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Stellenabbau an Schulen : Weniger Lehrer? – Schulen protestieren

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

In Kappeln formiert sich der Widerstand gegen die geplanten Stellenkürzungen bei den Lehrern. In der Mensa der Gemeinschaftsschule schwor man sich nun auf Protest ein.

Nun hält auch Kappeln nicht mehr still. Nachdem bereits in mehreren Orten im Kreis Schleswig-Flensburg Eltern und Kinder ihren Unmut über den anstehenden Stellenabbau bei Lehrern laut formuliert hatten, formiert sich jetzt auch in der kleinen Schleistadt ein gar nicht so kleiner Widerstand gegen die Pläne der Landesregierung. Hintergrund ist die Schuldenbremse, die sich das Land selbst auferlegt hat und die bis zum Jahresende durch unter anderem mehr als 600 Stellenstreichungen umgesetzt werden soll. Vor allem Schulen sind demnach auserkoren, auf Personal zu verzichten, der Elternbeirat der Kappelner Gemeinschaftsschule spricht von landesweit 365 Stellen, verteilt auf alle Schulformen. In der Mensa der Gemeinschaftsschule schwor der Elternbeirat jetzt rund 60 Anwesende auf den gemeinsamen Protest ein.

Schon gleich an der Kreuzung zur Hindenburgstraße ließen die Schüler keinen Zweifel daran, worum es an diesem Abend gehen würde – nämlich um sie selbst und ihre akademische Zukunft. Mit selbst gebastelten Plakaten begrüßten sie die Besucher. „Danke, dass wir euch egal sind“ oder „Wer heute spart, zahlt morgen drauf“ stand darauf geschrieben. „Wir haben jetzt schon so viel Stundenausfall“, sagte etwa die 14-jährige Marie. „Wenn das jetzt noch mehr wird, geht uns definitiv Wissen verloren.“ Was sie sich daher wünschen, brachten die Schüler in der Mensa musikalisch zum Ausdruck. Sie sangen „Irgendwas bleibt“ von Silbermond, ein Lied, das sie offenbar bewusst ausgewählt hatten und in dem von Sicherheit und Halt die Rede ist – Attribute, die ihnen derzeit, so scheint es, fehlen.

Kreiselternbeirat Uwe Schröder berichtete danach von einer kreisweit vorherrschenden Empörung angesichts der geplanten Personalkürzungen. So trafen sich beispielsweise zeitgleich zur Kappelner Veranstaltung Hunderte Protestteilnehmer in Böklund, um ihrer Forderung nach mehr Unterrichtsqualität und besserer Lehrerversorgung Nachdruck zu verleihen (wir berichteten). Schröders Rechnung: Schon seit 2007 sei die Zahl der Lehrerstunden pro Schüler von 1,44 auf 1,24 gesunken. „Effektiv fehlen damit unendlich viele Stunden“, sagte Schröder. Schon lange betreibe man daher Mangelwirtschaft – „und jetzt ist eben der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr geht“. Daher habe der Kreiselternbeirat zwei Forderungen an die Landesregierung gestellt: Bis zum Jahresende soll am Ist-Zustand nicht gerüttelt werden. Und der geplante Stellenabbau soll für 2015 ausgesetzt werden. Gewährleisten soll das, so nannte es Schröder, eine Zwischenfinanzierung. Diese Zeit wolle man nutzen, um herauszufinden, wie sich der demografische Wandel tatsächlich auswirke.

Und dann griff Schröder nach einem anschaulichen Beispiel: Bei 1,24 Lehrerstunden und 25 Schülern stehen 31 Wochenstunden zur Verfügung. Abzüglich der erforderlichen Stunden zur sogenannten Binnendifferenzierung, die eine Gemeinschaftsschule gewährleisten muss, bleiben 25 Stunden. Schröder: „Das bedeutet: Unterricht von 8 bis 12 Uhr, danach ist Schulschluss. Wer jetzt eingeschult wird, hat bis zu seinem Abschluss ein halbes bis dreiviertel Jahr weniger Unterricht als heute.“

Eine Mutter aus dem Publikum berichtete von gänzlich anderen Umständen in ihrer Heimat Bayern. „Allein wegen des Schulsystems bereue ich es, hier hoch gezogen zu sein“, sagte sie. In Bayern kämen die Schüler im Vergleich zu Schleswig-Holstein auf 16 Wochenstunden mehr. Dass ihrem Kind diese Stunden in Schleswig-Holstein fehlen, nannte sie „eine Unverschämtheit“.

Auch den Nahbereichschulverband lassen die Zukunftsaussichten nicht ungerührt. Stellvertretend für den Verband betonte Helmut Andresen, dass das Gremium genauso wie die Bürgermeister der Region hinter dem elterlichen Protest stünden. „Ich appelliere an Sie: Machen Sie weiter“, sagte Andresen. „Wir helfen, wo wir können.“ Und die anwesende bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion Heike Franzen erinnerte zwar an die Schuldenbremse der Landesregierung, räumte aber ein: „Auch ein Landeshaushalt hat Spielräume.“

Und eben diese wollen die Eltern im positiven Sinne ausgenutzt wissen. Anke Lindemann-Katsioulis vom Elternbeirat der Gemeinschaftsschule machte daher deutlich: „Wir wollen diese Entscheidungen nicht einfach hinnehmen. Und deshalb wollen wir ein Zeichen setzen.“ Eben das soll am 4. Juni geschehen. Im Idealfall zieht dann ein langer Demonstrationszug vom Parkplatz der Klaus-Harms-Schule über die Bundesstraße bis zum Hafenvorfeld, wo eine große Abschlusskundgebung geplant ist. Dann wollen die Schüler auch noch einmal ihr Lied singen. „Irgendwas bleibt“. Vielleicht am Ende ja tatsächlich auch ihre Lehrer.

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erstellt am 26.Mai.2014 | 18:30 Uhr

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