung nicht als Auszubildender angefangen, sondern 1994 als Bauamtsleiter, also gleich auf der Führungsebene. Akzeptanzprobleme sehe ich deshalb keine. Und es ist sehr wichtig, die Menschen zu kennen. Die Dringlichkeit der anstehenden Aufgaben erlaubt keine Einarbeitungszeit.
Welche konkreten Ziele können Sie nennen, die Sie als Bürgermeister gerne umsetzen würden?

Das Wichtigste: Ich möchte die großen Projekte genauso voranbringen wie die kleineren Unternehmen, möchte zur Problemlösung beitragen. Die Politik wird allerdings durch die Politiker gemacht. Außerdem prägt mich mein starkes ehrenamtliches Engagement in der Kirche – vor allem im Auftreten gegenüber anderen Menschen. Dort bin ich Überzeugungstäter. Deshalb möchte ich das Ehrenamt – dessen Arbeit ich wirklich zu schätzen weiß – gerne weiter stärken, um mehr Lebensqualität zu schaffen.
Was bedeutet Lebensqualität für Sie?
Lebensqualität bedeutet für mich, nach der Arbeit Sport machen zu können, durch einen Park spazieren zu können, mich fortbilden zu können. Diese Dinge gewährleisten die Ehrenamtler in unserer Stadt, in diesem Fall der Sportverein, der Kleingärtnerverein und die Volkshochschule. Hier gilt es, eine Vernetzung herbei zu führen, um bessere Synergien zu erreichen. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die älteren Mitbürger bei uns in der Stadt. Ich bin schon lange Jahre engagiert im Bereich der Barrierefreiheit, das halte ich auch weiterhin für ein Kernthema.
Inwiefern?
Wir sind noch lange nicht barrierefrei in Kappeln. Es müssen viele Gespräche geführt werden mit Eigentümern von Privathäusern und Ladenbesitzern. Zwar haben wir keinen direkten Einfluss, aber wir können versuchen, dahingehend zu wirken, dass etwa Geschäftsinhaber ihre Läden barrierefrei gestalten. Der Anfang ist ja schon im oberen Bereich der Schmiedestraße gemacht. Wenn ich unsere Wohnbaugebiete, also unsere Neubaugebiete sehe, dann leben dort etwa 50 Prozent der Menschen, die ihre Altersruhe in Kappeln verbringen, sie sind deshalb hierher gezogen. Diesem Trend müssen wir einfach Rechnung tragen. Neben den Senioren blicke ich aber auch auf die jungen Leute. Wenn ein Jugendlicher erst einmal ein Fall fürs Jugendamt geworden ist, dann ist es im Prinzip schon zu spät. Wir müssen versuchen, vorher tätig zu werden. Und dies kann nur dadurch gewährleistet werden, dass sich alle agierenden Personen miteinander vernetzen. Damit meine ich Lehrer, Kindergärtner, Vertreter von Sportvereinen, Jugendarbeit. Nur so können wir frühzeitig Signale empfangen und dem Ganzen entgegenwirken. Dieses ist dann wirkliche Präventionsarbeit.
Welche Vorschläge haben Sie noch zur Jugendarbeit?

Auch die Freizeitangebote können besser vernetzt werden, um die Jugendlichen besser und direkter anzusprechen. Beispielsweise kann auch die Volkshochschule einbezogen werden, um vielleicht einfach etwas Neues auszuprobieren. Außerdem haben wir unsere städtische Jugendarbeit, die auch mit eingebunden werden muss. Daraus ergibt sich ein großes Angebot für junge Leute, sich zu engagieren. Dieses muss man in Bezug sehen zu vielen parallelen Angeboten, etwa Jugendfeuerwehr oder eben Sportvereine. Damit sind wir wieder bei der Vernetzung.
Welche Rolle spielt der Notarztstandort Kappeln?

Eine sehr wichtige und positive. Das bringt uns einen weiteren Standortvorteil ein und sorgt für eine verlässliche medizinische Notfallversorgung unserer Bürger und Touristen. Wir dürfen nicht vergessen: In der Saison verdoppelt sich unsere Einwohnerzahl durch unsere Besucher.
Wie wollen Sie die dramatische Haushaltslage der Stadt verbessern?

