Kappeln : Wenn das Ende wieder zum Anfang wird

Volles Haus bei der Vereinsversammlung. Eine Abstimmung kam dennoch nicht zustande.
Volles Haus bei der Vereinsversammlung. Eine Abstimmung kam dennoch nicht zustande.

Jahresversammlung des Touristikvereins verhedderte sich in teils emotionsgeladener Diskussion um die Kooperation mit der Ostseefjord-Schlei-GmbH

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01. April 2011, 09:06 Uhr

Kappeln | Eins vorweg: Die Quintessenz der dreieinhalbstündigen Jahresversammlung des Kappelner Touristikvereins (TV) war - gemessen an der teils langwierigen, vereinzelt auch durchaus angriffslustig geführten Diskussion - ziemlich deutlich. Das Ziel bleibt die Zusammenarbeit mit der Ostseefjord-Schlei-GmbH (OFS) und die Herausgabe eines gemeinsamen Gastgeberverzeichnisses. Allein wie die Kooperation geregelt sein soll - ob mit einem festen Vertragswerk oder einem einigermaßen lose formulierten Protokoll -, war eben auch nach dreieinhalb Stunden genauso offen wie zu Beginn der Versammlung.

Der Reihe nach: Bürgervorsteher und Bürgermeister formulierten zunächst Worte der Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber dem TV. Jürgen Seemann nannte den Verein "mit den wichtigsten in der Stadt - daran ändert sich auch nichts, wenn die Zuständigkeiten wechseln". Heiko Traulsen lobte die Vereinsarbeit der vergangenen 40 Jahre, die dafür gesorgt habe, Kappeln weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen. Mit der Gegenwart verband der Bürgermeister jedoch eine veränderte Konkurrenzsituation, "die uns mächtig in Bedrängnis bringt". Eine Lösung habe sich das Land mit der Lokalen Tourismusorganisation (LTO) ausgedacht, die strategische Kräfte vor Ort bündeln solle. In Kappelns Falle heiße diese LTO nun OFS. Traulsen: "Touristikverein und OFS bedingen einander. Sie sollten zum Wohle dieser Stadt miteinander arbeiten." Für die lokale Wirtschaft knüpfte Helga Thurau an diesen Punkt an. "Auch bei uns haben zwei Vereine zueinander gefunden", sagte die zweite Vorsitzende des Wirtschaftskreises "Pro Kappeln". "Mit etwas gutem Willen klappt das auch bei Ihnen." Und an den Verein gerichtet: "Lassen Sie die OFS beweisen, was sie kann." Thurau las im Anschluss Worte des abwesenden Stefan Lenz vor, der als Wirtschaftskreis-Vorsitzender das Vermittlungsgespräch zwischen TV und OFS geleitet hatte. Darin war von einer "uneingeschränkten Verbindlichkeit am Ende des Gesprächs" die Rede, genauso von Einverständnis darüber, "dass die vereinbarten Sachverhalte und Bestimmungen unabhängig von den vorherigen Absprachen gelten". Thurau schloss mit einem eigenen Appell: "Machen Sie Nägel mit Köpfen."

Mit der Absicht, genau das an diesem Abend mittels einer Mitgliederabstimmung auch noch herbeizuführen, richtete sich der Vereinsvorsitzende Ingwer Hansen an die Versammlung. Rückblickend sprach Hansen zunächst von "weitreichenden Entscheidungen der Politik", dazu zählte er die Vermarktung des Tourismus durch die OFS, die Privatisierung der Mühle, die Genehmigung des Tourismuskonzeptes sowie die Abgabe des Marketingbudgets an die OFS. "Die Schaltzentrale für den Kappelner Tourismus liegt nun in Schleswig", sagte Hansen. Und: "Ich bin überzeugt davon, dass das kein Nachteil sein muss." Ebensowenig lehne er die Privatisierung der Mühle ab - weshalb die Vereinsmitglieder bei alledem eine andere Wahrnehmung haben, könne er nicht beantworten. Auch die Idee der LTO finde seine Unterstützung: Die Vermarktung der Region in eine Hand zu geben, sei der richtige Schritt. Hansen: "Die Entscheidungen der Stadtvertreter werden einvernehmlich vom Vorstand akzeptiert."

Auf die deutliche Vorrede folgte das "Aber", denn, so Hansen, "eine echte Beteiligung des Touristikvereins hat nicht stattgefunden". Vielmehr habe es die Stadt versäumt, im Vorfeld genaue Bedingungen zur Quartiersvermittlung festzulegen - "ein Versäumnis, das wir versucht haben auszubügeln". Hansen nannte es einen Fehler, Quartiere nur auf dem Online-Wege buchen zu können. "Weder alle Vermieter noch alle Gäste sind bereit dazu. Das muss man anerkennen", forderte der Vereinsvorsitzende. Online sei lediglich ein Weg von vielen. Und Hansen blieb bei dem, was er bereits im Wirtschaft- und Touristik-Ausschuss erklärt hatte: "Der Kooperationsvertrag ist wichtig für uns, weil er das Risiko für den Verein abfedert. Ohne den Vertrag wird es keine Zusammenarbeit geben."

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