zur Navigation springen

Heimathafen Flensburg : Weltumsegler erreichen Förde

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Nach 14 Jahren auf den Weltmeeren hat sich eine vierköpfige Familie Flensburg als Heimathafen ausgeguckt.

shz.de von
erstellt am 23.Aug.2014 | 16:45 Uhr

Nach 14-jähriger Segelreise wollen sich Nathalie Müller und Michael Wnuk in Deutschland niederlassen und haben sich dafür Flensburg ausgesucht. Ab Montag besuchen die Töchter der beiden dort die Waldschule. Das sei eine Schule mit vielen Nationen, erklärt Müller ihren Mädchen, „das passt“.

Lena Wnuk ist sieben Jahre alt und in Südafrika geboren, Maya Wnuk ist neun und kam in Malaysia zur Welt. Die Mädchen haben „immer mal reingeschaut in Schulen“, berichtet Nathalie Müller, auf Kuba etwa und Grenada. Ansonsten habe sie die beiden nach deutschem Lehrplan an Bord unterrichtet – in Mathe, Deutsch und anderen Fächern. „Ich habe mit befreundeten Grundschullehrerinnen geredet und hospitiert“, sagt die 41-Jährige, die in Düsseldorf Medizin studiert hat. Englisch und Spanisch haben Lena und Maya unterwegs mitbekommen.

Ursprünglich haben Nathalie Müller und Michael Wnuk, als sie sich kennen lernten, ein gemeinsames Hobby gesucht, erzählt die Düsseldorferin. Auf den Seen um ihre Heimatstadt haben sie das Segeln begonnen und Segel-Literatur gelesen. „Michael hatte 17 Jahre lang seine Werbe-Agentur“, sagt seine Lebensgefährtin. Nun sei die Zeit für etwas Neues gewesen. „Wir wollten einmal rund um die Welt, sind aber überall zu lange geblieben“, erinnert sich Müller. Sechs Jahre wurden daraus. „Die Welt ist zu schön“, soufflieren die Gäste an Bord. Die neuen Nachbarn im Gastseglerhafen empfingen die Neu-Flensburger gestern anlässlich der Ankunft der „Marlin“.

Bis auch die jüngere der Töchter alt genug war fürs Segeln um die Welt, haben Nathalie Müller und Michael Wnuk nach der ersten Etappe eine Pause in Deutschland eingelegt. Im September 2011 nahmen sie Fahrt zu ihrer aktuellen Reise auf, die in Buenos Aires begann – damals noch mit der „Iron Lady“.

Mit ihr segelte die vierköpfige Familie nach Patagonien – „super schön“ – und umrundete Kap Hoorn – „am aufregendsten“. Zur Umrundung taten sich die Deutschen mit einem anderen Schiff zusammen, mit dem sie parallel segelten und das doch in den Tälern von fünf, sechs Meter hohen Wellen immer wieder aus der Sicht verschwand. Am Abend wurde doppelt gefeiert, denn da bemerkte das Paar erst, dass auch „Beziehungsjahrestag“ war.

Die Vier steuerten schließlich das chilenische Puerto Montt an, wo sie die Iron Lady verkauften. In Suriname entdeckten sie die Nachfolgerinund tauften das Schiff auf den Namen „Marlin“. Die Yacht musste allerdings erst wieder flott gemacht werden.

Danach segelte die Familie ein Jahr lang durch die Karibik, bevor sie die Heimreise antrat. Das Boot mit seinen 60 Fuß und dem Großsegel mit 100 Quadratmetern Segelfläche beschreibt Michael Wnuk als „sicher und unempfindlich gegenüber Wind“. Generator und „Wassermacher“, der Salz und Schadstoffe aus Meereswasser durch eine Membran presst und Trinkwasser gewinnt, machen es autark. Und die Crew – mit einer Ärztin und einem Techniker. Der 50-Jährige aus Moers kennt sich bestens mit Schiffselektronik aus.

Ende Mai starteten die Wahl-Flensburger von Jamaika aus die Atlantik-Überquerung – und flogen zeitweilig mit ihrer Yacht über das Wasser. Auf der „Heimfahrt“ über den Atlantik legten sie binnen 24 Stunden 201 Seemeilen zurück. In ihrem Blog, dem wahren Logbuch, schrieben sie: „Wir müssen nicht über den Atlantik rasen, aber einmal in drei Wochen zu fliegen statt zu segeln ist unbeschreiblich.“

Geschichten haben sie reichlich zu erzählen, so viele, dass demnächst auf ihr erstes Buch – „Meer als ein Traum“ – ein zweites folgt. Die „Marlin“ ist für Nathalie Müller, Lena, Maya und Michael Wnuk längst ihr Zuhause geworden und bleibt es auch, solange bis Müller wieder als Ärztin arbeitet und sich die Familie eine Wohnung mietet. Noch ein Grund, dass die Wahl auf Flensburg fiel, sei die Marina. Deren Sanitäreinrichtungen sind auch im Winter geöffnet.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert