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Soziale Netzwerke : „Warum sollten wir?“ Kappelns zögerlicher Weg auf Facebook

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ganz Deutschland trifft sich auf Facebook. Ganz Deutschland? Nein! Es gibt eine Stadt an der Schlei, wo der mittlerweile abebbende Trend sich nie durch gesetzt hat.

Kappeln | Facebook – seit nun schon elf Jahren wird es von den einen verflucht und von den anderen gefeiert. Kaum ein anderes Produkt des digitalen Zeitalters hat die Menschen je derart gespalten, wie das soziale Netzwerk im blau-weißen Design. Doch können es sich Vereine, Verbände und Unternehmen heute überhaupt noch leisten, Facebook den Rücken zu kehren? In Kappeln hat sich der nicht mehr ganz so neue Trend bis heute jedenfalls nur zum Teil durchgesetzt.

Kappeln selbst ist mit mehreren Seiten – initiiert und verwaltet von Privatpersonen – auf Facebook vertreten. Die Seite „Kappeln an der Schlei“ hat 1762 Fans. Diese posten nicht nur ihre selbst geschossenen Fotos von den schönen Ecken der Schleistadt, sondern auch alte Aufnahmen, etwa von der alten Schleibrücke. Die vergilbten Bilder animieren die Nutzer zum Austausch gemeinsamer Erinnerungen, etwa an den kleinen Kiosk vor der Brücke, an dem Kinder für Bonbons Schlange standen.

1953 - Drehbrücke in Kappeln an der Schlei------------------------Blick vom Kirchturm auf die Drehbrücke

Posted by Kappeln an der Schlei on  Montag, 12. Januar 2015

Eine offizielle Facebook-Präsenz der Stadt Kappeln sucht man dagegen vergeblich. Die erste Reaktion des Büroleitenden Beamten der Stadtverwaltung Jörg Exner: „Warum sollten wir?“ Die offizielle Internetseite www.kappeln.de der Stadt sei schließlich ausreichend. „Dort ist alles verfügbar. Ich sehe keine Notwendigkeit, die Kommune über eine kommerzielle Plattform wie Facebook zu präsentieren.“ Einen solchen Bedarf – politisch wie seitens der Bürger – habe Exner bislang nicht feststellen können. Im Gegenteil, die Internetseite Kappelns erhalte regelmäßig viel Lob von den Nutzern, weil sie übersichtlich sei und alle notwendigen Informationen bereithalte, erklärte Exner.

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Kappeln wiederum besann sich vor zwei Jahren auf die Vorzüge des sozialen Netzwerks. Heute informiert sie ihre 57 regelmäßigen Facebook-Nutzer über aktuelle Ereignisse wie die Verabschiedung von Pastor Christoph Sassenhagen und teilt andere Inhalte wie Zeitungsartikel zum Thema. Internet- und Kirchenbriefbeauftragter Gunther Hoeschen pflegt den Facebook-Auftritt der Kirche. „Ursprünglich war es eine inoffizielle Seite, jetzt kommt es einer offiziellen aber sehr nahe.“ Hoeschen ist stets bemüht, aktuelle Inhalte, beispielsweise aus dem Kirchenbrief, auf die Seite zu bringen. Maximal eine halbe Stunde pro Woche wendet er für die Aktualisierung des Facebookprofils der Kirchengemeinde auf. „Zu intensiv ist es nicht, aber alle drei Monate reicht auch nicht“, sagt Hoeschen. Nutzer der Seite sind nach seinen Beobachtungen hauptsächlich Auswärtige, etwa Sommergäste. Der Vorteil einer Facebook-Präsenz liegt für ihn klar auf der Hand: „Man bekommt eine Rückmeldung. Man sieht, wenn jemand die Inhalte teilt oder kommentiert. Das ist bei einer Internetseite nicht so.“

285 Personen verfolgen regelmäßig die Facebook-Nachrichten des TSV Kappeln. Für die Pflege der Seite ist seit einem Jahr Florian Föh zuständig. Der Jugendwart hat noch einiges vor, um die digitale Reichweite des TSV zu vergrößern. „Die Spitzenspiele der einzelnen Sparten wie Handball, Volleyball und Fußball, werden mit auf die Seite kommen“, sagt er. Zudem plant Föh, gelegentlich Bilder der derzeitigen Bauphase beim TSV zu posten: „Zum einen, um zu zeigen, wie weit der Umbau ist. Zum anderen sind viele Firmen als Sponsoren beteiligt. Die sollen ja auch sehen, was mit ihrem Geld passiert.“

Kulturschaffende in Kappeln sind im Umgang mit Facebook deutlich vorsichtiger. Die Fan-Seite des „Capitol-Kino“ freut sich zwar über 198 Nutzer, eine offizielle Facebook-Präsenz des Kinos existiert dagegen nicht. Betreiber Michael Wittkowski hegt Vorbehalte gegenüber dem Netzwerk-Riesen: „Immerhin warnt der Datenschutzbeauftragte des Landes ja immer davor, sich bei Facebook anzumelden.“ Zudem sei die Pflege einer Facebook-Seite ein nicht zu unterschätzender zeitlicher Aufwand. Wittkowski: „Dann wollen die Leute bei jedem Film wissen, wann er bei uns anläuft. Darauf muss man ja auch schnell reagieren. Und dafür braucht man Zeit.“

Auch die Kultkneipe „Palette“ verfügt über keine offizielle Facebook-Präsenz. Die öffentliche Gruppe „Freunde der Palette in Kappeln“ hat dagegen 24 treue Anhänger. Allein Rainer Koslowksi pflegt seit fünf Jahren eine Facebook-Seite, auf der er über aktuelle und anstehende Veranstaltungen in der Koslowski-Halle informiert und Inhalte zu den Künstlern teilt.

Der Facebook-Auftritt des Schlei Boten konnte in den vergangenen Jahren 1652 Nutzer begeistern. Aktuelle Nachrichten werden dort von Lesern kommentiert und geteilt – jüngste Beispiele: die Bürgermeister-Wahl und der nächtliche Einsatz der Seenotretter auf der Ostsee.

Gunnar Friedrichsen aus Harrislee will sich mit seinem Energy-Drink MAGU gegen große Konkurrenz wie Red Bull durchsetzen - und zwar mit natürlichen Zutaten und dänischer Rote Grütze.

Posted by Schlei-Bote - Nachrichten für Kappeln und Umgebung on  Montag, 19. Oktober 2015

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erstellt am 20.Okt.2015 | 13:31 Uhr

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