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Hof Norderlück : Was wird aus dem Schulbauernhof?

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Ehlerding-Stiftung trennt sich 2016 von ihrem Vorzeigeprojekt Norderlück und sucht einen neuen Träger.

Was wird aus dem Hof Norderlück, seit 1993 ein ökologischer Schulbauernhof, in dem in den zurückliegenden Jahren rund 16.000 Kinder unbeschwerte Freizeiten erlebten? Diese Frage stellt sich, nachdem die Ehlerding-Stiftung aus Hamburg nach 24 Jahren ihre Trägerschaft beenden wird. Ab Herbst 2016 wird ein neuer Träger benötigt. Bis dahin, so Geschäftsführer Jörg Fischlin, werden noch mindestens 2000 Jungen und Mädchen aus der Hansestadt nach Norderlück kommen, um mit Herz und Hand Landwirtschaft zu „begreifen“.

Wie es in einer Erklärung des Vorstands der Ehlerding-Stiftung heißt, war und ist der Stifterin und Vorstandsvorsitzenden Ingrid Ehlerding der ökologische Schulbauernhof in der Gemeinde Steinberg eine Herzensangelegenheit, um Kindern das Eintauchen ins Leben auf dem Land zu ermöglichen – mit individueller pädagogischer Betreuung. Ob Kühemelken oder Brotbacken – alles dient dazu, jungen Menschen die Kreisläufe der Natur zu vermitteln. Nun, so der Vorstand, habe die Stiftung entschieden, einen neuen Träger für den Hof Norderlück zu suchen. Dieser Entschluss steht am Ende einer vierjährigen Suche nach einem Partner zur gemeinsamen Fortführung. Zu dieser Entscheidung sagt Ingrid Ehlerding: „Auf den Punkt gebracht kann man sagen, dass leider die Rendite unseres Stiftungskapitals mittelfristig eher sinken wird, da gute Anlagen auslaufen, und gleichzeitig Kostensteigerungen unvermeidlich sind.“

Man werde weiterhin dafür sorgen, dass die Stiftungsgelder vernünftig eingesetzt werden – dort, wo es den größten Nutzen für Kinder bringe. Bei den Aktivitäten gestalte sich dies leider auf dem Hof Norderlück am schwierigsten.
Viele Schulklassen verreisen heute gar nicht mehr oder nur noch für kurze Zeit – selten in den Monaten Oktober bis März. Die dadurch bedingte geringe Auslastung sei schwer auszugleichen, da der Bauernhof ganzjährig bewirtschaftet werden müsse. Zudem sei das Konzept, einen Öko-Betrieb zu bewirtschaften und die Kinder in Kleinstgruppen in die Abläufe zu integrieren, sehr arbeits- und vor allem personalintensiv. Das verursache hohe Kosten. Auch konzeptionelle Änderungen in den vergangenen fünf Jahren konnten den Stiftungszuschuss pro Kind nicht auf ein akzeptables Maß reduzieren. Die Gesamtkosten 2013 betrugen 440.000 Euro, davon zahlte die Stiftung über 230.000 Euro.

Vor dieser Situation dürfe der Vorstand seine Augen nicht verschließen. So schmerzlich es für sie auch sei, sich vom Hof Norderlück zu trennen, so wirtschaftlich richtig sei dieser Schritt, so die Stifterin. Kosten und Nutzen müssen auch in einer Stiftung im richtigen Verhältnis stehen. „Wir haben uns bis Herbst 2016 Zeit gegeben, nach einem neuen Träger zu suchen, und ich bin sehr optimistisch.“ Der Hof sei in einem ausgezeichneten Zustand und verfüge über eine vielseitige Landwirtschaft mit Bioland-Anerkennung und einem engagierten Team. Das Haus liegt zudem idyllisch an der Ostsee und kann 40 Gäste beherbergen. Gute Voraussetzungen für neue Konzepte und Ideen. Die Stiftungsvorsitzende ist zuversichtlich, dass ab Herbst 2016 frischer Wind durch das alte Bauernhaus weht.

Im Mai vergangenen Jahres feierte die Ehlerding-Stiftung das 20-jährige Bestehen ihres biologischen Schulbauernhofes Norderlück. Damals war die Rede von einer Erfolgsgeschichte, ermöglicht durch die Ehlerding-Stiftung. Finanziert durch Kapitalertrag der Stiftung, Spenden und andere Einnahmen ist Norderlück bundesweit einer der ältesten ökologischen Schulbauernhöfe. Die Stiftung unterhält auch das erlebnispädagogische Schullandheim in Barghausen bei Osnabrück sowie „Kids-Partnerschaften“ in Hamburg.

„Raus aus dem Klassenzimmer – rein in den Schweinestall“, umriss beim Jubiläum 2013 Ingrid Ehlerding das Konzept und sagte, Norderlück reime sich nicht nur auf Glück, sondern sei ein wahrer Glücksfall. 1993 kamen die ersten Schulklassen. Die durchweg positiven Rückmeldungen, sagt sie, waren und seien für sie Ansporn, ihr Tun zu verstärken. Längst, das wurde beim Jubiläum deutlich, ist der Schulbauernhof in der Gemeinde eine feste Größe und auch Arbeitgeber.

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erstellt am 31.Okt.2014 | 12:30 Uhr

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