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Diskussion um Radtouren : Weiter wie gehabt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Touristikverein und TSV Kappeln halten an ihren wöchentlichen Fahrten fest – und freuen sich über einen beständig hohen Zulauf.

So richtig können sie die Aufregung nicht verstehen. Volkert Schwerdt, Albrecht Hansen und Thies Andersen haben gerade eine Tour nach Lindaunis hinter sich – mit dem Fahrrad. Und mit 25 weiteren Personen. Das muss betont werden in diesen Tagen, da geführte Radtouren unter besonderer Beobachtung stehen. Laut Straßenverkehrsordnung benötigt diese Art der Radtour ab 100 Teilnehmern oder wenn „mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen“ zu rechnen ist, nämlich eine behördliche Genehmigung. Für Schleswig-Holstein gibt es noch ein Extra-Bonbon: Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) ist dort die Genehmigung schon bei 20 oder sogar weniger Teilnehmern Pflicht, wenn die Radler unterwegs Landes- oder Bundesstraßen befahren. Die Konsequenz: Der ADFC rät dazu, alle Radtouren abzusagen, auch um die Tourenleiter vor eventuellen Haftungsansprüchen zu schützen (wir berichteten). Neu indes ist das Thema nicht. Volkert Schwerdt sagt: „Da wird ein Fass aufgemacht, obwohl sich gesetzlich nichts geändert hat.“ Vor einem Jahr hat er die Leitung der Radtouren des TSV Kappeln und des Touristikvereins von Albrecht Hansen übernommen, Thies Andersen ist der Touren-Verantwortliche für Schönhagen. Und für alle steht fest: Absagen steht überhaupt nicht zur Diskussion.

Er wisse von 40 Genehmigungen, die die Kreisverwaltung im vergangenen Jahr für Radtouren erteilt habe, sagt Schwerdt – keine davon war für eine Tour in Kappeln. „Wir bieten jährlich an die 30 Touren an, bislang haben wir noch nie eine Genehmigung beantragt“, sagt der Tourenleiter. Sein Vorgänger Albrecht Hansen spricht von 600 Touren, die in seiner Verantwortung stattgefunden hätten. „Sicher ist da mal jemand gestürzt, wir hatten einen Schlüsselbeinbruch und auch Reifenpannen. Aber in keinem Fall wurde der Veranstalter in Verantwortung genommen“, erinnert sich Hansen. Gerade jüngst sei ein Radfahrer mit einem Reh kollidiert. Die Folge: Eine Platzwunde am Kopf, der Radfahrer wurde im Krankenhaus versorgt. Volkert Schwerdt schüttelt den Kopf: „Es gibt Dinge, auf die hat ein Tourenleiter überhaupt keinen Einfluss.“

Seit Jahren sind die Radtouren feste Bestandteile im Vereinsleben des TSV und der Touristiker, mal sind an die 40 Teilnehmer dabei, manchmal nur zehn. Und regelmäßig berührt die Streckenführung die Bundesstraße 199. Schwerdt sagt: „Das ist ein wesentlicher Teil der Freizeitgestaltung geworden.“ In Schönhagen spielt das Radfahren eine nahezu gleichwertige Rolle. Gemeinsam mit der örtlichen Touristinformation organisiert Thies Andersen die dreistündigen Touren „Rad & Rast“ und er sagt: „Ich halte das alles für sehr aufgebauscht.“ Verunsichert ist er trotzdem. Seine Lösung: Er hat ein Papier entworfen, das er künftig jedem Teilnehmer vor der Radtour aushändigt. Darauf vermerkt sind die Hinweise, dass jeder Radfahrer die Straßenverkehrsordnung zu beachten hat, eigenverantwortlich teilnimmt und „selber für die von ihm durch eigene Handlungen oder Unterlassungen schuldhaft verursachten Schäden in voller Höhe haftet“. Ob das im Fall der Fälle tatsächlich ausreicht, um ihn als Tourenleiter aus der Verantwortung zu entlassen, weiß Andersen indes nicht. Aber es beruhigt zumindest.

Derweil hat Schleswigs-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer ein Schreiben an alle Landräte verfasst. Darin lehnt der Minister die Interpretation des ADFC ab, wonach Schleswig-Holstein die Erlaubnis geführter Radtouren besonders restriktiv handhabe. Weiterhin habe er nun die Entwicklung eines Leitfadens für Veranstalter von geführten Radtouren in Auftrag gegeben, um gegen die vorherrschende Unsicherheit anzuarbeiten. Meyer betont, ihm sei daran gelegen, straßenverkehrsrechtliche und touristische Belange besser miteinander in Einklang zu bringen. Um diesen Anspruch umzusetzen, bittet er gleichzeitig um Vorschläge. Eindeutig ist dieser Satz: „Unnötige Restriktionen für den Fahrradtourismus lehne ich ab.“

Ministeriumssprecher Harald Haase bestärkt derweil die Kappelner und Schönhagener Ambitionen, die Touren wie gewohnt stattfinden zu lassen. „Es gibt überhaupt keinen Grund, irgendetwas zu ändern“, sagt Haase. Und dennoch überlegt auch Volkert Schwerdt, es Thies Andersen gleich zu tun und seinen Teilnehmern ein ähnliches Hinweispapier zu überreichen. Und Albrecht Hansen plagt noch eine ganz andere Sorge. „Es werden unnötige Hürden aufgebaut“, sagt er. „Und genau so etwas macht das Ehrenamt kaputt.“

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erstellt am 14.Aug.2014 | 07:30 Uhr

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