Kappeln : Weg vom Kaffee in Pappe und Plastik

Am liebsten aus Porzellan – „Coffee to go“ wird in Müllers Café von Sebastian und Tatjana Müller kaum nachgefragt.
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Am liebsten aus Porzellan – „Coffee to go“ wird in Müllers Café von Sebastian und Tatjana Müller kaum nachgefragt.

Einige Bäckereien bieten den Verkauf von Mehrwegbechern an, aber wenige Kunden lassen sich Heißgetränke in eigene Gefäße abfüllen.

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24. Oktober 2018, 18:44 Uhr

Sie sitzen gemütlich am Kaffeetisch und genießen den Kuchen: Für Familie Feil kommt „Coffee to go“ eigentlich gar nicht in Frage. Brigitte und Hans-Peter Feil sind Stammkunden, seit es Müllers Café in der Poststraße gibt. Heute sind sie mit Tochter Simone und Enkelin Mayra  da. „Nicht nur meine Großeltern – auch ich nehme selten mal einen Kaffee mit. Ich denke, das ist eher etwas für Großstädte. Da sind die Menschen sowieso etwas hektischer als hier in Kappeln“, sagt die 21-Jährige und lacht. Tatsächlich kommt die Bestellung „Coffee to go“ bei Inhaber Sebastian Müller gar nicht so oft vor, hier nehmen die Gäste sich die Zeit und bleiben. „Natürlich bieten wir Kaffee zum Mitnehmen an, aber 98 Prozent der Gäste trinken ihn hier.“ Deshalb ist auch die Frage nach dem Mehrwegbecher schnell beantwortet. Wer einen mitbringt, kann ihn befüllen lassen. Zu kaufen gibt es hier aber keinen. „Das haben wir bereits vor zwei Jahren mal versucht. Die Becher sind eingestaubt, das wurde überhaupt nicht nachgefragt“, sagt Tatjana Müller. Wenn der Trend sich jetzt aufgrund aktueller Umweltdiskussionen wieder vermehrt durchsetze – umso besser. „Klar, sind wir dann dabei. Das werden wir beobachten“, sind die beiden sich einig.

Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes trinkt der Deutsche durchschnittlich 150 Liter Kaffee im Jahr – das sind etwa zwei Tassen am Tag. Statt sich, wie Familie Feil, Zeit für die Kaffeepause zu nehmen, greifen aber doch auch immer mehr Kappelner und Urlauber auf die „To-go“-Variante im Pappbecher zurück. Nach Analysen von Utopia, einer Website für nachhaltigen Konsum, landen jährlich umgerechnet 80 Pappbecher plus Plastikdeckel pro Person auf dem Müll. Deshalb entstehen laut dem Kieler Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung jedes Jahr in Deutschland 40 000 Tonnen Müll, die vermieden werden könnten.

Um Unsicherheiten in Bezug auf Hygienebestimmungen auszuräumen, hat im vergangenen Jahr das Landesumweltministerium eine Handlungsempfehlung formuliert. Verwendet werden dürfen demnach saubere Behältnisse mit einer glatten Oberfläche. Wird das Getränk an einem separaten Thekenbereich zubereitet und kommt es nicht in direkten Kontakt mit dem Abfüllstutzen, bestehen keine Bedenken.

„Eigentlich werden uns nur saubere Becher zum Befüllen gegeben“, berichtet die Leiterin der Filiale von Bäckerei Günther am Hafen. Hier gibt es Kaffee im Pappbecher zum Mitnehmen, aber auch bereits seit rund anderthalb Jahren Mehrwegbecher zum Kaufen. „Das wird gut angenommen, sowohl von Einheimischen als auch von Urlaubern.“

„Coffee to go“ läuft gut, die Bambus-Mehrwegbecher, die es seit dem Frühsommer bei der Stadtbäckerei Tange am Rathausmarkt zu kaufen gibt, noch nicht ganz so gut.

„Die meisten, die das Angebot nutzen, sind Stammkunden. Die machen gern mit und finden es gut“, sagt Mitarbeiterin Sabine Mahlke. Wer mit dem eigenen Becher kommt, bekommt ihn gefüllt – nicht direkt aus der Maschine, aber über einen anderen Becher. So handhaben es auch die Mitarbeiterinnen der Bäckerei Meesenburg in der Schmiedestraße, die der Bäckerei Brix in der Mühlenstraße und Mitarbeiter Sven Merkel von der Kombüse am Hafen – die Hygienevorschriften immer im Blick.

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