Ich werde mir jede Kostenposition und die damit verbundenen Ausgaben genau ansehen. Hauptsächlich jedoch muss die Einnahmesituation verbessert werden. Das heißt allerdings nicht, die Steuern zu erhöhen, sondern dafür zu sorgen, dass schlicht mehr Steuergelder fließen. Und zwar dadurch, dass beispielsweise die Unternehmen besser aufgestellt sind und sie höhere Einnahmen erzielen. Und natürlich spielt auch da wieder die Verwirklichung der Großprojekte eine entscheidende Rolle.
Wie können Bürger mit Migrationshintergrund trotz knapper Kassen besser integriert werden?

Gemeinsam mit der städtischen Jugendarbeit, den Vereinen, den Schulen und der Kirche können Angebote entwickelt werden, die diese Bürger ansprechen. Ganz wichtig ist es, miteinander zu reden. Nur so können die Wünsche und Probleme erfasst werden und wir richtig darauf reagieren. Abgesehen davon gibt es schon sehr gute Ansätze, gerade in Ellenberg, über verschiedene Projekte. Ich habe damals das Projekt "Soziale Stadt" maßgeblich mit begleitet. Wir haben uns bemüht, den Stadtteil gut darzustellen. Ellenberg ist in den siebziger Jahren entstanden, danach ist dort einfach wenig geschehen. Man hat sich auf die Sanierung der Altstadt konzentriert. Das Projekt "Soziale Stadt" war dazu da, diese Vernachlässigung aufzufangen. Damit haben wir viele bauliche, aber auch soziale Bereiche angefasst. Über das "Lokale Kapital für soziale Zwecke" gibt es sehr viele gelungene Beispiele der Integration – das muss weiter ausgebaut werden.
Zuletzt war Kappeln Treffpunkt rechtsradikaler Gruppierungen. Wie wollen Sie diesem Phänomen begegnen?

Diesen Gruppen können wir uns nur aktiv entgegen stellen. Außerdem müssen wir die Jugendlichen in einer ausgebauten Jugendarbeit gegen diese Ideen schützen. Hier gilt es, ganz verstärkt zu arbeiten. Aufklärung auf der einen Seite, genauso wie aktive Arbeit gegen dieses Gedankengut.
Kann das die Stadt leisten?

Das bringt uns wieder zur Vernetzung. Das kann die Stadt alleine nicht leisten, das müssen wir alle zusammen tun – Vereine, Schulen, Kirchen.
Kappeln lebt vom Tourismus. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz im Land. Was kann die Stadt tun, um weiterhin attraktiv zu bleiben?

Zu den wichtigsten Voraussetzungen gehören eine attraktive Innenstadt, attraktive Fortsetzung von Seite 13Unterkünfte und ein attraktiver Strandbereich. Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich die Herausstellung der Alleinstellungsmerkmale Kappelns, wie zum Beispiel der Hafen, der Landarzt und unsere Innenstadt. Außerdem dürfen die Vermieter bei den jetzt anstehenden Prozessen nicht allein gelassen werden. Gemeinsam mit der Politik müssen ihre Stärken herausgearbeitet und bewahrt werden.
Könnte der Südhafen, beispielsweise mit einem, wie jüngst im Wirtschaftsausschuss vorgestellten Yacht-Charterzentrum, zu einem lebendigen Tourismus beitragen?

Grundsätzlich finde ich die Idee eines Charter-Stützpunktes bei uns sehr gut. Es würde einen neuen Kundenkreis nach Kappeln bringen. Allerdings sind hier noch politische Beratungen notwendig. Ein Bürgermeister alleine kann das nicht entscheiden. Dennoch: Die Idee eines Charterzentrums, die Entwicklung in Ellenberg und Port Olpenitz würden sich gut ergänzen. Mit Blick in die Vergangenheit wird deutlich: Am Hafen haben sich zwei maritime Gewerbebereiche herausgebildet: im Süden um den Bereich Mittelmann/Findersen, im Norden um den Bereich Ancker. Dort ist wirklich etwas passiert. Stadt und insbesondere Bauamt haben die Entwicklung unterstützt, indem sie die Voraussetzungen über die Bauleitplanung geschaffen haben. Auch diese Bereiche ergänzen sich und haben dazu geführt, dass Kappeln an Wirtschaftskraft gewonnen hat. Genauso ist das auch mit Blick auf die anderen Projekte. Sowohl Ellenberg als auch Olpenitz müssen entwickelt werden, um Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft zu generieren.
Noch einmal zum Südhafen – wohin geht die Richtung? Wollen Sie sich festlegen?

