Weihnachtsengel aus dem Topf

In diesen Tagen gießt Gisela Jessen in ihrer Küche Engel aus Wachs.
In diesen Tagen gießt Gisela Jessen in ihrer Küche Engel aus Wachs.

Im Advent stellt Gisela Jessen aus Sterup in ihrer Küche Kerzen und Figuren aus Bienenwachs her

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12. Dezember 2014, 15:56 Uhr

Immer wenn es weihnachtet, beginnt für die 77-jährige Gisela Jessen in Grünholz-Helle eine ganz besondere adventliche Küchenarbeit. Dann verflüssigt sie auf dem Herd Bienenwachs und gießt ihn in entsprechende Formen für Engel, Bäume und auch Kerzen. Das macht der aus Nordrhein-Westfalen stammenden Sozialpädagogin Spaß, und auch Familie und Bekannte profitieren von Jessens Küchenarbeit. Der warme Honig-Farbton ihrer Figuren schmückt schon längst so manche vor- und weihnachtliche Dekoration.

Aber Gisela Jessen ist nicht nur äußerst kreativ, sie ist auch musikalisch. Zusammen mit ihrem aus Kiel stammenden Ehemann Gerd, den sie, als er im Ruhrgebiet als Versicherungskaufmann arbeitete, kennenlernte, frönt sie dem Chorgesang. Das war zunächst im Neusser Singkreis der Fall. Neun Mal ist das Ehepaar umgezogen und überall, wo es sich niederließ, suchte es sich einen Chor. Gisela Jessen – Stimmlage Tenor – singt mit ihrem Mann seit 2007 im Nordland-Kammerchor in Satrup und sagt: „Singen schafft Freude und Freunde.“ 2009 ließen sich die Eheleute – zur Familie gehören drei Söhne und mittlerweile acht Enkel, die alle leidenschaftliche Pfadfinder sind – endgültig in Grünholz-Helle in jener Katenstelle, die sie bereits 1975 gekauft hatten, nieder.

Die jährliche adventliche Prozedur in am heimischen Herd reicht bis in jene Zeit zurück, als Ehemann Gerd mit der Imkerei begann. Da bot es sich für Gisela Jessen geradezu an, „aus Wachs was zu machen“. Auch wenn das mit der Imkerei inzwischen vorbei ist, das Wachs-Faible ist geblieben. Nun wird Bienenwachs gekauft. Ob damals in der Reha-Klinik in Ahrenshoop oder auch in Kindergärten, das Wachs-Gießen kam an.

Und jetzt hat Gisela Jessen ihre Formen wieder einmal aus der Schublade gekramt, die hohe Zeit des Gießens hat begonnen. Doch es wird nicht nur gegossen, es wird auch gewickelt. Aus Wachsplatten entstehen gewickelte Kerzen, wobei der Docht deren Volumen entsprechen muss, damit die Flamme „schön brennt“. Und dann kommen auch die Formen aus Silikon zu Ehren. Am Ende entsteht auf diese Weise Baumschmuck in den unterschiedlichsten Variationen, darunter Engelchen, Herzen, Hexenhäuschen oder Glocken.

Und dann gibt es ja auch noch die großen Engel. Dabei widerstrebt es Gisela Jessen zutiefst, beim Gießen einen Docht mit in die Form zu legen. Engel als Kerzen – also mit abbrennendem Kopf? „Nein danke.“ Die sieben Zentimeter großen Jessen-Engel bleiben eine reine und schön anzuschauende Dekoration unter dem Tannenbaum oder auf der Fensterbank. Und so stellt Gisela Jessen sie in Anlehnung an das Lied „Alle Jahre wieder“ Jahr für Jahr erneut auf und hat an ihnen ihre helle Freude. Natürlich legt sich im Laufe der Zeit ein Grauschleier über die Engel, doch der ist schnell beseitigt: Einmal kurz in heißes Wasser tauchen und schon ist er wie ehedem wieder honigfarben.

Wenn das Wachs in einem Topf auf dem Herd flüssig geworden ist, gießt es Gisela Jessen ganz vorsichtig in die bereitliegende Form, lässt es auskühlen, um dann die Form aufzuklappen. Eigentlich wollte die Grünholzerin schon längst mit dem Wachs-Gießen aufhören. Aber jedes Mal stehen dann Freunde in der Tür und fragen an: „Kannst du mir noch Engel machen?“ Da kann Gisela Jessen dann nicht Nein sagen und macht sich ans Werk.

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