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Hans-Christian-Andersen-Schule Kappeln : Wer möchte ins Förderzentrum ziehen?

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Politik gibt die frühere Hans-Christian-Andersen-Schule für mehrere Nutzungen frei. Vereine und Verbände sollen ihren Bedarf melden.

shz.de von
erstellt am 04.Jun.2016 | 08:00 Uhr

Die Idee, die frühere Hans-Christian-Andersen-Schule in der Hindenburgstraße zu einem reinen Flüchtlingsquartier umzubauen, ist zunächst vom Tisch. Erst im März hatte der Eckernförder Architekt Matthias Wohlenberg zwei mögliche Planungen für die ehemalige Förderschule vorgestellt, schon damals allerdings hatte sich der Bauausschuss dazu entschlossen, das Thema zur tatsächlichen Bedarfsermittlung zunächst in den Sozialausschuss zu übergeben. Dort einigte man sich nun darauf, das Gebäude für mehrere Nutzungen freizugeben und bei ehrenamtlichen Vereinen und Verbänden abzuklopfen, wie groß der jeweilige Raumbedarf ist und – kein ganz unwesentlicher Aspekt – wie viel jeder in der Lage ist, an Miete aufzubringen. Ungeachtet dessen soll ein Teil der Schule nach wie vor potenziellen Flüchtlingen vorbehalten bleiben.

Hintergrund dieses Umdenkens sind gleich zwei Situationen: So hat zum einen die Zahl der Flüchtlinge spürbar abgenommen. Helga Lorenzen vom Ordnungsamt sprach beispielsweise von „fast keinen“ Geflüchteten im Januar und Februar, betonte aber gleichzeitig, dass es völlig unklar sei, ob diese Tendenz bestehen bleibe. Zum anderen sieht die Stadt darin die Chance, der offenbar hohen Nachfrage von Vereinen nach verfügbaren Räumen gerecht zu werden. So hat die Verwaltung bereits eine Liste mit möglichen Interessenten erarbeitet, die jedoch weder vollständig noch geschlossen ist. Fix sind nach Angaben von Bürgermeister Heiko Traulsen lediglich zwei Bausteine auf den rund 1350 Quadratmetern: Büro und Versammlungsraum für die Flüchtlings-Koordinierungsstelle der Stadt sowie ein Büro für die Migrationsberatung und Sprachschulungsräume für das Wirtschaftszentrum Handwerk Plus.

Corinna Graunke (CDU) erkannte in der veränderten Ausgangslage eine Gelegenheit, als sie sagte: „Wir haben jetzt die Möglichkeit, genau nach dem jeweiligen Bedarf zu gucken. Und man kann eine Menge mit dieser Schule machen.“ Marta Kraft (CDU) warnte indes davor, die Flüchtlinge völlig aus den Augen zu verlieren. „Wenn es wieder so brennt, sollten wir vorbereitet sein“, sagte sie und fand einen Unterstützer in Norbert Dick. „Wir sollten die Flächen nicht komplett anders verplanen“, sagte der Grünen-Politiker. An dieser Stelle hakte Matthias Mau ein und schlug ein Raumnutzungskonzept vor. „Von jedem, der rein möchte, brauchen wir Angaben über Art und Umfang der Nutzung“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende. Auf dieser Grundlage könne man weiter planen. Zudem müssten die von der Verwaltung kalkulierten 84.000 Euro für Personal- und Betriebskosten umgelegt werden. Und: „Selbstverständlich müssen wir auch Raum lassen für mögliche weitere Flüchtlinge“, sagte Mau.

Der Bürgermeister verdeutlichte derweil, dass die Stadt zum aktuellen Zeitpunkt noch über mindestens drei freie Wohnungen für Flüchtlinge verfüge. Parallel dazu könne die frühere Hausmeisterwohnung im ersten Stock der Schule genutzt werden. Die Zeit, die Matthias Mau sich für einen „vernünftigen Bewerbungsprozess“ von interessierten Ehrenamtlern wünschte, stehe also zur Verfügung. Daher machte sich auch Rainer Moll (SPD) dafür stark, „jetzt erstmal im Sinne der Stadtentwicklung“ tätig zu werden. Von einer weiteren Architektenplanung im Hinblick auf das Förderzentrum sah der Ausschuss damit zumindest zu diesem Zeitpunkt ab. Wichtig war Verwaltung und Politik zudem, dass die Nutzer, die derzeit in die freien Räume der Schule eingezogen sind, dort auch bis auf Weiteres genau so bleiben können.

Einstimmig votierte der Sozialausschuss schließlich dafür, die Verwaltung zu beauftragen, einen Fragebogen zu entwerfen, mit dessen Hilfe bis September dieses Jahres Zeit und Art der Nutzung potenzieller Interessenten ermittelt werden sollen. Dazu sollen alle sozialen und kulturellen Vereine, Verbände und Institutionen der Stadt angeschrieben werden. Hinweise zur Nutzungsgebühr sind im Fragebogen enthalten.

Auch der Hauptausschuss befasste sich kurz danach mit diesem Thema und schloss sich nach kurzer Diskussion dem Beschluss an. Inzwischen teilt die Stadtverwaltung mit, dass für mögliche Interessensbekundungen an der Nutzung der ehemaligen Hans-Christian-Andersen-Schule ab 1. Juli ein Antrag beziehungsweise Fragebogen unter www.kappeln.de bereitgestellt wird.

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