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Lehrerbesuch aus Tirana : Von Kappelns Schülern beeindruckt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Drei Wochen lang begleitete Endrit Mulaj den Unterricht an der Klaus-Harms-Schule. Jetzt zog der Gymnasial-Lehrer aus Albanien Bilanz.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 20:16 Uhr

Elf Jahre verbrachte Endrit Mulaj in Deutschland. Er studierte Soziologie und Germanistik an der Universität Rostock, finanzierte seinen Lebensunterhalt als Barkeeper und Kellner. Heute unterrichtet Mulaj Deutsch als Fremdsprache an einem Gymnasium in Tirana – der Hauptstadt Albaniens. Im Rahmen der Partnerschulinitiative (PASCH) der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZFA) erhielt Endrit Mulaj nun die Möglichkeit, drei Wochen lang in den rauen Norden Deutschlands zurückzukehren und den Alltag an einer hiesigen Schule kennen zu lernen. „Kurz nachdem ich mich beim ZFA beworben hatte, erhielt ich die Information, wo mein Einsatzort sein soll“, erinnert sich der 38-Jährige. „Flensburg, Lübeck, Kiel kenne ich ja, aber Kappeln musste ich erst nachschlagen.“ Umso mehr habe er sich gefreut, dass sein Bestimmungsort am Wasser liegt. „Ich bin in Albanien am Wasser aufgewachsen, habe an der Ostsee studiert und von Tirana sind es auch nur 35 Kilometer ans Meer.“

In Kappeln eingetroffen, schaute Endrit Mulaj den Kollegen der Klaus-Harms-Schule über die Schulter. „Die Beziehung zwischen Schülern und Lehrern ist hier lockerer als in Albanien. Die albanischen Schüler sind disziplinierter“, bilanziert der Deutschlehrer. Trotzdem steht für ihn fest: Die Unterrichtsgestaltung, wie der Familienvater sie an der Klaus-Harms- Schule erlebt hat, wird Mulaj seinen Kollegen in Tirana ans Herz legen. „Bei uns gibt es nur Frontalunterricht. Gruppenarbeit, Analysen oder so etwas wie Mindmapping existiert bei uns gar nicht.“ Denn eines hat Endrit Mulaj schnell am Kappelner Gymnasium feststellen können: „Die Schüler hier arbeiten viel selbstständiger und freier, und sie machen das gerne.“ In Gesprächen mit den Oberstufenschülern berichtete Mulaj vom Schulalltag in Albanien – von der im Zentrum Tiranas gelegenen Schule, die so viele Schüler umfasst, dass der Unterricht in Schichten stattfinden muss, und von normalen Klassengrößen mit weit über 30 Schülern. Aber auch über den Begriff „Freiheit“ diskutierte der Albaner gemeinsam mit den Jugendlichen.

Es war das erste Mal, dass die Klaus-Harms-Schule im Rahmen des PASCH-Projektes einen Hospitationslehrer aufgenommen hat. „Gastmutter“ und Mentorin während dessen Aufenthaltes war Lehrerin Annelene Pinn. Für die Schüler sei es keine Umstellung gewesen, dass dem Unterricht ein Lehrer aus einem anderen Land beiwohnte und gelegentlich mit ihnen das Gespräch suchte, sagte Pinn. „Wir hatten schon Tschechen und Syrer hier, die von ihrem Land erzählt haben. Die Schüler kennen das also, und gerade für die Oberstufe sind das sehr bereichernde Erfahrungen“, erklärte die Lehrerin.

Seine gesammelten Eindrücke nimmt Endrit Mulaj nun mit zurück nach Tirana. „Ich versuche immer, meine Schüler gut auszubilden, um sie auf ein Studium, beispielsweise in Deutschland, vorzubereiten.“ Jetzt wolle er dazu verstärkt auf das Konzept der Gruppenarbeit bauen, kündigte Endrit Mulaj für die Zukunft an.

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