Wenn die Klarinette jauchzt und weint

Zwei Virtuosen begeisterten ihr Publikum: Matthias Eisenberg (links) und Giora Feidman. Foto: Hansen
Zwei Virtuosen begeisterten ihr Publikum: Matthias Eisenberg (links) und Giora Feidman. Foto: Hansen

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04. August 2009, 10:00 Uhr

Kappeln | Ein außergewöhnliches Konzert erlebten 350 Besucher in Kappelns St.-Nikolai-Kirche: Giora Feidman, der wohl derzeit berühmteste Klezmer-Klarinettist, und Organist Professor Matthias Eisenberg verzauberten das Publikum von Beginn an.

Mit ganz leisen Tönen zieht Feidman in den stillen Kirchenraum ein und die Menschen in seinen Bann. Manch einer mag sich fragen: Kann man auf einem Blasinstrument so leise Töne spielen? Feidman kann und vermittelt sofort eine besondere Stimmung. Dann ermuntert er das Publikum, wenige Töne mitzusingen. Eisenberg fängt an der Orgel den Schlusston auf und übernimmt mit einem Stück von Schumann die Führung. Das Spektrum des Programms, welches die beiden Künstler an diesem Abend vorstellen, reicht von Barock bis zeitgenössisch. Mal pianissimo, mal crescendo. Ob Bach, Albioni, Spirituals und natürlich Klezmer - es ist alles dabei. Feidman lässt die Klarinetten singen, jauchzen, weinen, schreien, holt aus sich und seinen Instrumenten alles heraus. "Ich spiele Klarinette, um meine Gefühle mit den Menschen zu teilen", sagt er. Eisenberg ist ein sensibler, gleichwertiger Begleiter, der auf der Orgel zu zaubern scheint. Der Eindruck entsteht, dass beide Künstler sich die Töne auf ihren Instrumenten zuspielen. Sie bilden eine harmonische Einheit in ihrer fantasievollen Darbietung, ohne ihre Virtuosität zu verlieren. Mal überragt Feidman mit geheimnisvollem Spiel, mal zeigt Eisenberg sein Können bei einer Bachschen Fantasie oder einer furiosen Toccata von Widor.

Ohne Zugabe entlässt das Publikum die beiden nicht. Klarinette und Orgel bieten einen Zusammenschnitt aus drei Hymnen: Deutschland, Israel und Palästina. Mit dem Lied "Shalom" zieht Feidman aus der Kirche aus. Beide Künstler wollen mit ihrer Musik eine gemeinsame "Sprache" vermitteln. Etwas, das ihnen an diesem Abend beeindruckend gelang.

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