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Schlei-Bote

18. Oktober 2017 | 02:29 Uhr

Kappeln : Vorkämpfer für die gute Sache

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Stadt hat die Tafel und das Projekt „Hand in Hand – Paten für Kappeln“ mit dem Ehrenteller ausgezeichnet.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2016 | 06:00 Uhr

Kappeln | Es herrschte festliche Stimmung im Sitzungssaal, Stühle und Tische waren beiseite geräumt, stattdessen Büfett und Getränke aufgebaut, der sonst in diesem Raum nicht unübliche raue Ton blieb für knapp eineinhalb Stunden draußen vor der Tür. Zwei Ehrenteller wollten die Stadtvertreter vergeben, damit zwei Institutionen würdigen, die sich auf besondere Weise um die Stadt und ihre Menschen bemühen. In diesem Jahr fiel die Wahl auf die Kappelner Tafel und das Projekt „Hand in Hand – Paten für Kappeln“.

Bevor Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker auf die Ausgezeichneten mit individuellen Worten einging, rückte sie das Ehrenamt als solches ins Licht, das auch stützende Säule der diesjährigen Ehrenteller-Träger ist. „Es ist beispielhaftes Handeln, das einen guten Zusammenhalt erfordert“, sagte Ungethüm-Ancker. „Und eigentlich ist es privates Engagement, aus voller Überzeugung selbst etwas in die Hand zu nehmen und nicht nur darüber zu reden.“ Ziel sei in jedem Fall, eine Veränderung herbeizuführen, eine Verbesserung der aktuellen Umstände. Dieses Leitmotiv eint die fast 70 verschiedenen, ehrenamtlich tätigen Gruppen in Kappeln, darunter die Feuerwehr, Umwelt- und Tierschützer, Kirchengruppen, soziale Verbände. „Ohne diese Menschen funktioniert die Gesellschaft nicht“, sagte Bürgervorsteherin. „Ohne Ehrenamt ist kein Staat zu machen.“ Und auch wenn dieser Satz durchaus wörtlich zu nehmen sei, dürfe es gleichzeitig nicht Aufgabe des Ehrenamtes sein, dort einzuspringen, wo der Staat fehle.

Die Kappelner Tafel tut indes eben das. Sie kümmert sich um die Menschen, für die die Hilfe des Staates zum Leben kaum ausreicht. Jeden Freitag öffnet die Tafel die Essensausgabe im Begegnungszentrum, ermöglicht Familien oder Alleinstehenden, die finanziell nur schwer über die Runden kommen, für ein geringes Entgelt zwar aus irgendwelchen Gründen ausrangierte, aber ohne Zweifel genießbare und wertvolle Lebensmittel zu erwerben. „Essen, wo es hingehört“, zitierte die Bürgervorsteherin das Motto der Einrichtung. Und neben der Essensausgabe hat sich inzwischen ein Mittagstisch, den die Ehrenamtler der „Suppenküche“ ausrichten, etabliert – von beidem profitieren nicht nur Menschen aus Kappeln, sondern auch aus dem Umland von Steinbergkirche bis Damp. Dagmar Ungethüm-Ancker sagte: „Das alles funktioniert, weil das Tafel-Team aus vielen fleißigen Menschen besteht.“ An der Spitze hatte sie den Vereinsvorsitzenden Burkhard Rautenberg als „treibende Kraft“ ausgemacht.

Rautenberg selber sagte, als er den dunkelblauen Ehrenteller schließlich in Händen hielt: „Ich konnte das zuerst gar nicht glauben, dass wir diese Auszeichnung bekommen sollten. Für uns ist diese Arbeit selbstverständlich. Wir machen das gern.“ Und das Lob, das die Tafel gerade erhalten hatte, gab er daher auch unverzüglich weiter. „Ohne die Bürger könnten wir das alles gar nicht leisten“, sagte Rautenberg. „Nur durch ihre Spendenbereitschaft können wir helfen.“

Jede Menge Bürger stehen auch hinter dem zweiten Projekt, das am Donnerstagabend geehrt wurde. „Hand in Hand – Paten für Kappeln“ zeigt zwar Gesicht mit den beiden Schirmherren Propst Helgo Jacobs und dem Sozialausschussvorsitzenden Helmut Schulz sowie Stadtvertreterin Marta Kraft als Schirmherrin, die wirkliche Arbeit allerdings verrichten eben jene 80 Paten, die sich den inzwischen 220 Flüchtlingen widmen. Und das stellten sowohl Schulz als auch Kraft, Jacobs konnte aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen, deutlich heraus. Schulz etwa sagte: „Diese Ehrung gilt den Paten, denn dieses Projekt hängt an ihnen.“ Und Kraft stellte heraus: „Kappeln kann stolz sein auf dieses ehrenamtliche Engagement.“

Die Bürgervorsteherin erinnerte derweil daran, dass „Hand in Hand“ bereits vor drei Jahren initiiert worden sei, also zu einem Zeitpunkt, als noch gar nicht abzusehen gewesen sei, in welche Richtung sich das Thema Flüchtlinge entwickeln würde. Am Ende entpuppte sich das Projekt so als ein „sehr weitblickendes“, das die Verantwortlichen „mit Leben und mit Mitmenschlichkeit“ gefüllt hätten.

Und während der 14-jährige Jannik Teubler den Sitzungssaal mit Marimba-Klängen füllte, stand bei den Preisträgern bereits fest, wo der Ehrenteller platziert werden soll. Die Tafel will die Auszeichnung in ihr Büro im Begegnungszentrum hängen, der Teller für das Projekt „Hand in Hand“ soll seinen Platz in den Räumen der Koordinationsstelle der Flüchtlingsarbeit im früheren Förderzentrum finden. Und als der Abend schon fast zu Ende war, hatte sich auch Burkhard Rautenberg wieder gefangen und konnte mit einem Lächeln im Gesicht den Ehrenteller ein bisschen besser einordnen. „Eigentlich ist das ja“, sagte der Tafel-Vorsitzende, „so etwas wie das Bundesverdienstkreuz der Stadt Kappeln“.

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