Es wird sicherlich in eine touristische Richtung laufen – zumal die Entwicklung schon in Teilen vorgezeichnet ist. Etwa der Museumshafen – eine ganz klare touristische Attraktion. Dann der ASC mit seinem sportlichen Angebot. Und weiter der Servicebereich bei Mittelmann/Findersen.
Einer Ihrer wichtigen inhaltlichen Punkte ist die Unterstützung der heimischen Wirtschaft.

Ja, man muss hier auf die Erfordernisse der Wirtschaft eingehen. Sei es etwa, dass man Unternehmen, die sich in Kappeln ansiedeln wollen, bei der Antragsstellung behilflich ist. Fakt ist: Die Stadt gibt keine Zuschüsse, kann aber Unterstützung liefern. Dazu gehört auch, dass ich Gespräche mit der regionalen Wirtschaftsförderung vermittele, um vielleicht eine Förderung zu ermöglichen. Die Stadt kann auch im Baurecht hilfreich sein. Sicherlich ist der Bereich der städtischen Unterstützung eingegrenzt. Aber diese Grenzen gilt es, soweit auszunutzen, dass man nicht nur zum Empfänger irgendwelcher Anträge wird, sondern dass man die Unternehmen so aktiv wie möglich unterstützt. Wir müssen die bürokratischen Steine bei einer Gewerbeansiedlung aus dem Weg räumen.
Stichwort Port Olpenitz. Auch das Feriendorf soll die Wirtschaft ankurbeln, allein 1000 Arbeitsplätze sind prognostiziert. Jetzt hat der Kieler Wirtschaftsminister Fördergelder zugesagt. Dennoch: Birgt das Projekt auch Risiken?

Alles hat seine Licht- und Schattenseiten. Bis zum Schleswiger Urteil hatten wir eine rein privat finanzierte Maßnahme. Nun werden öffentliche Mittel mit hineingenommen – das verkompliziert die Entscheidungswege. Sicherlich werden wir ein erhöhtes Verkehrsaufkommen haben. Darum müssen wir diesen Punkt weiter gutachterlich begleiten, um rechtzeitig gegensteuern zu können. Das gilt auch für das Thema Parkplätze. Das sind Punkte, die geklärt werden müssen.
Wie wollen Sie kleineren Vermietern die Angst nehmen, dass die großeUnbekannte Port Olpenitz sämtliche Urlauber abfischt?

Ich glaube nicht, dass das der Fall sein wird. Die Menschen, die ihren Urlaub bisher in Kappeln verbracht haben, werden dies auch weiterhin tun. Das sind Menschen, die Wert auf einen individuellen Urlaub legen, sie kommen aus einem ganz anderen Kundenkreis. Port Olpenitz wird ein neues Gästepotenzial generieren, dass sich hervorragend mit der maritimen Situation unserer Stadt ergänzt.
Sie sind Kandidat der CDU und des SSW. Als Bürgermeister ist aber eine gewisse Überparteilichkeit gefragt.
Das ist tatsächlich ein Punkt, der mir sehr am Herzen liegt. Ich möchte alle Fraktionen unbedingt in die Entscheidungsfindung einbeziehen. Das bedeutet, dass ich neben der Vorlage auch das gesamte Zustandekommen der Entscheidungsempfehlung der Verwaltung transparent gestalten möchte. Es ist mir wichtig, dass man im Anschluss auch offen darüber spricht. Da werde ich keinen Unterschied zwischen CDU, SSW oder den Grünen machen.
Ihr Tipp zum Wahlausgang?

Bisher habe ich mich noch nicht auf eine Stichwahl eingestellt. Ich rechne mit einem eindeutigen Ergebnis am 27. September und gehe davon aus, dass ich am 4. Januar meine Umzugskartons im Rathaus packe und im Bürgermeisterbüro wieder auspacken kann (lacht) und mit meiner Familie nach Kappeln ziehe.

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