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Schlei-Bote

11. Dezember 2017 | 16:34 Uhr

Kappeln : Vorsicht vor Abzocke am Telefon

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Anrufer locken mit Geldgewinnen und fordern für die Übergabe eine Coupon-Zahlung. Die Verbraucherzentrale warnt.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2017 | 08:00 Uhr

Es könnte alles so schön sein: Das Telefon klingelt, und eine freundliche Stimme sagt: „Sie haben gewonnen.“ Aber meist verbirgt sich hinter den erfreulichen Anrufen eine dreiste Abzocke. Renate Plassberg (Name von der Redaktion geändert) aus dem Kappelner Umland hat vor einigen Tagen einen solchen Versuch unbeschadet überstanden.

Renate und Volker Plassberg machen schon mal bei Preisausschreiben mit. Nicht regelmäßig, aber wenn es sich mal so ergibt. Deshalb stutzte Renate Plassberg zwar, als der Anruf kam, hörte sich aber erst einmal alles in Ruhe an. „Sie haben den zweiten Hauptpreis bei einem Preisausschreiben der Audi AG gewonnen: 49.000 Euro“, sagte die nette männliche Call-Center-Stimme. „Ich erinnerte mich zwar nicht konkret – aber gefreut hab ich mich schon“, gibt die 68-Jährige zu. Der Anrufer habe sich bei ihr ausführlich vorgestellt und sei richtig in Plauderlaune gekommen, berichtet Renate Plassberg. Der junge Mann am Telefon fragte, ob sie eine Betreuung hätte, das müsse er noch wissen, und kündigte dann einen weiteren Anruf an, in dem alle Formalitäten der Übergabe geklärt werden sollten.

„Meine Freude legte sich bereits zu diesem Zeitpunkt. Mein Bauch grummelte, und mein Gehirn setzte wieder ein“, sagt Renate Plassberg und lacht. Sie rief bei der Kappelner Polizei an. Die Masche sei schon bekannt – wenn wirklich jemand mit dem angekündigten Koffer bei dem Ehepaar anreisen sollte, würde die Polizei sofort dazu kommen, versprach der Dienst habende Beamte.

Einen Tag später, zum abgesprochenen Termin, meldete sich eine Frau von einer deutschen Festnetznummer aus. Auch sie stellte sich ordnungsgemäß vor und kündigte die Auszahlung des Gewinns bei Renate Plassberg zu Hause an. Eine Notarin und ein Sicherheitsdienst würden dabei sein, sie wurden namentlich benannt. Allerdings gab es dann doch einen kleinen Haken: Renate Plassberg müsse die Kosten für die aufwendige Übergabe übernehmen. „Ich sollte 900 Euro in Bezahl-Coupons bereithalten“, sagt die vermeintliche Gewinnerin. Die Coupons gebe es im Super- oder Drogeriemarkt. Erst wenn das Zahlungsmittel vorliege, könne die Übergabe erfolgen.

„Jetzt war ja alles klar“, sagt Renate Plassberg. Sie und ihr Mann waren sicher, dass hier nichts mit rechten Dingen zuging. „Ich hab schon sicherheitshalber den Kuhfuß aus der Garage geholt. Hätte doch sein können, dass sie das Haus ausräumen wollen, während meine Frau unterwegs ist“, sagt er. „Das kann einen ganz schön Angst und Bange machen. Vielleicht ist es ja eine Bande, die auf diese Weise über die Dörfer zieht“, beschreibt seine Frau.

Aber es passierte nichts – der dritte Anruf kam wie angekündigt. Ob und in welcher Stückelung sie die Coupons bekommen habe, wollte die Dame wissen. Sie forderte Renate Plassberg auf, den Code eines Coupons frei zu rubbeln, damit die Notarin die Deckung überprüfen könne. „Nö, meinen Code bekommen Sie nicht – habe ich gesagt. Und da fing sie an, mich massiv unter Druck zu setzen. Ich hab vorgeschlagen, dass wir uns bei der Polizei in Kappeln für die Übergabe treffen können, aber das wollte sie natürlich nicht.“ Die Anruferin drohte, dass so der Gewinn und der Wert der Coupons für Renate Plassberg verloren ginge. Als sie sich dennoch weigerte, den Code durchzugeben, legte die Anruferin wortlos auf. Bei der Rückverfolgung der angezeigten Festnetztelefonnummer im Internet stößt man auf eine österreichische Sicherheits- und Geldtransportfirma sowie auf zahlreiche Kommentare zu diesem Telefontrick.

Meistens passiere nach dem ersten Anruf nichts weiter, sagt Christian Lutter, Leiter des Polizeireviers in Kappeln, dazu. „Wenn sich aber eine erneute Kontaktaufnahme, ein Besuch oder sogar eine Geldübergabe anbahnt, ist die Polizei der richtige Ansprechpartner“, bestätigt er.

„Wenn Ihnen am Telefon übermittelt wird, dass Sie etwas gewonnen haben, dann ist immer Vorsicht geboten“, sagt Christine Hannemann, Leiterin der Verbraucherzentrale in Flensburg. Wenn dann auch noch dazu aufgefordert werde, Geld bereitzuhalten oder zu bezahlen, könne der Hörer gleich wieder aufgelegt werden. Besonders auffällig sei es, wenn die Bezahlkarten ins Spiel kommen. „Wer den Code für den Coupon übermittelt, ist das Geld sofort los“, sagt Hannemann. Und es sei auch nicht nachzuvollziehen, wohin das Geld fließe.

Renate und Volker Plassberg haben die Aufregung der vergangenen Tage gut überstanden und sind froh, dass nichts weiter passiert ist. Aber sie wollen andere gern warnen: „Wir möchten nicht, dass ältere Menschen auf so eine Masche reinfallen.“

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