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Schlei-Bote

16. August 2017 | 15:23 Uhr

Warnung vor der Polder-Lösung

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Lippingau-Verbandsvorsteher Jacob Möllgaard rät den Geltingern zu einem Kanal als Hochwasser-Schutz

„Die Polder-Lösung im von Überflutungen bedrohten Ort Gelting ist nicht der Weisheit letzter Schluss.“ Diese Einschätzung zum eingedeichten Regenrückhaltebecken stammt von dem erfahrenen Praktiker Jacob Möllgaard aus Westerholm. Er steht seit 32 Jahren dem Wasser- und Bodenverband Lippingau vor und kennt in seinem Bezirk, der in der Ausdehnung fast dem Alt-Amt Steinbergkirche entspricht, „jeden Stein und jeden Strauch“. Hochwassergefahr bestehe in seinem Verbandsgebiet an keiner Stelle. Selbst bei sintflutartigen Regengüssen kann sich in den weitgehend naturbelassenen Uferzonen das Oberflächenwasser im Wiesenland austoben. Nach und nach hat laut Möllgaard der Verband, zu dem auch die beiden je sieben Kilometer langen Arme der Habernisser Au gehören, rund 60 Hektar Land aufgekauft. Beiderseits der Auen sind an bestimmten Abschnitten zehn bis über 20 Meter breite grüne Streifen mit angrenzenden Böschungen oder bepflanzten Erdwällen angelegt. „Nirgendwo wird bei uns gepumpt“, sagt er mit Blick auf die Nachbarn in Gelting, wo sich der Wasser-und Bodenverband (WBV) Geltinger und Stenderuper Au für eben diese Polder-Lösung entschieden hat.

Ohne als Besserwisser dastehen zu wollen, sieht Möllgaard die Situation an der Lippingau auch als positives Beispiel für Gelting. Zum Vergleich: Die 13 Kilometer lange Lippingau entspringt in Sörupholz (35 Meter über NN), vereinigt sich bei Sterup mit einem zweiten Zufluss aus Rügge und verläuft ohne jede Verrohrung in Richtung Ohrfeldhaff, wo sie in die Ostsee mündet. Bevor die Lippingau einen Abschnitt unweit des Gutes Oestergaard erreicht, unterquert sie in einem 4,50 Meter breiten und 2,10 Meter hohen Beton-Durchlass die Nordstraße. An dieser Stelle liegt das Au-Bett zwölf Zentimeter unter Normal Null. Dennoch sorgt der Wasserdruck von hinten für einen gemächlichen Abfluss zur Ostsee, erklärt Möllgaard. Auf den letzten zwei Kilometern vor der Mündung haben die Verantwortlichen den Bau eines naturnahen „Kanals“ bauen lassen. Dieser dient vor allem dem Zweck, die bei einer Sturmflut auf dem Meer in die Au hineindrückenden Wassermassen vorübergehend aufzunehmen. Eine Schleuse mit Schutzklappen gegen Ostseefluten wie in Habernis ist hier nicht erforderlich. Jacob Möllgaard nennt einen wichtigen Nebeneffekt: „In jedem Herbst kommt eine Vielzahl von großen Meerforellen in die Au, um hier zu laichen.“

Zugegeben: An der Lippingau liegen keine großen und hochwassergefährdeten Dörfer. Doch könnte der Ohrfelder Au-Kanal nach Auffassung des WBV-Chefs als Vorbild für den Kneippkurort Gelting dienen. Diese Variante zum Polder sei zwar um rund eine Viertelmillion Euro teurer als die vom Wasser- und Bodenverband Geltinger und Stenderuper Au beschlossene Polder-Lösung, würde aber effektiver sein. Der auch von der Geltinger Interessengemeinschaft Überschwemmungsgebiet favorisierte Kanal könnte als Bypass in beträchtlichem Abstand zur Wohnbebauung angelegt und durch einen neuen Durchlass unterhalb der Nordstraße in Richtung des nördlich der Ortslage liegenden so genannten „Suezkanals“ umgeleitet werden. Auf dem weiteren Weg zur Ostsee müsste dann allerdings eine ausreichend große Überschwemmungsfläche (Privatländereien) verfügbar gemacht werden.

Bedenken bei der Polderlösung äußert Möllgaard bezüglich des Fassungsvermögens. Die vorgesehene Kapazität des Beckens liege bei 250 000 Kubikmeter Wasser. Doch in Extremfällen mit mehr als 100 Millimeter Niederschlagsmenge je Quadratmeter könnten über 800 000 Kubikmeter in den Polder strömen. Dann brächen die Dämme, und die nächste Katastrophe in Gelting nach 2011 wäre da.


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erstellt am 10.Okt.2013 | 00:33 Uhr

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