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Eckener Schule in Kappeln : „Was ab ist, ist ab“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Rotary-Projekt: Schüler der Holzbildhauer-Klasse der Flensburger Eckener Schule verwandeln Baumstämme in Skulpturen.

shz.de von
erstellt am 17.Jun.2017 | 08:00 Uhr

Je näher man tritt, desto lauter wird es. Und desto staubiger. Wenn das hier erledigt ist, werden jede Menge Spuren zurückbleiben, so viel ist jetzt schon klar. Zarter hölzerner Staub, in den Augen, auf dem T-Shirt, zwischen den Haaren. Mitten auf einem betonierten Platz in Mehlbydiek röhren die Kettensägen. Zehn Schüler der Holzbildhauer-Klasse der Eckener Schule in Flensburg haben dort ihre Spielwiese aufgeschlagen, ihre Baustelle, auf der sie bis zum Ende der nächsten Woche zehn Skulpturen fertigen wollen. Noch allerdings sind es eher üppige Baumstämme als Figuren oder Mobiles oder Tiere.

Lars Rohwer hat keinen Boden mehr unter den Füßen. Der 24-Jährige ist auf seinen Baumstamm geklettert, in der Hand Hammer und Meißel. Einen Gartenwächter will er aus dem Stamm machen, eine Skulptur, die anschließend den Garten der Wohnstätte in Oersberg der Kappelner Werkstätten beschützen soll. Das Schul-Projekt nämlich geht zurück auf eine Initiative des Kappelner Rotary-Clubs und der Werkstätten, und am Ende soll für verschiedene Abteilungen der Einrichtung eine jeweils eigene Skulptur herauskommen. „Das ist körperlich schon ziemlich anstrengend“, sagt Lars Rohwer und meint damit vor allem den Umgang mit der Kettensäge. „Außerdem muss man sich die einzelnen Schnitte sehr gut überlegen. Was ab ist, ist ab. Und im schlimmsten Fall muss man den Stamm wegschmeißen.“ Trotzdem ist der Schüler froh über die handfeste Abwechslung zum regulären Unterricht. „So lernt man den Beruf wirklich kennen“, sagt er.

Eben das ist der grundlegende Ansatz des Schul-Projektes. Fachlehrer Heinrich Oettinger, selbst im Blaumann und voller Holzspäne im Gesicht mittendrin, betont: „In solchen Dimensionen zu arbeiten, ist in der Schule natürlich nicht möglich.“ Bei diesem Außenprojekt lernten die Schüler, was es bedeutet, eine Baustelle einzurichten, sich und die Gruppe zu organisieren und eben gemeinsam zu arbeiten. Ein echter Pluspunkt, den auch Anne Kragh für sich ausgemacht hat. Die 28-Jährige schält mit der Kettensäge einen Bären aus ihrem Baumstamm und gibt zwar zu: „Die Arme werden langsam müde.“ Aber sie sagt eben auch: „In der Gruppe unter freiem Himmel zu arbeiten, ist richtig schön.“

Untergebracht war die Holzbildhauer-Klasse in dieser Woche im Schullandheim in Schönhagen, die nächste Woche wird die Kappelner Jugendherberge ihr Quartier sein – auf Kosten der Rotarier. Material, Logistik, Verpflegung und den Arbeitsplatz stellen die Werkstätten. Und deren Beschäftigte und Bewohner haben Wünsche geäußert, wie ihre Skulptur aussehen soll, die Flensburger Schüler haben daraus Ideenskizzen angefertigt, aus denen die Kappelner dann wiederum einen Entwurf ausgewählt und Lars Rohwer vor eine ganz besondere Herausforderung gestellt haben. „Der Gartenwächter soll einen lieben Gesichtsausdruck haben“, sagt er und ahnt bereits: „Das wird nicht leicht.“ Insa Langerbein ist derweil froh, bei ihrem Pilz ein bisschen mehr Spielraum zu haben. „Laut Entwurf soll er eigentlich kleiner werden“, sagt die 26-Jährige. „Aber ich dachte, ich nutze den ganzen Stamm.“ Als lebendiges, warmes Material – so erlebt die Schülerin das Holz, mit dem sie arbeitet. Und die Holzbildhauerei? „Als eine schöne Verbindung von Kunst und Handwerk.“ Ihr hölzerner Pilz soll später im Süderbraruper Ulmenhof stehen. An einer Komposition aus drei Figuren arbeitet Nina Gellert und das mit gehörigem Respekt vor der Kettensäge. „Es ist unglaublich, in welch kurzer Zeit wir mit dieser Maschine unheimliche Massen bewegen können“, sagt die 26-Jährige und schiebt ihre Schutzbrille von den Augen ins Haar. Sie muss brüllen, denn neben ihr hat gerade einer die Säge angeschmissen. Nina Gellert lächelt. „Es macht richtig Spaß“, ruft sie. Man kann davon ausgehen, dass sie das auch am Abend noch denken wird, wenn sie sich den hölzernen Staub aus den Haaren wäscht.

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