„Capitol-Lichtspiele“ : Weltpremiere bringt Kappeln nach vorn

Über den zweiten Platz freuen sich Carmen Schrief und Michael Wittkowski genauso wie über den ersten Platz im Vorjahr.
Über den zweiten Platz freuen sich Carmen Schrief und Michael Wittkowski genauso wie über den ersten Platz im Vorjahr.

Beim Kinopreis Schleswig-Holstein punkten die „Capitol-Lichtspiele“ mit der Präsentation eines Amateurfilms und belegen erneut einen Spitzenplatz.

shz.de von
03. Juli 2015, 07:45 Uhr

Dass sie bis spät in die Nacht gefeiert haben, ist ihnen nicht anzusehen. Vielleicht ist das das deutlichste Zeichen dafür, dass Carmen Schrief und Michael Wittkowski ganz tief im Innern brennen für das, was sie tun: Nichts kann sie bremsen – auch nicht eine Nacht, die so kurz war, wie lange keine mehr. Zum sechsten Mal sind die beiden Kappelner in dieser Woche mit dem Kinopreis Schleswig-Holstein nach Hause zurück gekehrt. In Meldorf durften sie die Auszeichnung für den zweiten Platz für ihre „Capitol-Lichtspiele“ in Empfang nehmen und mussten sich nur ihren Kollegen des Husumer Kino-Centers geschlagen geben.

25 Kinos hatten sich für den Preis des Kinojahres 2014 beworben, 19 von ihnen bedachte das Land mit einem Preisgeld von insgesamt 27.500 Euro. Dahinter steht der Wille des Ministeriums für Justiz, Kultur und Europa ein „kulturell anspruchsvolles Kinoprogramm“ mit „vielfältigen Angeboten“ auszuzeichnen. 2000 Euro gingen ans Kappelner „Capitol“, das mit ganz besonderen Veranstaltungen punkten konnte. Carmen Schrief erinnert sich: „Unser Zugpferd waren die Mohrkircher Filmfreunde.“ Im vergangenen Mai hatte die Amateurfilmgruppe um den Mohrkircher Wolfgang Philipp ihr Erstlingswerk „Geschenkt“ auf der großen Leinwand präsentieren dürfen – ein Bonbon für die Filmfreunde, mit dem sie nie gerechnet hatten. Für das Duo Schrief/Wittkowski war es gleichzeitig die Chance zu zeigen, dass es in einer durchaus filmaffinen und -aktiven Region verwurzelt ist. Carmen Schrief: „Warum soll es nicht auch mal eine Weltpremiere in Kappeln geben?“ Weitere Faktoren wie Kooperationen mit der Arbeiterwohlfahrt oder dem Folkclub Ostangeln sind fast schon Selbstgänger, genauso wie das Ferienkino für Kinder. Das Naturfilmfestival „Green Screen“ ist seit einigen Jahren fest im Kino-Kalender eingeplant, gleiches gilt für die Schulkinowoche. Michael Wittkowski sagt: „Das ist schon Pflicht.“ Auf diese Weise haben die beiden Kinobetreiber zudem den Kontakt zu Schulen intensiviert und reagieren auf individuelle Bitten. „Eine Lehrerin hat uns gefragt, ob wir nicht mal für ihre Schüler einen Film in der Originalfassung auf Englisch zeigen können“, sagt Wittkowski. Natürlich konnten sie.

Trotz ihres Abos auf die vorderen Kinopreis-Plätze sind die Kappelner derweil immer noch genauso nervös wie bei ihrer ersten Preisverleihung. Carmen Schrief sagt: „Es bleibt aufregend und spannend.“ Genauso wie das jährliche Wiedersehen mit der großen Kino-Familie im Land – etwas, das Wittkowski und Schrief regelmäßig als große Inspiration für das eigene Tun erleben.

Was sie mit ihrem Preisgeld anstellen, wissen die beiden indes noch nicht. Vielleicht sparen für den Fall, dass die empfindliche und äußerst kostspielige Digitaltechnik einer Reparatur bedarf. Vielleicht auch nicht. „Jetzt“, sagt Carmen Schrief und lacht, „waren wir erstmal mit Feiern beschäftigt“.

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